Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1862)
- Date
- 1862-08-05
- Page
- Seite 439 (sequence 5)
- Language
- German
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439 Juden als Richter und Lehrer seine ulte Ansicht.— vom Standpunkte des „Rechtsbodens" aus,— von Neuem damit vertheidigt, daß die Juden zum Rechtsprechen als Schulzen und Richter christlicher Gemeinden ' ebenso befähigt feien wie die Christen, und daß auch eine Menge von L'ehrerstellen christlicher Schulen von Juden verwaltet werden können. Graf Schwerin scheint das Rechtsprechen, Verwalten und Lehren für eine so rein formalistische und mechanische Arbeit zu halten, daß es dabei nur auf maschinenmäßige Gewandtheit' und Fertigkeit, die bei Juden und Christen durch Einübung auf gleiche Weise erworben werden können, ankomme. Lassen wir indessen die Frage, ob Recht und Sitte so rein formelle Dinge sind, daß sie auch von gesinnungslosen, mechanischen Routiniers behandelt werden können, oder ob ihnen auch bestimmte, coNcrete Principien zu Grunde gelegt werden müssen, auf welchen die Begriffe von christlicher Sitte und christlichem Recht beruhen." Das ist nach conservätiven Begriffen also nicht schmutzig, das ist edel! In der That braucht man diese Worte nur zu lesen, um zu wissen, auf welcher Seite die „Gesinnungs¬ und Rechtlosigkeit" zn Hause ist, und wie erbärmlich die sittlichen Principien sein müssen, von welchen Männer, die Solches 'niederschreiben, ausgehen. — Wir glauben daher auch folgender Mittheilung, die wir in der „Bonner Zeitung" vom 23. d. finden, nur geringen Glauben schenken zu dürfen : „Seit einigen Tagen spricht man hier viel davon, daß die Regierung sich anschicke, einen neuen und bedeutungsvollen Schritt zur Ausführung der Verfassung zu thun. Man soll sich sehr ernstlich mit der Frage beschäftigen, den Juden das Richteramt serner nicht mehr zu versagen." Aus dem Poftnschen, 17. Juli. iPrivatmitth.) Wie die „Pos. Zeitung" sich aus Gnesen schreiben läßt, so hat bei der am 12. d. M daselbst stattgehabten feierlichen Einholung des aus Rom zurückgekehrten Erzbischofs Leo v. Przyluski der jüdische Kaufmann Mendel Z., — welcher (wie der Corresp. bemerkt) seit den letzten Wahlen mit den Polen für P o l e n stimmte, — Namens der Juden eine Ansprache an den Gefeierten gehalten und diesen gegenüber überhaupt die Rolle eines „Vertreters der jüdischen Corporation" gespielt. — Der betr. Artikel sagt nicht, ob Herr M. Z. hierzu'autorisirt gewesen- — und wir haben auch sonst allen Grund> dies zu bezweifeln. — Nicht absichtslos aber scheint der erwähnte Correspöndent auch die Bemerkung zu machen, daß in der über 5000 Köpfe zählenden Volksmenge,: welche den Kirchenfürsten empfing und begrüßte, namentlich die jüdische Bevölkerung sehr stark vertreten gewesen wäre. — Es ist indeß wohl nicht nöthig, nachzuweisen, daß im Großherzogthum jüdifchersei.ts durchaus' keine Sympathie für Polen mehr vorhanden.-—Wir bemerken hier beiläufig, daß — nach Zeitungsberichten — seit den neuesten Vorgängen in Warschau die Juden daselbst durch Broschüren, Flugblätter rc. wieder vielfach aufgeforbert werden, sich durch die ihnen Seitens der Regierung verbürgte Gleichstellung nicht verlocken zu lassen, die Treue gegen die Nation zu brechen rc^ rc. — Es ist wohl aber nicht anzunehmen, daß die Juden der großen Polenstadt unter den gegenwärtigen Verhältnissen das thörichte Manöver vom vorigen Jahre wiederholen werden. - Berlin, 18. Juli. Die neulichst erwähnte Vergiftungsgeschichte durch Einbringung von Morphium in den Kaffee für eine jüdische Hochzeitsgesellschaft im Mäder'schen Odeum scheint eine sehr ernste Wendung zu nehmen. Wie hiesige Blätter melden, ist als der Täterschaft verdächtig der Koch Karl Mäder vorgestern verhaftet und bereits der Staatsanwaltschaft überwiesen worden. Derselbe verwaltete das Odeum im. Aufträge seiner Mutter, welche nach dem Brande des ihr ebenfalls gehörigen „Gesellschaftshäüses" zur Untersuchung gezogen und in Haft genommen wurde, in der sie sich nun schon einige Monate befindet. Frankfurt an der Oder, 21. Juli. (Privatmitth.) Der „Zuschauer" der „Kreuzzeitung" beschäftigte sich jüngst auch mit dem Redacteur dieser Zeitung' wieder einmal. Denn noch einmal kommt sie auf die „Fichtefeier" zurück. Sie ärgert sich — obwohl sie es nicht gern merken läßt — über den Artikel, welcher neulich von der „Allg. Ztg. d. Jud." in Sachen der erwähnten Feier gebracht worden. Und warum? Nun, weil jener Artikel, bis auf seinen Schluß, allein gegen sie gerichtet gewesen^ Sie hebt aber gerade den Schluß hervor, welcher an dem Schriftsteller Berthold Auerbach es rügt, daß er entweder Fichte's judenfeindliche Auslassungen nicht gekannt, oder — wenn er sie gekannt — darüber geschwiegen und die Theilnahme an der Säcularfeier jüdischerseits nicht blos geduldet, son-