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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-29 · Heft 31 (29.7.1862) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 31 (29.7.1862)
Date
1862-07-29
Page
Seite 427 (sequence 9)
Language
German
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m Aus der Mark, 11. Juli. (Privatmitth.) Trotz der Wiedereinführung der Verfassung von 1831 darf in Kurhessen doch noch Niemand ausländische israelitische Dienstboten engagiren, ohne hierzu die persönliche Erlaubniß des Kurfürsten erhalten zu haben. —- Seitens der sogenannten vornehmen christlichen Bürgerschaft einer Stadt in Oberschlesien, wo neulich ein christlicher Arzt verstorben und noch ein jüdischer seit lange prakticirt, ist durch schlesische Blätter bekannt gemacht worden, daß noch ein Arzt dringend gewünscht würde, welcher aber vor Allem dem christlichen Glauben angehören müsse. — Einem jüdischen Lehrer im Großherzogthum Posen, nämlich Herrn A. Bergel zu Filehne, ist neulich bei Gelegenheit seines 25jährigen Amtsjubiläums Seitens seiner Gemeinde das nennens- und anerkennungswürdige Geschenk von zweihundert Thalern verehrt worden. — Von EmilBreslaur iu Cottbus ist ein Hest „Kinderlieber" erschienen. Es sind dies Compositionen zu Texten, welche den Dichter Hoffmann von Fallersleben zum Verfasser haben. In naher Aussicht steht von demselben Komponisten die Herausgabe eines Heftes „Geistliche Gesänge für Synagoge, Schule und Haus", enthaltend — außer den Compositionen des Ma towu, A’don olam und Baruch atta (Anfangs der Schmone Eßre) — mehrere höchst weihevolle Choräle mit Texten, deren zwei dem Philippson'schen Gesangbuche angehören. — Die übrigen Compositionen des Herrn Breslaur, zumeist in Liedern und Quartetten bestehend, erfreuen sich vielen Beifalls und finden Verbreitung, wie durch die Berliner „Victoria", die Leipziger „Sängerhalle", die Dresdener „Pianoforte-Zeitung" u. a. m. *) — Zu der vom nächsten Herbste ab durch den Lehrer Louis Wehl in Frankfurt an derOderherauszugebenden „Pädagog. Monatsschrift" wird Herr Breslaur außer andern literarischen Arbeiten auch regelmäßige „musikalischeBeilagen" liefern. Genthiu, 1. Juli. (Privatmitth.) Am 22. v. M. wurde hier das neu erbaute Gotteshaus der jüdischen *) In ihrer No. 16 sagt die Berliner „Victoria" über die dem Herrn Redacteur dieser Zeitung gewidmeten „Zwei Lieder" von E. Br. unter Anderm wie folgt: „Es gereicht uns, die wir dahin streben, nur wirklich Gutes zu bringen und nur wirklich Gutes zu empfehlen, zur größten Freude, unfern geehrten Abonnenten in E. Breslaur's 0p. 12 (2 Lieder für 1 Singstimme mit Begleitung des Pianosorte, Sr. Hochwürde» dem Herrn Gemeinde feierlich eingeweiht. —- Das Gotteshaus in Genthiu ist eine Schöpfung, welche dem hochsinnigen Gedanken eines Bruderpaares Hierselbst, den Herren Gebrüdern Birnbaum, aus Veranlassung der Silber-Hochzeitsfeier des ältesten der Brüder ihr Dasein verdankt. Um 10 Uhr bewegte sich der lange Zug der Herren und Damen, darunter die Spitzen der Stadt, die Chefs sämmtlicher Behörden und die Elite der Einwohnerschaft, an der Spitze der Prediger der Synagogen-Gemeinde zu Potsdam, Herr Di*. Cohn, der durch seine ausgezeichnete Beredtsamkeit auch in den benachbarten Gemeinden sich einen Ruf erworben, zur neuen Synagoge. Bei der Synagoge angelangt, richtete der Herr Bürgermeister, als Vorsteher der Stadt,. bevor er das Haus öffnete, eine warme Ansprache an die Versammlung. Nach den üblichen Ceremonien fand die Predigt über 5. Mos. 10,12. statt. Selten wohl hat sich das öffentliche Urtheil so einstimmig und in so hohem Maße zu Gunsten eines Predigers ausgesprochen, wie wir bei dieser Feier wahrzunehmen Gelegenheit gehabt. In athemlosem Lauschen stand der glänzende Kreis andachtsvoller Hörer vor dem geistvollen Verkünder des Gottesworts, und jedem Einzelnen sah man es an, wie mächtig ergriffen und freudig bewegt er war. Diesen Empfindungen gaben auch die vielseitigen Dankesbezeugungen Ausdruck, welche nach Beendigung der Ceremonie dem Redner mit so großer Wärme gespendet wurden. Oesterreichlscher Kaiserstaat. GraH in Steyermark, 7. Juli. (Privatmitth.) Sicherlich dürften Ihre Leser überrascht sein, aus der Steyermark eine Correspondenz zu lesen, aus jener Provinz, die mit blutigen Lettern in der Geschichte der Juden verzeichnet ist, die mit wenig Goldgülden sich das Privilegium erkauft hatte, keinen Anhänger, des israelischen Glaubens unter sich dulden zu müssen. Dr. L. Philippson gewidmet) zwei kleine reizende Blüetten empfehlen zu können, die hinsichtlich der Schönheit in der Composition, wie der nicht gar schweren Ausführbarkeit nichts zu wünschen übrig lassen." — Von denselben. Compositionen sagt die „Neue Berliner Musikzeitung" in ihrer No. 51 (Jahrgang 1861): „Sie nehmen in mancher Beziehung sogar einen Platz unter den Werken der modernen Gesangliteratur ein und werden sicherlich nicht verfehlen, auch in der Oeffentlichkeit den ihnen gebührenden Rang zu behaupten." 31

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