Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1862)
- Date
- 1862-07-29
- Page
- Seite 423 (sequence 5)
- Language
- German
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Gerüchte gegen die Belgrader Juden mit der größten Vorsicht aufzunehmen. ■ Feile oder von -Nationalhaß bethörte Correspondenten haben selbst für die Unglücklichen und unschuldig Leidenden kein Mitleid , und Erbarmen. Rabbiner D. Oppenheim. Mteraristher Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, im Juni, Re lig i o n und Liebe, Ein kleiner Katechismus für die israelitische Jugend (zunächst für seine Schüler) von ür. Julius Landsberger. Berlin 1861.-— Was die Form in dieser Schrift anlangt, so ist sie die — schon so sehr beliebt gewordene— katechetische. Aber die Katechesen sind— wenn auch nicht ohne Mängel — -so doch schon besser, -als wie wir sie in vielen andern ähnlichen Schriften^ und viel besser namentlich, als wir sie bei Man dus (vergl. unser Referat über dessen Religionsbuch in No. 2 des Jahrgangs 1861) angetroffen haben. Herr vi'. Landsberger ist in dieser Beziehung, zum größten Theil wenigstens, mit mehr p ädagog ischem Takte zu Werke gegangen und hat sich ganz besonders vor den sogenannten „Sprüngen" streng in Acht genommen. — Die Sprache ist durchgängig schön und fließend und — was wir vor Allem hervorheben — nirgends die Sphäre überschreitend, für welche das Büchlein geschrieben. Bei den einzelnen Sätzen-jedoch ist — was wir sehr ungern vermissen — nicht überall das richtige Maß innegehalten und — was noch häufiger vorkommt — auf die g e h ö r-i-g e Ab r u n düng nicht genüg Gewicht gelegt worden. — Gehört zum Aeuß er n eines Buches endlich noch die „Eintheilung" resp. Sonderung und Gruppirung des Stoffes, so müssen wir sagen, daß Vers, auch hierin ziemlich das Richtige getroffen. Nur muß es sehr auffallen, aus den Eapikeln von den „dreizehn Glaubensartikeln", der „Eintheilung der heil: Schrift" und dem „Messiasglauben" einen besondern „dritten Theil" gebildet und dieses Alles nicht vielmehr dem, die.Glaubenstehre behandelnden „ersten Theil" des Buches an passender Stelle einvevleibt zu sehen. Nicht minder unbegreiflich ist! es uns, warum der, weiter nichts'als kleine hebräische und deutsche „Gebete" enthaltende 3te Abschnitt des III.'TheilS in diesen letztern und nicht-lieber in den (später noch zuerwähnenden) „Anhang" gebracht, oder— was vielleicht noch paffender gewesen wäre — dem besondern Abschnitte „Ueber das Gebet" (S. 32 und 33) als Zugabe angehängt worden. Den In- und Gehaltdes Buches anlangend, so wollen wir denselben hier einer näher eingehenden Kritik nicht unterwerfen und haben hierzu der Gründe mehrere, von denen im äußersten Vordergründe der steht, daß Verfasser von dem religiösen Standpunkte aus geschrieben, auf welchem er, nicht aber Der, so hier nur als Referent auftritt, sich befindet. — Die Intoleranz ist das Monopol der Mainzer. Wir unsererseits lassen und gönnen gern „Jedem das Seine". — Eilige Bemerkungen indeß können wir, bei aller Duldsamkeit, doch nicht zurückhalten. . - . Wie sich von selbst versteht, so beginnt das Buch mit nichts Anderem als mit d er stereotyp gewordenen Frage: „Was heißt Religion?" — Als ob es so sein mußte! — Und giebt's wohl eine Frage, die' da vielseitiger und vieldeutiger erörtert, resp. beantwortet worden, als eben diese? — Verf. sagt: „Der Glaube an Gott und die Ausübung des Guten heißt Religion." — Ist dies nun nrcht weiter originell, so ift's desto mehr Das, womit Dr. L. die hieran sich reihende Stereoty pfrage Num merZwe i hurch das Kind beantworten laßt. -— Die Frage lautet, wie natürlich: „Woher weißt Du, daß es einen Gott giebt?" — Die Antwort darauf aber : „Seitdem ich es weiß, daß ich Vater und Mutter habe, seitdem weiß ich's auch, daß es einen Gott giebi; denn als ich diese zwei theure Namen nennen konnte, war Gottes Name der dritte, den mein kleiner Mund sprechen konnte." — Ist dies wahr und zutreffend? An meinen Kindern wenigstens — Gott erhalte sie mir gesund und kräftig! — habe ich es bisher nicht erlebt. Versteh' ich's nicht, so bitte ich Den, der's anders und besser weiß, um gütige Belehrung. — — Nicht viel weniger originell aber als "das eben Angeführte dünkt uns Das, womit Verf. den Begriff, daß Gott „ewig", erörtert. Er sagt unter Anderm nämlich: „Er ist so alt wie die Zeit, und so unendlich wie diese."— Und wo bleibt nun Alles, was uns in der Thora rc. über die Unvergleichlichkeit Gottes gelehrt worden? —! Und ist das nicht auch h ö ch st originell, wenn später die Allweisheit Gottes mit folgenden Worten erklärt wird: „Wer zu seinen Zwecken die rechten und gerechten Mittel anwendet, der ist allweise"? — ' ' Die Bibelstellen, so Herr vr. L. als Belege citirt, sind durchgängig recht gut gewählt, uttd ift's noch ganz besonders zu loben, daß'die betreffenden Verse zu-