Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1862)
- Date
- 1862-07-29
- Page
- Seite 422 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m Versammlung und der Stimme des Rechts und der Humanität folgend, den aargauischen Israeliten ihre Menschen - und Bürgerrechte einraümte! 'Dreifus. Gr. Becskerek, 15. Juli. Äre Juden in Belgrad. Zur Ergänzung und Berichtigung unseres Artikels in No. 30 über die höchst traurige und bemitleidenswerthe Lage der Belgrader Juden finden wir es für nothwendig, zur Steuer der Wahrheit auf diesen Gegenstand noch einmal zurückzukommen. Vor Allem freut es uns, daß das uns von gut unterrichteter Seite mitgetheilte allgemein verbreitete Gerücht, daß die Hefe des Volkes in Belgrad der Rückkehr der geflüchteten Juden alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen im^ Schilde führt, sich nicht bestätigt. Freilich ist unter den jetzigen Verhältnissen an eine Rückkehr in das alte Ghetto nicht zu denken, das jetzt wie das Türkenviertel in ein wahres Militärlager verwandelt und voller Barrikaden ist. Die Stadt ist mit Bewaffneten-und Kriegern überfüllt und von den friedlichen Bewohnern, Greisen, Frauen und Kindern gänzlich verlassen. In einer dieser Tage publicirten fürstlichen Verordnung wurden die Kaufleute und Häuserbesitzer aufgefordcrtdie Waarenlager und Alles, was nur transportabel ist, aus Belgrad in die innern Städte des Landes oder über die Grenze zu befördern, da man daselbst ungeachtet der diplomatischen Verhandlungen darauf gefaßt ist, daß der Sturm bald losbrechen wird. Die Juden suchen nun, da ihnen das Wohnen auf^dem Lande verboten ist, ihre Waaren und Habseligkeiten nach Semlin und Panscova in Sicherheit zu bringen und sie werden hierin nicht im Geringsten behindert und gestört, da alle Bewohner bemüht sind, ihre Güter, Möbel u. dgl. aus Belgrad sortzuschaffen. Der Auszug der armen, hülflosen Belgrader Juden ist jetzt ein vollständiger, und wer weiß, wie lange diese Zustände dauern werden? Das Elend derselben ist unbeschreiblich groß, da die Reichen große Verluste erlitten und die sehr zahlreichen Armen ganz en den Bettelstab gekommen sind. Handel und Gewerbe liegen vollständig darnieder und aller Geschäftsverkehr ist aufgehoben. Die jüdische Presse nimmt sich pflichtmäßig der -Unglücklichen an, und ihre Aufforderungen haben auch schon einen günstigen Erfolg; aber es ist eine schnelle und ausreichende Unterstützung nothwendist Die Zahl dev-Nothleidenden ist" groß) und was werden dieselben im Winter machen, da wenig Aussicht vorhanden -ist, daß sich der Conflict so schnell wird austragen lassen? Die Serben sehnen sich nach einem Kampfe mit ihrem Nationalfeinde und wollen von eirrent Vergleich nichts wissen, und die Türken find auch ungemein erbittert. Der Jude ist daher, wie schon die Alten sagen , wie ein Lämmchen unter zwei wüthenden Löwen. Leider ist die Stimmung der Serben gegen die Juden eine sehr gereizte und Diejenigen, die da mit Begeisterung und Freiheitsliebe den letzten Rest des türkischen Joches abwälzen wollen, haben wenig Sympathie für die von ihnen bisher als Parias behandelten JudeM Die fürstliche Regierung kümmert sich um die Lage'derselben nicht und daß der türkische Pforten-EoMmissär je 100 Duc a t e n uach Semlin Und Panscova den unglücklichen Flüchtlingen gespendet, wird denselben auch als eine Schuld zur Last gelegt. Der zu einem wahren Nationalcultus erhobene Türkenhaß der Serben und Südslaven wird - auch zum Th eil auf die Juden ausgedehnt-, weil sie von den Türken in das Land gebracht und von denselben, d. h. von der Negierung, in vieler Hinsicht begünstigt wurden. Der Jude steht natürlich den nationalen Bewegungen fern, und dies wird ihm sehr übel ausgelegt. Die orientalische Frage, die trotz der diplomatischen Künste und Schachzüge ihrer endlichen Lösung entgegengeht, ist auch für die zahlreichen Juden in der Türkei, so schmählich deren Loos unter türkischer Herrschäft auch ist, von außerordentlicher Tragweite, da sie gegen zwei furchtbare Ungethüme, gegen Religions- und Nationalhaß, der durch das türkische Joch verwilderten slavischen und griechischen Völker zu kämpfen haben werden. Wohl haben die Juden für die Freiheit, aber nicht für die nationalen BestWungen dieser halb barbarischen Völker Sinn und Gefühl! Doch wir wollen nicht trübselig in die Zukunft blicken, denn es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels!' Wir wollten nur darauf hindeuten, woher die vielen verleumderischen Gerüchte, die selbst, in der Presse sich geltend machen, daß z. B. die Geflüchteten dem türkischen Festungs-- commandanten auf Gutftehüng einer hochgestellten Person 5 0 0 0 Dricaten vorgestreckt hätten u. dgl., eigentlich herstammen und daß alle diese Mittheilungen aus getrübter Quelle fließen. Wir kennen ja Noch didses herzlose Manöver von der syrischin Affaire sehr gut, wo die Parteiblätter den Juden gern öinen Theil der Schuld in die Schuhe geschoben hätten, wenn ihnen nicht der edle Albert Kohn in Paris das Handwerk gelegt hätte. Auch jetzt sind alle