Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. Seite 411

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
Seite 411 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226341--20486-3249556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

für jede Meldung aus unserer Kasse entrichten. Haben wir in dieser Beziehung nun den Ansprüchen der Mitglieder genügend Rechnung getragen, so ist andererseits für die Verpflegung der Kranken durch das seit vielen Jahren bestehende Abkommen mit dem Vorstände des hiesigen israelitischen Krankenhospitals in umfassendster Weise gesorgt und was die baare Unterstützung hülfsbedürftiger Collegen — von Mitgliedern wurde die Kasse auch in diesem Jahre nicht in Anspruch genommen — betrifft, so haben die in der Tabelle aufgeführten Ziffern den Beweis geliefert, daß sowohl früher als im letztverflossenen Jahre selten ein hülssbedürftiger College an unsere Thür vergeblich geklopft hat; die Zahl der rm abgelaufenen Jahre baar Unterstützten beläuft sich auf nicht weniger als 137, und wenn sie im Durchschnitt auch nur mit sehr mäßigen Beträgen bedacht werden konnten, so haben wir doch die augenblickliche Noth so manches leidenden Bruders dadurch gelindert." Das Institut hat auch einen Unterricht für Lehrlinge eingerichtet. „Der Unterricht der beiden Lehrlingsclassen wurde am 14. Oktober in hergebrachter Weise durch den Revisor Herrn Rabbiner Dr. Geiger mit 45 Schülern eröffnet und nahm unter den bewährten Leistungen der Herren Lehrer Stübler, Bloch und Holländer seinen erfreulichen Fortgang; der Lectionsplan umfaßte für jede der Classen 10 Stunden. wöchentlich — an 5 Tagen zu je 2 Stunden von 8 bis 10 Uhr Abends — von denen 2 Stunden für Styl-Hebungen, 2 Stunden für kaufmännisches Rechnen, 2 Stunden für Handelsgeographie und Culturgeschichte, 4 Stunden combinirt dem Schreibunterricht gewidmet waren; der Schreibunterricht war auch, wie immer, während der Sommermonate in den Sonutag-Frühstunden von 6 bis 8 Uhr beibehalten worden. Die Lehrlinge haben ohne Ausnahme durch regelmäßigen Besuch, Fleiß und ihren Fähigkeiten angemessene Fortschritte, wie nicht minder durch gesittetes Betragen sich das volle Lob der Herren Lehrer in einem so hohen Grade erworben, daß wir ungeachtet der gegen frühere Jahre sehr reducirten Schülerzahl in dem Fall waren, dennoch 6 von ihnen bei der Entlassung mit handelswissenschaftlichen Werken zu prämiiren und außerdem 16 andere mit besonderer Auszeichnung zu nennen. Die Ursache des verminderten Schulbesuchs dürfte lediglich in der durch das neue Statut vorgeschriebenen Erhöhung des Unterrichts-Honorars von bisher 1 resp. 2 Thlr. auf 2 und 3 Thlr. für einen oder zwei Lehrlinge derselben Firma zu suchen sein; der Unterricht wurde am 27. März geschlossen. War die Classe auch numerisch zurückgegangen, so hat sie um so reichlicher durch ihren geistigen Aufschwung, durch ihre treffliche Haltung entschädigt; mögen-ihr diese Vorzüge immer gewahrt bleiben!" Für Unterstützungen an fremde Handlungsdiener sind 104 Thlr. verausgabt, dagegen ist von Mitgliedern die Kasse nicht in Anspruch genommen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 23. Juni. (Privatmitth.) Die jüngst hier abgehaltenen Conferenzen halten noch immer die Geister und Gemüther in Spannung. Die Rabbiner und Prediger könnten sich ins Fäustchen lachen, denn nun hat es sich gezeigt, was eine Conferenz, die fern von jeder Hierarchie war, leistete. Leider ist der Gegenstand zu ernster Natur, als daß man darüber lachen könnte. Die hiesige Statthalterei, an deren Spitze als provisorischer Leiter Herr v. Kellersperg steht (ein Mann, der die Gleichberechtigung der Nationalitäten und Confessionen aus vollem Herzen wünscht), verfolgt mit vielem Interesse die jüdischen Angelegenheiten. Wie ich höre, schenkt man bei dieser maßgebenden Behörde besondere Aufmerksamkeit den Berichten in dieser Zeitung über diese Conferenz und hält man dieses publizistische Organ für unparteiisch in der Sachlage.*) Bei dieser Gelegenheit mag es bemerkt werden, daß die Juden in Böhmen sich der Regierung anschließen. Ohne die Anhänglichkeit zu ihrem Heimathlande irgendwie außer Acht zu lassen, enthusiasmiren sie sich doch nicht für die Koruna ceska. Sie^ wissen es, wie viel sie der deutschen Bildung schuldig sind und vom Utilitätsstandpunkt aus betrachtet, haben die Juden mehr von einem Ministerium Schmerling als von irgend einem Ministerium der „böhmischen Krone" zu erwarten. In einer jüngst stattgehabten Sitzung des Professorencollegiums beschloß die Majorität, daß Herr Professor Dr. Wessely als Promotor zuzulassen sei. *) Es beruht diese Bemerkung auf authentischer Mittheilung. Was das Blatt des Herrn Szanto in Wien veranlaßt, seinen Lesern immer wiederholt zu versichern, die A. Z. d. Jud. habe gar keinen Einfluß bei der k. k. Regierung und deren Organen, werde gar nicht berücksichtigt u. s. w. u. s. w., wissen wir. nicht, nur will es uns scheinen, daß jenes Blatt damit gerade erweist, was es läugnen will: es möchte die Ueberzeugung bei den Lesern beseitigen, die es selbst hat. Die Redaction. 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.