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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
Seite 409 (sequence 7)
Language
German
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409 tigert Lorbeerkranz, nämlich den, die Lacher auf ihre Seite zu bringen. Ein recht hübsches Gedicht, parodirt aus Heinrich Heine, in welchem Marr erscheint, von den Juden in Bann gethan, wie ihm kein Cohn, kein Lilien-,^ Rosen- und Silberberg, kein Gold-, kein Löwen-, kein Friedenthal mehr ein Lotterieloos, kein Rüben und kein Heimann mehr einen ^Paletot verkaufen, kein Koch, keine Sarah, kein Fradchen mehr eine Schaletsuppe, keine Mandelglöwe mehr unfertigen will, bis er seinen Brief als Reclame erklärt und effektive Klausrabbiner wird, hat die Sache ins Blühen gebrächt, .und nun wird auf einem Sommertheater ein von einem Inden verfaßtes Lustspiel: „Wilhelm, der große Judenfresser" zu unserm Leidwesen aufgeführt. Marr ist bei alldem die beste Feder, über die unsere Demokratie disponirt, und die sie am Ende doch nicht gern loslassen mag; für jetzt hat indessen dieser Löwe einen großen Theil seiner Mähne auf der Wahlstatt gelassen, da die Publication seines „Judenspiegels", worin er alle zusammengehaltenc Sorten Gift/ sogar zum Theil des theologischen, gegen die Juden losließ, ihn nicht von der Ausstoßung aus dem Vorstand des hiesigen „demokratischen Vereins" retten konnte. Es ist bei dieser Gelegenheit als eine gute Gelegenheitseinnahme einiger kleinen Buchhandlungen eine ältere Berliner Broschüre: „Die Juden und der deutsche Staat" neu aufgelegt und außerdem ein vor drei Monaten dort erschienener feudaler Zeitungsartikel, welcher in unbewußtem Humor sonnenklar nachweist, daß die „jetzt ämalgamirten"Juden und Freimaurer vermittelst verschiedener, zum Theil keinem Christen zugänglicher Lögen, deren Centralstelle in Rom ist, ganz Europa in jüdischen, der unvergeßlichen hierosolhmitanischen Heimath zugewandten Interessen lenken. Letztere Aenßerung führt mich zu einem Hinblick auf die Juden in der Türkei Und im Orient. Cs schmerzt uns, wenn wir die Versunkenheit dieser so sehr zahlreichen Glaubensbrüder sehen. Was hilft es, so fragen wir, wenn wir> die Juden des nordwestlichen Europas, uns als die fortgeschrittenen Gebildeten fühlen, wenn dagegen Liberal, wo Massen von Juden beisammen wohnen, in Polen, in Südrußland, in Konstantinopel, in einem Theil von Ungarn und seiner Nebenländer, in Asien und in Afrika ein Zustand herrscht, gegen den sogar der dortige frühere, als: dort noch die bekannte traurige Abart von Gelehrsamkeit und eine bedeutende merkanülische Rührigkeit ihre Heimath hatten, noch Gold gegen das heutige Blei war. Lessing konnte es noch für costümgerecht halten, daß in jenen Regionen ein nobler Kaufmann wie Nathan der Weise (ganz abgesehen von seinen philosophischen Ansichten) entstand; würde er es noch heute? Wir können uns der Ueberzeugung nicht verschließen, daß, wenn zwar diese jüdische unvermischte Orthodoxie nicht so geisttödtend ist als die katholische und die protestantische, sie doch dadurch schädlicher wirkt, daß sie den Eindrücken des Weltlaufs in Politik, Schriftenthum und Kunstleben weniger zugänglich ist. Euch, Ihr gelehrten Männer der neuen jüdischen Orthodoxie, die Ihr Euch so ernstlich bemüht, durch Anschmiegen an die antiken Lebens- und Denkformen das Zutrauen der Million zu gewinnen, Euch liegt die heilige Pflicht ob, nach jener Seite hin zu wirken. Wir Andern sind ihnen verdächtig, aber Ihr vielleicht noch nicht. Wenn wir z. B. darauf antrügen, daß als erstes unentbehrliches Mittel den Chachams dort das Recht des Cherems genommen werde, so würden diese gleich über Religionsstürzung schreien; Ihr könnt Euch von solchem Verdacht frei halten. Da ist ein segensreiches Feld für Euch, ein Feld, von dem Ihr sogar nicht bene chorin le-hibatel feib. So wirket denn, zeiget, daß Euch beim 0886h 8chsIom das bloße Rückwärtsgehen nicht die Hauptsache ist. Oder soll der Vers so gemeint sein, daß Gott selbst Friede und Heil über Israel bringen müsse, eben weil wir Israeliten unsererseits nichts dazu thun wollen? Preußen. Lübbecke, 18. Juni. (Privatmitth.) Die diesjährige Prüfung der Abiturienten des Di*. Haindorflschen Seminars zu Münster in den hebräischen Fächern fand den 12. d. M. statt. Mit Vergnügen nehme ich Veranlassung, über das Resultat dieser Prüfung, zu der ich als Assistent hinzugezogen wurde, öffentlich zu berichten. Außer drei Seminaristen, die zum ersten Male den neu eingeführten dreijährigen Lehrcursus absolvirt hatten, war ein vierter Lehramts-Aspirant erschienen, der anderweitig sich vorbereitet hatte. Gegenstände des Examens waren: Religionslehre, biblische und nachbiblische israelitische Geschichte, biblische Geographie, Bibelübersetzung und UebersetzUng neuhebräischer Schriften, endlich hebräische Grammatik. Durch geeignete Fragestellung bald die Umrisse des betreffenden Unterrichts-, gegenständes in scharfer Markirüng hervortreten lassend,

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