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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
Seite 408 (sequence 6)
Language
German
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408 Nachbemerkung der Redaction der Allg. Ztg. d< Jud. Wir'halten es für überflüssig, zu der umstehend mitgetbeilten Instruction in ihren Details irgend eine Bemerkung hinzuzufügen. Die' §§. 5—40 sprechen zu deutlich aus, unter welche Curatel und CensUr der Rabbiner.gestellt, wie ihm jede freie Bewegung, jede Selbstthätigkeit genommen , wie er zu einem vom Vorstande in Wort und That streng dirigirten Automaten herabgedrückt werden soll, um eine weitere Erörterung nöthig zu machen. Wir, die Redaction dieses Blattes, fühlen uns zu sehr in unserer Unabhängigkeit des- Urtheils, um unfern Lesern gegenüber uns auf unsere Unparteilichkeit berufen zu müssen, und gestehen daher offen, daß dergleichen wohl schwerlich jemals im Judenthume vorgekommen. Hervorheben wollen wir aber, daß durch diese Instruction nicht etwa der Rabbiner allein völlig unfrei und in die Hände des, doch in seinen Personen wechselnden Vorstandes, von dem für ihn es keine Appellation giebt, geliefert, sondern auch die Gemeinde selbst in die absoluteste Vormundschaft Seitens des Vorstandes versetzt wird. — Indem der Vorstand Alles, was als religiöse Lehre auf die Gemeinde wirken soll, unter seme unbedingte Controlle nimmt, hat er die Gemeinde selbst für unmündig erklärt, die einer freien Wirksamkeit des Rabbinen auf ffe nicht für fähig gehalten wird. Sollten solche Ansichten und Grundsätze, denen kein seiner Würde und seines Berufes bewußter Mann, sondern nur ein für das Brot dienender Söldling sich unterwerfen wird, außer der Frankfurter Gemeinde sich noch in anderen israelitischen Gemeinden geltend machen, so würden diese dadurch nicht allein bekunden, daß sie denjenigen Grundsätzen, welchen wir die Befreiung aus Beschränkung und Ausschließung verdanken, nicht zu genügen verstehen, sondern auch eine Unfreiheit der geistigen Entwickelung, eine geistige Knechtschaft auf dem Gebiete des Judenthums Hervorrufen, wie sie derartig die stabilste Orthodoxie nicht gekannt. Hierzu möge man bedenken, daß, da die Rabbinate, mit sehr geringen Ausnahmen, durch ihre materiellen Ergebnisse durchaus nicht verlockend sind, unter solchen Bedingungen sich gewiß Niemand mehr, am wenigsten Der, welcher der Begabung und Geisteskraft sich bewußt ist, dem jüdischen Lehrstande widmen wird, und daß daher bald, dieselbe Noch an Rabbinern eintreten werde, wie sie bereits an Lehrern sich überall fühlbar macht. Wir sprechen daher die zwiefache Hoffnung aus, daß keine-Gemeinde dem Beispiele dieser Instruction folgen und daßkein Rabbiner sich derselben unterziehen werde. . .... ■■■■ Hamburg, im Juni. (Privatmitth.) Wir haben hier auch einmal wieder einen Judenkrawall — in der Tagespresse nämlich, und mit obligatem Gelächter von beiden Seiten. Seit längerer Zeit werden nämlich die hervorragendsten Juden unseres kleinen Parlaments, nämlich Rießer und Wolffson — letzterer namentlich als Bürgerschafts-Präsident — von beu gauche unb extreme gauche auf jede Weise angefeindet, weil sie und mit ihnen die Majorität der Bürgerschaft nicht zu der genannten Partei — die übrigens auch keinen Mangel an jüdischen Mitgliedern hat — halten, wie erwartet worden war. Der.Streit, der bei uns übrigens mehr Principien und Theorien betrifft, da bei den Verwaltungssachen meist Einstimmigkeit waltet, ward bitterer und bitterer und es konnte nicht ausbleiben, daß der veraltete Straßenjungenruf: Jud! Jud! wieder einmal hervorgesucht wurde. Und das. ist denn, auch von unserm sehr talentvollen Demokraten Wilhelm Marr (Mephistopheles) geschehen, natürlich nicht auf Grund der Religiousverschiedenheit, sondern auf den des heutzutage gangbaren Racenschwindels, welchen Rappen Marr auch schon einmal bezüglich der Negerfrage geritten hat. In Bremen nämlich war die Aufnahme fremder Juden aufs Tapet gebracht worden, weil diese dort im Vaterlande des verstorbenen Judenfressers Bürgermeister Smidt -noch verschiedenen Beschränkungen unterliegt und Marx ward, zuerst ohne sein Zuthun, dort in die - publicistische Discussion gezogen. Nun legte ex, im „Courier an der Weser", wie schon in No. 27 dieser Zeitung erwähnt, los: um Gotteswillen solle man nicht mehr von dieser reaktionären, feilen, Neunzehnteln der Bevölkerung — darunter er selbst, obgleich Ehemann einer Race-Jüdin — verhaßten Race, unter welcher keine Charaktere, sondern nur Masken zu finden ^seien, ins sreistädtische Bürgerrecht aufnehmen, u. dgl. mehr. Der Brief wurde Hier abgedruckt, nachdem ein gutmüthiger lutherischer Lehrer in Bremen dort dagegen geschrieben hatte, sonst wäre er wohl völlig ignorirt geblieben. Hier in Hamburg war das nun ein gefundenes Fressen für die Juden, und die Zeitungsredactionen hatten alle Hände voll zu thun um nur das schreiblustige und, wie bekannt, .so sehr bescheidene junge Israel sich einigermaßen vom Leibe zu halten. Es galt hier wirklich den Kampf um einen wich?.

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