Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1862)
- Date
- 1862-07-15
- Page
- Seite 397 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226340--20471-3249540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
397 in den Tagen des' Unglücks, - als warnende und mahnende Boten in den Stunden der Versuchung an uns herantreten,, oderdie durch ein besonderes historisches Moment, oder durch einen tief sittlichen Charakter sich auszeichnen. Die Bibel soll den Kindern nur im Auszuge in die Hand gegeben werden. Empfohlen wird als recht: brauchbar: >,Büdinger Schulbibel" und für einen weitergehenden Unterricht die treffliche „Kleine Schul- und Haus - Bibel" von Dr. Jacob Auerbach. Leipzig bei Brockhaus. l Die-am den Vortragsich schließende Discussion wurde durch die inzwischen erfolgte Ankunft des Herrn Dr. Philip p so n unterbrochen. Derselbe, von einer Deputation in die Versammlung geleitet, spricht sein tiefes Bedauern aus.über sein durch ein Mißverständniß herbeigeführtes verspätetes Eintreffen, und nachdem die Mitglieder der Conferenz ihm vorgestellt worden, wünscht derselbe eine Mittheilung über die bereits gepflogenen Verhandlungenwas durch den Vorsitzenden geschieht. Bei der hierauf fortgesetzten Debatte über den Unterricht in der biblischen Geschichte,- wozu sachgemäß auch das Uebersetzen des Pentateuchs vom vorigen Tage wieder ausgenommen wurde, ergaben, sich sehr divergirende Ansichten. .__ . - - — Die Einen wollen die Bibel ganz gelesen haben, wogegen Andere geltend "machten, der Lehrer solle mit den Kindern nichts Unverständliches vornehmen, dem Kinde gehöre die Milch, das Fleisch dem. reiferen Alter. Auch in das Land der Wunder gerieth man, und durch Vorgänge in Kurhessen veranlaßt, nach Endor zu Saul und der Zauberin. Es wurde als wichtig erkannt, an den Wundern nicht zu rütteln, während von anderer Seite ausgesprochen wurde, das Iudenthum bedürfe der Wunder nicht. Herr Dr. Philippson: Auch er habe 30 Jahre das Lehramt gepflegt und wöchentlich l 2 Stunden in diesen Gegenständen unterrichtet. Er sei auf dieselben Schwierigkeiten gestoßen. Der Mensch solle noch geboren werden, der alle Schwierigkeiten zu überwinden vermöchte. Die Bibel sei nicht zu verkürzen, jedoch brauche der Pentateuch den Kindern nicht wortgetreu mitgetheilt zu werden. Der Ton und der sittliche Ernst des gewandten Lehrers helfe durch geeignete kurze Antworten über manche Klippen hinweg. Auch auf anderen Gebieten als dem der Keuschheit enthalte die Bibel anstößige Stellen, die der Lehrer indeß mit Nutzen zu behandeln suchen müsse, z. B. die Erzählung, wie Jakob dem Esau ein Linsengericht verkaufe u. A. Der Pentateuch sei abhandlungsweise mit den Kindern durchzunehmen. Die Frage, wie die Wunder in der Schule zü behandeln seien, möge auf einer folgenden Conferenz eingehend beantwortet werden. Nach einem Resums des Vorsitzenden stellt dieser folgende Fergen: l) Soll die Bibel in vollständiger Uebersetzung in der Schule durchgenommen werden? Wird einstimmig verneint. 2) Soll die Bibel mit Weglassung unzweckmäßiger oder sittlich-anstößiger Stellen gelesen werden? Wird bejaht. Es wird beschlossen, für die nächste Conferenz die fraglichen Stellen zu bezeichnen und einzeln zu motiviren, und übernimmt ein Mitglied diese Arbeit. Sodann folgt ein Referat über „das Lesebuch in der jüdischen Schule". Ein gutes Lesebuch thue noch immer Noth. Das Lesebuch müsse den Anforderungen der Pädagogik entsprechen und müsse zugleich einen positiv jüdischen Charakter tragen. Die nun folgende Discussion dreht sich um die zwei .verschiedenen Prinzipien: ob das Lesebuch bloö Lesebuch sein, oder auch die Realien enthalten solle? Der vorgeschrittenen Zeit wegen, und da für mehrere Lehrer die Stunde ihrer Abreise gekommen, wird beschlossen, den Gegenstand für die nächste Conferenz zurückzulegen und werden dafür ein Referent und Correferent gewählt, um die Sache gründlich zu erörtern. Die nicht erledigten Punkte werden ebenfalls für die nächste Conferenz vertagt. Für die nachexilische'Geschichte übernimmt ein anderes Mitglied das Referat. Leefer macht der Versammlung noch die Mittheilung, daß Herr Buchhändler Friedländer in Brilon eröötig sei, eine von der Conferenz gebilligte hebräische' Fibel, 4 Bogen stark, für den mäßigen Preis von 2*/2 Sgr. und Wandtafeln dazu für 20 Sgr. herzustellen, was von der Versammlung beifällig aufgenommen wird. Ein College will schon nächstens eine solche Arbeit vorlegen. Die „Geleise-Vorschrifttafeln" einer Düsseldorfer Buchhandlung waren durch Blumenfeld der Conferenz vorgelegt worden, um ein Urtheil darüber abzugeben, wozu dieselbe sich indeß wegen der Kürze der Zeit nicht im Stande sah. Im Namen der Vorsteherin des Waisenhauses in Paderborn spricht Alsbach den Lehrern, die sich dieser i Anstalt bisher angenommen, den Dank aus und fordert I die Anwesenden in rührenden Worten auf, dieser heili- 29**