Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-15 · Heft 29 (15.7.1862) · p. Seite 396

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 29 (15.7.1862)
Date
1862-07-15
Page
Seite 396 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226340--20470-3249539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

396 liberghey BWex, Antwerpens, denen:, ich.diese--Hetails entnehme, sind indignirt. So sagt die „Avenir" ^.„Mögen die Christen bedenken, daß jüdische Mütter auch Eingeweide haben. Was würd.en wir Christen sagen, wenn Israeliten unsere Kinder heimlich entführten und in..ihrer Religion erzögen? . Leider aber hören.wir, daß gegen unser Erwarten der Jesuit Schoofs seiner verdienten. Strafe, entgehen dürfte, weil man dem klagen? den Vater, Herrn Beffie, bedeutet hat, daß in unserem Strafgesetzbuch kein Artikel sich vorfindet, um derartige heimliche Bekehrungen zu strafen! Als erste Tugend hat man der neu bekehrten Christin gelehrt: Heuchelei und Entweihung aller 'heiligen Gefühle. (J’hypocrisie et le sacrilege), indem man sie autorisirte, bis, zur bestimmten Stunde alte jüdischenCeremonjen, mitzumachen!. Wenn also das Gesetz den Bekehrer nicht erreichen^ .kann, — das öffentliche Gewissen hat ihn verurtheilt,das öffentliche . Gewissen fordert laut, daß dieser Lücke in . unserem Codex abgeholfen werde." . Der „Precurseur", das geachtetste Blatt , der Antwerpener Handelswelt, spricht sich, nicht minder scharf aus und bemerkt sehr treffend: „Dieser Vorfall muß unsere ganze hiesige jüdische Gemeinde interessiren; alle Israeliten^ da sie ihre Kinder in Ermangelung jüdischer Erziehungsanstalten christlichen Schulen andertrauen, müssen darüber wachen, was man da aus ihren Kindern mache." — Die katholischen Blätter find natürlich mäuschenstill, während die Brüsseler liberale Presse aller Schattirungen nachdrücklich das schändliche Spiel verurtheilt. Wird nun dieses Ereigniß unsere belgischen Juden, welche unbesorgt ihre Kinder den Pfaffen - und Klosterschulen überlassen, aus ihrer Lethargie rütteln? Es wäre zu wünschen. Was das Mädchen betrifft, so soll cö jetzt große Reue zeigen. Wie ich nachträglich höre, war auch der Herr Rabbiner Dr. Lob diese Woche in Antwerpen. Weiteres über den betreffenden Fall später. Großbritannien. . London, 28, Juni. In; der gestrigen Unterhaussitzung ergriff Sir Francis Goldsmid (Israelit).:das Wort,, um eine in Saratow in Rußland vorgekommene Judenverfolgung der Aufmerksamkeit: des Hauses zu empfehlen. Die Verfolgung hatte gerichtliche Formen und schleppte sich beinahe 10 Jahre lang hin, war jedoch sehr brutaler und augenscheinlich böswilliger Art, 40 jüdischeiSoldaten nämlich wurden fälschlich eines Verhrechens- .angeklagt, .dessen ' kein Gericht sie überführen sonnte., Wehn als .ein Tribunal erkannte: ihre Unschuld an. Aber trotzdem -wurden sie aus einem Gefängniß in das andere geschleppt, mehrere -von ihnen mit Stockschlägen, zu, Tode gefoltert -und die übrigen schließlich zur Zwangsarbeit nach Sibiriern geschickt. Der Redner sagt, er stimme durchaus.Denjenigen bei, welche gegen die Einmischung ün die inuern Angelegenheiten anderer Staaten wären, allein man dürfe wohl eine Ausnahme von dieser Regel machen, wenn man Grund - zu glauben hat, daß eine Besprechung solcher Fragen Gutes wirken., könne. Er wisse aber, daß man in Rußland vor der öffentlichen Meinung Englands große Achtung hege, Lord P a l m e r st on entgegnet darauf, daß sich das Haus schwerlich aus die Einzelheiten, eines auswärtigen Processes einlassen könnte. . Der britische Gesandte .in Petersburg habe über ’ die Vorgänge in Sartow Erkundigungen einzuziehen gesucht, aber nur die Auskunft erhalten, daß die verfolgten Personen in aller Form Rechtens verurtheilt wurden. Er wolle nicht behaitpten, daß die russische Justiz nichts zu wünschen übrig lasse, allein was die Behandlung der Juden im Ganzen anbetreffe, so habe, der gegenwärtige Kaiser darin große Milderungen eintreten lassen und er werde'ohne Zweifel ihre allmählige Emancipation energisch anbahnen. (Hört, hört!) , , Correspon-enz. Köln, den 15. Juni 1862. . Bericht über die Lehrerconferenz in Essen am 9* nnd 10. Juni. ' (Schluß.) ' Der zweite Conferenztag begann mit einem Bericht über den Unterricht in der biblischen Geschichte. Goethe'^ Ausspruch : „Die Bibel ist nicht blos ein Volksbuch,> sondern das. Buch der Völker", als Ausgangspunkt nehmend, , äußerte: sich Referent * über die Wichtigkeit des. Bibelunterrichts. Er. will für die.Erzählungen nicht .die Bibel wörtlich., andererseits aber recht viele biblische Kernstellen möglichst wortgetreu, namentlich, solche Stellen, die zur Erhärtung von Religionswahrheiten dienen, Worte, die. als tröstende Engel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.