Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1862)
- Date
- 1862-07-15
- Page
- Seite 395 (sequence 9)
- Language
- German
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395 zu sein, diesen Wahnwitz unter dem Volke zu verbreiten, um es gegen die Juden aufzustacheln. Nun, da nach Eurer eigenen Lehre Nichts.ohne Vergeltung bleibt, so wird auch für Euch die Stunde der Vergeltung anbrechen, die Ihr Gott und Religion in so abscheulicher Weise mißbraucht! Zhr sehet, wohin Eure Verleitung des Volkes führt, das in seinem Blödsinn auf freund und Feind losschlägt. Um so nothwendiger ist es, all diesem heillosen Treiben. mit vereinten Kräften entgegenzutreten. Es ist sicher, daß sich sehr viele menschenfreundliche und wahrheitsliebende Christen uns und unserem Streben anschließen werden, sobald unsererseits erst genügende Schritte geschehen sind. In der That erhalten wir jetzt bereits täglich theils von angesehenen und einflußreichen Männern, theils von ganzen Gemeinden Beitrittserklärungenso daß' wir bereits eine ziemlich ansehnliche Liste veröffentlichen könnten. In Folge dessen standen wir nicht an, nunmehr die Aufforderung besonders drucken zu lassen, und werden in der nächsten Zeit Eremplare an alle Diejenigen versendenwelche dergleichen verlangen: Auch die öffentliche Presse hat bereits unfern Plan ausführlich besprochen und ihre Beistimmung erklärt,;. B. die „Zeitung für Nvrddeutschlanv". Zögere also Niemand, der diesem wichtigen Gegenstände seine Theilnahme und Beihülfe widmen will, sich der Sache eifrigst anzunehmen. - Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, im Juni. (Privatmitth.) Die Israeliten Frankfurts nehmen und bethätigcn einen lobenswerthen Antheil än dem großen deutschen Schützenfeste, das hier gefeiert wird. So schreibt das „Fr. I." vom 22. .Juni: Das vereinigte evangelische Consistorium unserer freien Stadt hat nach Mittheilung des Centralcomitös für das Schützenfest es nicht genehmigtdaß die Gebäulichkeiten der-unter ihm stehenden Volksschulen für Unterbringung der Schützengäste eingerichtet werden. Da während des Festes sämmtliche Schulen Ferien haben, so ist ein stichhaltiger Grund für diesen abschlägigen Bescheid kaum denkbar. Bekannt ist, daß die israelitische Philantropine ihrem Namen Ehre gemacht und die Turnhalle ihres Schulgebäudes dem Comits zur Verfügung gestellt hat. Wie die Loge „Sokrates", so nimmt auch die (jüdische) zmü „Frankfurter Adler" 40 Schützen ins' Quartier, giebt Frühstück und einen Geldbeitrag von 50 Fl. Belgien. Brüssel, 3. Juli. (Privatmitth.) Der Vorfall, den ich Jhntzn zu berichten habe, zeigt von Neuem, was wir von jenem Theile des katholischen Klerus zu erwarten haben, welcher die infame Blutbeschuldigung gegen uns schleudert, — er zeigt, daß auch die belgische Geistlichkeit auf Juden und Judenseelen Jagd zu machen weiß, natürlich blos „zur Lrößern Ehre Gottes", ad majorem Dei gloriam!; Der Sachverhalt ist kurz folgender. Ein in Antwerpen ansässiger holländischer Israelit, Vater von 10 Kindern , Namens Bessie, hatte seine - ungefähr' 22jährige Tochter bei einer Modistin in derselben Stadt m die Lehre gethäm Diese Frauensperson, Fräulein De Duve, ganz gegen den Brauch ihres Standes, Warden geistlichen Herren hold, so namentlich den ehrenwertheu Vätern Jesu- und unter diesen insbesondere dem Pater Schoofs. Damit will ich nun beileibe nicht sagen, daß die wackere Modistin bei dieser Verbindung mit den heiligen Vätern unheilige Zwecke vorhatte;' im Tegentheil, sie und der hochwürdige Pater säßen voriges Jahr auf der Anklagebank vor dem Zuchtpolizeigericht von Gent wegen heimlicher Bekehrung eines minderjährigen deutschen Mädchens protestantischen Glaubens, wobei Pater Schoofs zu einem Monat Gefängniß verurtheilt wurde, Fräul. De Duve aber leer aüsging. Ich will aber abkürzen. Eines schönen Morgens vor Ungefähr 14 Tagen verschwindet Fräul. Bessie aus dem elterlichen Hause; den Kummer der Eltern ersparen Sie mir zu beschreiben; die Mutter geht zurgenannten Modistin, weint, bittet — umsonst! Fräul. De Duve weiß nichts von der jungen Jüdin. Endlich entfährt der Mutter das Wortdaß ihre Tochter als Holländerin noch, minderjährig sei und sie sich also an die Gerichte wenden werde. Schnell läuft Fräul. De Duve zum Jesuitenpater, und dieser zum Gericht, wo er offen erklärt, „daß er Fräul. Bessie schon seit dem Januar 1861 getauft habe, in der Meinung, sie sei volljährig." Sogleich begab sich dann die Modistin nach Brüssel, und von da nach Brainela-Leud, wo Fräul. Bessie durch ihre Vermittlung bereits in einem Kloster untergebracht worden war, und führte sie zu ihren Eltern zurück. — Was sagen Sie zu dem Jesmtenstückchen? Die 29