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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-15 · Heft 29 (15.7.1862) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 29 (15.7.1862)
Date
1862-07-15
Page
Seite 394 (sequence 8)
Language
German
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394 Haupt stehen in wissenschaftlicher Beziehung und im pädagogischen Wissen weit höher als die katholischen. Wir haben hier zwei öffentliche Elementarschulen, die Musterschule ,und die Normalschule; beide, sind mit den trefflichsten geistreichen, durchgebildeten Lehrern besetzt, die ihrem Stande Ehre machen. Mehrere derselben sind als Schriftsteller, wie die Herren Bauer, Reich u. A. bestens renommirt. Unsere Privat-Elementarschulen gehören zum größten Theile zu den bessern und besten, und dennoch schicken die reichen Juden ihre Kinder nicht in diese, sondern in christliche Schulen, wo Dorfschulmeisterei getrieben wird. Wir haben hier in Pesth 3 christliche und 3 jüdische Handelsschulen, die Vorsteher der christlichen Handelsschulen find einfache Handlungsdiener gewesen, die die kaufmännische Buchhaltung und das kaufmännische Rechnen sich eigen gemacht, wo nur Krämer gebildet werden. Wissenschaften, sowie höhere wissenschaftliche pädagogische und didaktische Bildung sind denselben kaum dem Namen nach bekannt. Diese Herren geben sich auch nicht dafür aus und es wird auch von ihnen nicht gefordert. Die iübif scheu Vorsteher der Handelsschulen aber sind wissenschaftliche Capacitäten und rationelle Pädagogen. Kein Einziger der katholischen Lehrer zu Pesth hat irgend eine Bedeutung in der gebildeten Welt erhalten, während viele der israelitischen Lehrer daselbst als Schriftsteller sich einen Namen in der gelehrten Welt verschafften. Selbst die Journalistik hat hierüber in diesem Sinne sich zu wiederholten Malen ausgesprochen. Herr Dr. Fischer, der Vorsteher einer israelitischen Handelsschule hier, wurde von'dem Pesti Hirlap der Pestalozzi Ungarns genannt) er ist als geographischer und naturhistorischer Schriftsteller rühmlichst bekannt) er nimmt unstreitig den ersten Rang als Geograph in Ungarn ein; er ist selbst im Auslande derart bekannt, daß ein hochgestellter Engländer um Aufschluß in ungarischen handclsgeographischen Verhältnissen sich an ihn gewendet; er ist auch Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. Herr Koref ist als Lehrer und Schriftsteller renommirt. Ich habe mir Mühe genommen, Wahrheit in dieser Angelegenheit zu erhalten. Zu diesem Zwecke habe ich die persönliche Bekanntschaft der Lehrer von Pesth gemacht, die Schulen und die Prüfungen besucht, die Schüler, sondirt, und kann hier mit Recht und gutem Gewissen das Urtheil niederschreiben, während in den katholischen Handelsschulen der dorfschulmeisterifche Schlendrian und der Mechanismus des Auswendiglernens und Abschreibens die ganze Lehrmethode in sich faßt, so ist in den jüdischen Schulen eine geistbildende, rationelle Methode, vorherrschend; während in den katholischen^ Handelsschulen in der Geschichte und in anderen Disciplinen ein.katholischer Geist lebt, weht in den jüdischen Schulen ein freier Geist. Wissenschaftlichkeit, geistige Regsamkeit, schnelles Vorwärtsschreiten ist der Charakter der bessern israelitischen Handelsschulen, Abrichtung, handwerksmäßiges Einlernen der der sämmtlichen katholischen Handelsschulen zu Pesth. Ich fordere die Sachverständigen hiermit auf, da im Verlauf der Monate Juli und August die öffentlichen Prüfungen hier in Pesth stattstnden werden, dieselben* zu besuchen, um auch ein Urtheil fällen zu können. Es handelt sich um die Ehre der israelitischen Intelligenz, um das Wohl der israelitischen Jugend und um die Ehre des ungarischen Judenthums. Es wäre sogar Pflicht, eine israelitische Commission zu diesem Zwecke zu ernennen. Der Verein prr Bekämpfung der Slrrlbeschuldigung. Die „ Köln. Ztg." theilt Folgendes mit: „ I d e s - feld, im Juni. Nicht weit von hier wurde in den letzten Tagen ein Mann so schwer mißhandelt, 'daß er einige Zeit für todt am Boden lag! Die Schulkinder der Nachbargcmeinde Thnrn (Kreis Mülheim) waren die nächste Veranlassung. So schrie die Jugend dem Manne nach, er sei ein Blutjude, der Kinder holen und ihnen das Blut aussaugen wollte. Die Alten ließen die Stimme der Unmündigen nicht ungehört, sondern machten mit dem Beschuldigten kurzen Proceß. Der Mann war aber kein Jude, es war der römisch-katholische Holzhändler Engels aus Rath." Die wichtigste Frage, die uns aus diesem Vorgänge, einem Pendanten zu den beiden von uns gemeldeten Ereignissen in Köln, erwächst, ist die: wie kommen die Kinder zu diesem Wahne, und in so lebhafter Weise, daß daraus die Mißhandlung Erwachsener entspringt? Die Antwort giebt sich von selbst: es muß von den Lehrern in der Schule ausgehen, es muß diese schamlose Beschuldigung den Kindern in der Schule eingeflößt werden. Wie nothwendig ist es daher, daß die Schulbehörden darauf aufmerksam gemacht werden. Nichts leichter, als die Urheber aufzufinden, wenn die Frage ernstlich an die Schüler gestellt wird : wer hat Euch dies gelehrt? In der That scheint es ein von gewisser Seite absichtlich ungelegter Plan

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