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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-08 · Heft 28 (8.7.1862) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 28 (8.7.1862)
Date
1862-07-08
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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381 scheid erfolgt. Man hoffte, daß das Comite, welches bald wieder einberufen werden dürste, den Gemeinden über den Fortgang der Sache Bericht erstatten werde. — Gestatten Sie mir nun noch einige Worte über die in Mähren eingerissene Unsitte, eine Rabbinerwahl nur auf eine Probepredigt hin zn treffen. Wie? heißt es gewissenhaft gegen Gemeinde und Schule sich geriren, wenn ein Cultusvorstand durch ein etwa ihm in der Probepredigt gemachtes schmeichelhaftes Compliment sich bestechen läßt und dem einen Aspiranten vor dem andern, der zwar mehr Fähigkeiten zum Rabbiner und Prediger besitzt, aber nicht den Nagel auf den Kopf gleich im ersten Moment zn treffen verstand, den Vorzug einränmt? Und wie oft kam es nicht schon vor, daß Mancher in der Probepredigt sich in ein sehr günstiges Licht zu stellen verstand, in der Zukunft aber ganz und gar nicht den Beifall seiner Zuhörer besaß. Dieses letztere pflegt aber besonders der Fall zu sein, wenn die Gemeinde mit den Charakterzügen des Anzustellenden im Vorhinein nicht bekannt war und blos durch Zeugnisse und, wie gesagt, allenfalls durch die mit Beifall abgehaltene Probepredigt sich zur Aufnahme bestimmen ließ. Ein solcher Fall kam jüngst' in Sch. in M—n vor. Wir wollen die Praxis des gewählten Rabbiners abwarten. Der Wirkungskreis ist daselbst bedeutend, sowohl Gemeinde als Schule befindet sich in sehr argem Zustande. Dazu aber hat der Rabbiner mit einem rohen Proletariat zu kämpfen, das ihn zum Danke für sein Wirken mit Steinen ans offener Straße zu traktiren gern bereit sein wird, was mit Thatsachen bewiesen werden kann. — Nun ist die Frage, ob der Berufene genug Wissen und praktische Kenntnisse für die Schule, genug Energie und Rednergabe für die Gemeindeglieder besserer Sorte, — die zwar leider geringzählig sind, — und genug Klugheit und liberales Benehmen gegen die niedere Classe daselbst besitzen werde?! Wenn er mit allen diesen herrlichen Gaben ausgerüstet ist, da wünsche ich ihm Glück! Corresponderrz. Köln, den 15. Juni ,862. ' Bericht über die Lehrercoirserenz in Essen am 9. und 10. Juni. Die schönen Pfingtage vereinigten diesmal eine ziemliche Anzahl Lehrer aus Rheinland und Wesiphalen zur Conferenz in Essen. Erschienen waren: Alsbach aus Camen, Blumen au aus Bielefeld, Blumenfeld aus Essen, Blumen 1hal aus Deutz, Cahn aus Iserlohn, Cr am er aus Neukirchen, Fl eis chmann aus Emmerich, Goldberg aus Steele, Gold stein aus Grevenbroich, Herrm.anns aus Köln, Heymänn aus Hörde, Kaufmann aus Olfen, K a tz e n st e i n aus Pr. Oldendorf, Kehlberg aus Dortmund, Leeser aus Lübbeke, Leiser aus Uedem, Löb aus Köln, Meisler aus Soest, Meyer aus Moers, Moos aus Bocholt, Oppen heim e r aus Haltern, O st w a l d aus Hüsten, Rosenbau m aus Witten, Rüben aus Gütersloh, Sänger aus Schwerte, Spier aus Ruhrort, Treu aus Münster, Wahlbaum aus Menden, Wiener aus Neuß, Wolf aus Hovestadt, Wolf ans Benrath. Folgende Collegen halten unter Bezeigung ihrer Theilnahme an den Beschlüssen der Conferenz ihr Nichterscheinen entschuldigt: Braunschweig in Peckelsheim, C o h e n in Borken, Lazarus in Petershagen, Meyersohn in Berleburg, Steinweg in Rheda und Wolfs in Osnabrück. Es waren Einladungsschreiben zur Conferenz ergangen an die Herren Dr. Lud w. Philippson, Oberrabbiner Bodenheim und Dr. Kronenberg, von welchen Ersterer am zweiten Conferenztage eintraf, während Herr Bodenheim leider durch andauernde Kränklichkeit nicht erscheinen konnte. Lebhaft bedauert wurde auch das Ausbleiben Dr. Kronenberg's, des Arztes mit dem warmen Lehrerherzen, der an der Wiege des Vereins gestanden und sich wesentliche Verdienste um denselben erworben. Nachdem Herr Blumen au als Vorsitzender die Versammlung begrüßt und die Sitzung mit einem Gebete eröffnet, wurden die in umgeänderter Fassung nunmehr vom Ministerium genehmigten Statuten der „Unterstützungskasse des Lehrervereins", vorgelesen. Eine Debatte entspann sich über einen Passus der Statuten, betreffend die Mitgliedschaft solcher.Lehrer, die das 45ste Lebensjahr zurückgelegt.' Man einigte sich in dem Beschlüsse, das Ministerium zu ersuchen, daß der betreffende Paragraph dahin interpretirt werden solle, daß die Lehrer, die bei Gründung des Vereins (vor 6 Jahren) anwesend und während dieser Zeit das 45ste Lebensjahr erreicht oder überschritten haben, ebenfalls als Mitglieder anzusehen seien. Es folgte demnach die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes, welcher die Geschäfte des Vereins mit anerkennenswertem Fleiße besorgt. 28**

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