Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1862)
- Date
- 1862-07-08
- Page
- Seite 380 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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880 Berichterstatter der Commission für diese Eingabe ist der Abg. Gerichts-Director Immermann. Der in Rede stehende Beschluß des Staatsministeriums hielt nämlich die jüdischen Assessoren von allen Richterstellen fern, die sie in die Lage bringen könnten, einen Eid abzunehmen, und so lange Herr Simons Justizminister war, vertheidigte er auch diesen Beschluß öffentlich in der Kammer. Der Justizminister von Bernuth war anderer Ansicht und hatte auch aus Anlaß einer von dem Oberrabbiner Sutro eingereichten Petition erklärt, daß die Verhandlungen über die Aufhebung der Ausschließung jüdischer Assessoren vom Richteramte schwebten. Die Ansicht des jetzigen Justizministers ist noch unbekannt. - Köln, im Juni. (Privatmitth.) Einem jener lügenhaften Berichte gegenüber, welche das Mainzer Blatt über die israelitischen Gemeinden ausschüttet, gestatten Sie wohl einige Berichtigungen aus hiesiger Gemeinde. Ein Artikel beginnt in frohlockender Weise mit den Worten: „Die "Ausscheidung der orthodoxen Elemente aus unserer Gesammtgemeinde ist in vollem Gange!" — Wir, die wir mit den Verhältnissen der hiesigen israelitischen Gemeinde genau betraut sind, freuen uüs dagegen, berichten zu können,'daß hieran kein wahres Wort, indem wir gleichzeitig die gegründete Hoffnung aussprechen, daß es zu einer Scheidung auch nicht kommen wird. Sodann sagt der Berichterstatter Seite 187 weiter: „Welche Loyalität schuldet man aber einem Vorstande gegenüber, der uns schon zu wiederholten Malen mit einer Orgel in der Synagoge zu beglücken versuchte" u. s. w., während es protokollarisch feststeht, daß bei dem seit Juli v. I. fungirenden Vorstande diese Frage noch gar nicht zur Sprache gekommen. Was die am Schlüsse des Berichtes ausgesprochene Hoffnung hinsichtlich der „Verwerfung" der Piutimfrage betrifft, so freuen wir uns, berichten zu können, daß die Weglassung der Piutim mit einer großen Majorität und zwar beim Vorstande mit 3 gegen 1 und von der Repräsentantenversammlung mit 12 gegen 3 Stimmen wiederholt beschlossen worden, sowie wir schließlich hoffen und wünschen, daß eine gemäßigte Reform, ohne die von Feinden des Friedens erhoffte Spaltung hervorzurusen, in hiesiger Gemeinde einen dem Geiste und den Bedürfnissen der Zeit angepaßten Fortgang nehmen möge. .— * O esteix eichischer Kaiserstaat. Aus Mahren, im Juni. (Privatmitth.)' Im Monate März d.A erging von den jüdischen Bürgermeistern Herrn Husserl aus Proßnitz und Herrn S. Blau aus Nikolsburg an sämmtliche Cultus-Gemeinden Mährens eine Aufforderung, an einer von ihnen angeregten Versammlung in Brünn am 27. April d. I. durch einen Deputaten sich, factisch zu betheiligen; welche in Corpore berathen, welche Schritte zu.geschehen hätten, den jüdischen Landes-Massafond für Zwecke und Institutionen den mährischen Cultus-Gemeinden flüssig zu machen. - Das Ergebniß der erfolgten Berathung war folgendes: Zur Versammlung erschienen Abgeordnete von 48 Gemeinden. Die Session wurde von zwei Präsidenten Herr Dr. Flesch aus Brünn und Herr F. Karplas aus Göding, geleitet, Herr Fröhlich aus Brünn fungirte als Schriftführer. Das Resultat der Berathung ging dahin, daß die nöthigen Schritte eingeleitet werden sollen zur Erwirkung des Dispositiönsrechtes über die Erträgnisse des mähr.-jüd. Landcs- Massafonds für Cultus- und Unterrichtszwecke zum Frommen der mährischen Judenschaft. Zur Resultirung dieses Vorhabens wurde ein Comite aus 7 Mitgliedern und 4 Ersatzmännern gewählt, und zwar die Herren Salomon Singer aus Proßnitz, Stern aus Kremsier, Blau aus Nikolsburg, 'Wohlmuch aus Boskowitz, Herrmann Kohn und Fröhlich aus Brünn und Karplus aus Göding, jene, welche nach Vorgenannten die meisten Stimmen hatten, sind Flesch aus Brünn, Strooß aus Leipnik, Baruch aus Jglau und Schulhof aus Triesch, welche als Ersatzmänner gewählt wurden. Die Frage, ob durch dieses Comite ein Statut als Regulativ entworfen und künftig zur Verathung vorgelegt werden sollte, wurde verneinend entschieden. Das Comite hat seine Wirksamkeit damit begonnen, daß es sich Sr. Excellenz, dem Herrn Statthalter vorstellte und um Schutz für diese Angelegenheit bat. Se. Excellen; geruhten das Comite huldvoll aufzunehmen und gingen in die Details derart ein, daß den Gemeinden ein sehr günstiges Prognostiken für diese Angelegenheit zu stellen ist. Das Gesuch wurde einige Tage später der Statthalterei überreicht, jedoch ist bis heute noch kein Be-