Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1862)
- Date
- 1862-07-08
- Page
- Seite 378 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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378 moralischer und religiöser Verworfenheit und Verdavrmniß, wie Meineidige. Unter ist aber zu verstehen der Eid, den Individuen abgelegt, daß sie nicht Zeugenschaft abzulegen vermögen, mögen sie geirrt oder vorsätzlich diesen Umstand beschworen haben, mußten-sie ein ■Tivnttbi* ‘jinp bringen. So definirt es ja eben Maimonides in der a. St. mit Bezug auf 3. M. 5, 1. Nach detaillirter Auseinandersetzung Dessen, was die Gottesverehrung-fordert, wobei, mehr auf das „Wie" als auf das „WaS^ zu sehen ist, kommen die gelehrten Beilagen I. : „Die göttliche Fügung in der Natur". Das, was Seite 199 mit vielem gelehrten wissenschaftlichen Apparate gesagt wird, wird in seinem Resultate in dem bekannten Midrasch' behauptet: p-nnm mnbw fcnatü lab?:. — II.*: „Skizzen über Atheismus, Pantheismus, Dogmatismus und Deismus". Jeder, der Sinn und Interesse für Religionsphilösophie hat, wird diese ebenso gründliche -als populäre Beilage mit Befriedigung lesen, und sich den Ausdruck „überweltlicher Gott" statt „außerweltlich" ein für allemal aneignen. Haben,-sagt unser trefflicher praktischer Religionsphilosoph S. 225, die Lehrer des Theismus niemals gehörtdaß der biblische Deismusan unzähligen Stellen in den zahlreichsten Wendungen und -Ausdrücken die Allgegenwart Gottes lehrt? Wir meinendie „Außerweltlichen" seien durch Stellen verleitet worden, wie: ■ ina 'hb .an« Wenn in diesen zwei Abtheilungen die Form und Darstellung mehr als die Materie die Aufmerksamkeit des-gelehrten Lesers fesselt, so wird! die Geschichte und Darstellung des jüdischen Eultus in der nächstfolgenden Lieferung— wir erlauben uns diese Jndiscretion — an Gehalt und Gestalt das lebhafteste Interesse erwecken. l)r. M. Duschak. Zeitüngsnrchrich Len. Deutschland. Gailingen, im Mai. (Privatmitth.) Am 19. d. verschied nach einer 14tägigen Krankheit in seinem 52: Lebensjahre unsergeschätzter Bezirksrabbiner Ep hrarm Willstätter, nach einer fast 22jährigen treuen Amtsverwaltung (in Bühl, Rastatt und seit 7 Jahren in Gäilingen). Sein Tod versetzte Alle in die tiefste Betrübnis und sein Leichenbegängniß war das größtewelches mgn -je hier gesehen. Die Gemeinden seines Bezirks Wangen, Merchingen, Randegg waren herbeigeeilt,- um dem geliebten Seelenhirten die letzte Ehre zu erweisen, über 1800 Menschen-> darunter 5 Geistliche christlicher Confession, die ganze - Schuljugend folgte seiner! Bahre, Herr Rabbiner vr. Kayserling, welcher auf besondern Wunsch des Verstorbenen von Endingen berufen war, hielt die Leichenrede, - welche alle aufs Tiefste ergriff. Kassel, im Juni. (Privatmitth.) Die Umgestaltung der Dinge und Verhältnisse, in Kurhessen durch die Herstellung der Verfassung von 183 t und namentlich des Wahlgesetzes von 1849 bringt auch die Israeliten zu dem Wiederbesitze des obersten politischen Rechtes, des activen und passiven Wahlrechts. Je weniger aber das an sich große Zugeständniß des Kurfürsten unter dem neuernannten Ministerium irgend ein Vertrauen auf eine wirklich liberale, Ausführung einflößt, desto mehr müssen auch, die Israeliten, ihre Hoffnungen herabstimmen, daß, außer was ihnen der formellste Buchstabe verschaffen muß, ihnen irgend eine Besserung werde. Schon früher ist die durch Pas Gesetz von 1833 ausgesprochene Emancipation hinsichtlich des Staatsdienstes und der Verwendung im Lehrfache ein Buchstabe geblieben, um wie viel weniger, wird sie es jetzt werden, wo der Kurfürst wiederholt seine entschiedene Abneigung gegen die Juden ausgesprochen. .Mit der ihm eigenthümlichen Hartnäckigkeit hält er an dem Gedanken fest, die Juden.seien Pie „Hauptrevolutionärs", ybschon sie doch,in Hessen niemals eine, politische Rolle gespielt. Aber es. ist einmal tröstend, den. Widerstand, den man. findet ,, nur .einer .gewissen Classe zuzuschreiben, von dersich die anderen Volksschichten bethören lassen., Gerade in, Hessen aber trifft dies in allen Beziehungen nicht zu., Die Mißstimmung ist aber eine so allgemeine, daß die in der jüdischen Bevölkerung kein Moment ausmacht.,., Preußen. Berlin, 28. Juni. Die Petitions-Commission des Hauses der Abgeordneten hat ihren ersten Bericht erstattet. Esffind darin einige principielle, sehr wichtige Petitionen besprochen^ Dazu gehört, die bekannte Sutro'sche Petition wegen der staatsbürgerlichen Rechte der Judenwie sie durch Art. 12. der Verfassung gewährleistet sind. Die Angelegenheit - ist vielfach besprochen. Gegenstand der . Beschwerde, ist 1) das Rescript des Justizministers vom 9. Oktober 1,851,