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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-08 · Heft 28 (8.7.1862) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 28 (8.7.1862)
Date
1862-07-08
Page
Seite 375 (sequence 5)
Language
German
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375 Liszkaer, Ganzer erklärt und die messianische Zeit für uuerreichbar gehalten, so lange der Stramel und Bekeschel mit all seinen Nebenanhängseln sich nicht auch in gebildeten Kreisen Israels-Eingang verschafft habe. Welche Früchte diese Conferenz getragen, beweisen die enormen Gäste, die sich täglich in Sanz und Liszka einfinden und die Feindschaft der Chassidim und Nichtchassidim-unter einander.. Als Ursache des unversöhnlichen Hasses zwischen Aschkenasim und dem Heiligen in Liszka bezeichnet man uns zwei Talmudjünger, die am Purimfeste als Damen verkleidet vom Rebben in Liszka den Kindersegen erflehten, den dieser auch durch Handauflegen ertheilte. if Daß unsere nichtchassidischen Rabbinen solch ein Treiben unserer Rebbes verdammen, werden Sie, hochgeehrtester Herr Nedacteur, natürlich finden; nur wäre im Interesse der guten Sache zu wünschen, daß jene Rabbinen, die bisher nur in ihren Lehrsälen gegen solch ein antijüdisches Benehmen protestirten, auch öffentlich im Verein mit allen wahrhaft -frommen Rabbinen Ungarns gegen, solch ein antijüdisches Treiben unserer Rebbes auftreten möchten. Wohl ist bei der enormen Verzweigung dieser Seete, wenigstens , bei uns, der Sieg der Wahrheit gegen die Lüge nicht so ganz sicher, und sind es gerade unsere sogenannten Aufgeklärten in manchen Gegenden Ungarns, die wohl ihr Namensfest feiern und wenn es darauf ankömmt, auch den Weihnachtsbaum anzünden, den heiligen .Rebben dabei'aber keineswegs vergessen, und um die Freuden des Festes voll zu machen, auch wohl einen Abstecher nach Liszka machen und dem Heiligen seinen Antheil bringen. Nicht minder abergläubisch benehmen sich jene Unentschiedenen im orthodoxen Lager, die wohl weniger lächerlich sich benehmen, doch bei Krankheitsfällen keineswegs zu Hause bleiben. - Nachschrift: Soeben verläßt der Rebbe des Gebirges Liszka und begiebt sich nach Großwardein, um daselbst für «seine Secte im Sinne jener Conferenz zu wirken: Die phantastischen Figuren, die ihn begleiten, lassen auf einen Erfolg hoffen und leben, die Chassidim in der Hoffnung,' recht bald ihre Fahne in Großwardein aufpflanzen zu können. I. I. Rosenmeyer. Es wäre allerdings. Zeit, daß die orthodoxen Rabbiner sich energisch gegen den Chassidismus erklärten, und ' sich diesem Auswüchse des Judenthums gegenüber aus j der Lethargie aufrüttelten, die. ihnen nur schon zu sehr den Vorwurf zugezogen hat, daß sie mit dem Chassidismus liebäugeln und daß Einzelne von ihnen gern nebenbei die Rolle eines chassidischen Rebbe spielen möchten. Mögen sie gegen den Chassidismus nur einen Theil des Eifers verwenden, den sie so oft auch der nothwendigsten Verbesserung entgegenstellen. Wenn sich mit den Einwirkungen der Cultur namentlich der besseren Volksschulbildung das Verdammungsurtheil Seitens. der Orthodoxie verbindet, kann man hoffen, daß auch in den osteuropäischen Ländern dem Umsichgreifen des Chassidismus -Einhalt geschehe. Man hat immer mit einem gerechten Stolze darauf hingewiesen, daß der Druck, die Ausschließung und Verfolgung von drei Jahrtausenden nicht vermocht hätten, den Geist in der jüdischen Masse zur Entartung zu bringen. Wir können mit Recht und Fug dies nur noch theilweise behaupten; denn der Chassidismus ist. allerdings ein Beweis für die Entartung und Verdummung des Geistes in der jüdischen . Masse innerhalb der osteuropäischen. Länder. Literarischer Wochenbericht.. Bonn, 29. Juni. Der der Nummer 26 d. Ztg. beigegebene Prospectus benachrichtigte die. resp. Leser, daß die Baumgärtner'sche Buchhandlung eine neue (die dritte) verbesserte Ausgabe unseres Bibelwerkes gegenwärtig veranstaltet. Im Jahre 1858 war eine zweite Auflage dieses umfangreichen Werkes nothwendig geworden., von der auch bereits ein großer Theil wieder verkauft ist. Von vielen- Seiten aber , , sowohl privatim als auch öffentlich *) erging an uns die Aufforderung, eine wohlfeilere Ausgabe dadurch zu veranstalten, daß der hebräische Text und die (500) Holzschnitte weggelassen und die Ausstattung minder kostbar sein würde. Diesem Verlangen entspricht nun die Verlagsbuchhandlung durch die beabsichtigte Ausgabe, die in 4 Bänden in größtem Octav in Lieferungen von 6 Bogen zu 12 Ngr. erscheinen soll, und von der in diesem Augenblicke die Iste Lieferung des Isten Bandes (Pentateuch) und die Iste Lieferung, des 3ten Bandes (Jesajas) .ausgegeben werden. Es soll auf diese Weise die größere -Verbreitung dieses Werkes auch unter .Denen, welche den höheren - Preis für die : große Ausgabe nicht bestreiten können oder mögen/ sowie auch unter dem christlichen *) Zuletzt'z. B.: Das Lied Moses, erklärt von Kamphausen, Leipzig 4862, S. 312.

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