Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1862)
- Date
- 1862-07-08
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
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Opfer so bedeutend sind/ daß - sie allein durch die regsamste Betheiligung - der Reichen und' Großen -beschafft werden können, vielleicht daß auch hierbei! der Ausdauer und Consequenz der Sieg Vorbehalten ist.> Die Ämancip ation im Aargau. Wir muffen die Bemerkung hier noch einmal nachdrücklich betonen, daß die Aufregung im Aargau gegen das Emancipationsgesetz dieses letztere nur als eine Handhabe für anderweitige politische Zwecke benutzt, an sich aber in ganz änderen Motiven ihren Ursprung hat. Alle ultramontanen und reactionären Elemente, die seit; langer Zeit alle Mittel und Wege verloren hatten, um im Canton Aargau irgend eine -Geltung zu erlangen/ glauben in dem Volke so viel Abneigung gegen die Gleichstellung der Juden zu finden,. um mit dieser Hülfe die gegenwärtige^ Regierung in die Luft zu sprengen. Die demokratischen Bestimmungen der Verfassung ebnen ihnen den;Weg hierzu, da es nur 6000 Stimmen aus dem ganzen Canton bedarf, um eine Volksabstimmung gesetzlich fordern zu können. Eine solche Zahl, die dem Gesammtvolke gegenüber-doch nur unbedeutend ist, konnte sie allerdings unter den gegen die Juden Gestimmten zusammenzubringen hoffen. Es kann daher nicht überraschen, wenn die K. Z. folgende Nachricht vom 2 t. Juni bringt : „In Aarau kündigte sich vor zwei Tagen eine aus drei Katholiken und drei Protestanten bestehende Deputation bei-der Regierung an, um derselben die mit 10,069 Unterschriften bedeckte Bittschrift, betreffend die Aufhebung des Gesetzes über Emancipation der Juden, zu überreichen und die. Entscheidung durch das Volk zu verlangen. Morgen tritt dort der Große Rath zusammen/' NM die Arbeiten über die Verfassungs-Revision zu beginnen. Seit den Klosterwirren war das aargauische Volk nicht mehr in solcher Aufregung wie jetzt." Hingegen sind wiederum von anderer Seite Proteste gegen diese Wühlerei der Ultramontanen ergangen, welche zugleich die Richtigkeit unserer oben gegebenen Auffassung bestätigen. Das „Fr. I." bringt Folgendes: . „Die Einwohner von Aarau richten an den Großen Rath eine Erklärung, die also lautet: „„Eine ultramontane : Partei nimmt die Frage der Emancipation der Juden zum Vorwand, um den politischen Zustand unseres Cantons in Frage zu stellen und alte, längst überwunden geglaubte confessionelle Zwistigkeiten wieder -Mch zu rufen. -Die Unterzeichneten Einwohner von Aarau erheben -sich gegen dieses Treiben und erklären/ daß sie die Abberufung des''Großen Rathes als 'einen' Schandfleck! des Cantons ansehen müßten. Die Unterzeichneten hoffen zugleich, daß die Bürger der übrigen aargauischen Gemeinden in großer Mehrheit sich diesem Proteste anschließen werden, und so die durch dreißigjährige Kämpfe erworbenen Rechte des Volkes, die bis jetzt makellose Ehre des Cantons gewährt bleiben."" : Die in voriger Nummer mitgetheilte „Erklärung" des Rabbiners Dr. Kayserling gegen den ultramontanen „Botschaftler" hat allgemein einen sehr guten Eindruck gemacht, und dient der liberalen Presse zu einer'guten Waffe. In gleichem Sinne und mit gleicher Energie ist nunmehr. Di*. Kayserling den ultramontanen Anschuldigungen und Verleumdungen im Canton St. Gallen entgegengetreten. Es hat sich auch hier zur Evidenz erwiesen, daß durch Schweigen die Sache nur verschlimmert wird, rüdem dieses von den Gegnern als Zugeständniß, als ob man nichts erwidern könne, ausgegeben wird. — Wir bemerken übrigens, daß durch die Vorstellung des Dr. Kayserling an die Regierung in Aarau bewirkt worden, daß diese hinsichtlich des Schreibens in den Schulen am Sabbath Seitens der jüdischen Schüler keine-Verfügung erlassen hat, und irgend ein Zwang daher nicht geübt werden wird. . Fortschritte des Chassidismus in Ungarn. Wir erhalten hierüber folgende Zuschrift: Aus dem Tokayergebirge/im Juni. Seit seiner Zürückkuuft von jener von uns schon erwähnten Rebbesversammlung in Polen ist unser Heiliger im Gebirge ein wenig rührig geworden, und wenn sich derselbe noch vor Kurzem mit dem Wallfahren und dem Gelde der Afchkenasim begnügte, so will er sie jetzt ganz mit Leib und Seeles ' Die Versammlung beschloß einstimmig: Die Rebbes der frommen Genossenschaft haben mit größerer Energie alsbisher gegen den Unglauben der Afchkenasim aufzütreten, daß Thora und Tälmüdstüdium, wenn nicht' ganz zu verbieten, doch wo möglich zu beschränken, sowie das Wallfahren zu den guten Jüden, selbstverständlich mit Banknoten versehen, als die erste Pflicht eines treuen Jüngers zu fordern:' Ja die größten Männer Israels der Vor- und Neuzeit wurden als unreligiös und unbedeutend gegen einen