Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- Seite 363 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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363 rüchtigten reactionären Clubbs. Die Hauptrolle spielen hier, die bei den Wahlen abermals so glänzend durchgefallenen v. Blankenburg, Wagener, dann der Schuhmacher Panse, der ehemalige Ober-Präsident v. Kleist- Retzow , und namentlich die beiden Ersteren hielten in gewohnter Weise ihre ausführlichen Sprechübungen, die ihnen im Abgeordnetenhause versagt sind. Auch Herr v. Kleist-Retzow, der einst die großen Städte durch Bomben von der.Erde fortrasiren wollte, fehlte nicht mit seinen Schlagwörtern, uud sagte unter Anderm: „Einen Staats der die Gleichberechtigung der Juden anerkenne, müsse er (Redner) als von Gott verlassen ansehen." Es ist doch ein Glück, daß Herr v. Kleist-Retzow kein Mitglied des göttlichen Rathes ist, daß also die Ansicht des ehemaligen Präsidenten der Rheinprovinz und noch jetzigem Mitglied des preußischen Herrenhauses doch nur so eine Privatansicht Zeines -kleinen Menschen ist, der offenbar von Gott weniger weiß , als die vernünftigen Menschenkinder. Da nun neuerdings alle europäischen Staaten, selbst Rußland, mit alleiniger Ausnahme des Papstes, der Königin von Spanien und des Großherzogs: von Mecklenburg, die Gleichberechtigung der Juden anerkannt haben, so hat sich nach der Ansicht des Herrn v. Kleist-Retzow der liebe Gott aus allen diesen Staaten zurückgezogen und weilt nur noch beim Papste, der Königin von Spanien und dem Großherzoge von Mecklenburg, einem verhältnißmäßig sehr geringen Territorium. Wir Judenaber wollen fröhlich sein, daß es nichtumgekehrt der Fall ist. Herr v. Kleist-Retzow wird es uns aber nicht übelnehmen, wenn wir gerade der entgegengesetzten Ansicht sind , und besonders ihn und seine Genössen von Gott verlassen glauben, weil sie von Wahrheit und Recht verlassen sind, oder besser, daß sie Gott verlassen haben, weil sie der Wahrheit und dem Recht immerfort ins^Angesicht schlagen^^ Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, im Juni. (Privatmitth.). Der Gottesdienst im hiesigen Tempel wurde an dem letztverflossenen riisinw in'so erhebender Weise abgehalten, daß einige hiesige Journale sich zur Nottznahme veranlaßt fanden. Wir können uns demnach jedes eigenen Urtheiles enthalten, und lassen hier einen diesbezüglichen im „Ungar" erschienenen Artikel folgen.;: Derselbe. lautet; wörtlich:; „Unter den großen Componisten jüdischer Confession war es Halövy, der außer seinen Opern-Meisterwerken auch der Synagoge seiner Glaubensgenossen manches schöne und erhabene Tonstück hinterlassen hat. Wenn, diese Tonstücke in den israelitischen Bethäusern bis jetzt wenig oder gar nicht gehört wurden, so ist dies in dem Umstande zu suchen, weil, viele Cantoren und Gemeinden, namentlich in Ungarn, die diesgebietlichen, gedruckten und ungedruckten Schöpfungen Halevy's nicht kennen, und andererseits die Kräfte zur Aufführung desselben nicht besitzen. Um so lobenswerther und anerkennungswürdiger ist es, daß der sehr verdienstliche Pesther Obercantor, Herr Friedmann, der überhaupt den israelitischen Cantoren Ungarns mit der besseren Richtung in der Tempelmustk vorangeht, am vorgestrigen israelitischen Pfingsttage eine Festcantate, Psalm 118, von dem unlängst in Paris verstorbenen Meister mit vieler Präcision zur -Aufführung brachte. Herr Friedmann hat dadurch ein sich ehrendes Zeugniß der Pietät für den. unsterblicheni Meister an den Tag gelegt, zugleich aber das wackere. Bestreben, der höheren Musik in der Synagoge Eingang zu verschaffen, beurkundet. Schließlich sei erwähnt,/ daß Herr Obercantor Friedmann ein Werk: „Der jüdische Cantor, wie er war, ist und sein soll", für' die Presse ^vorbereitet. Der erste Theil des Werkes wird literarischen Inhaltes sein, und die Würdigkeit der Person des Cantors vom religiösen und historischen Standpunkte aus besprechen; der zweite Theil wird die jüdischen National-Gesangsweisen nach dem modernen Musiksystem darstellen und als Belege 30 Compositionen enthalten." Die umfassenden Fachkenntnisse des Herrn Friedmann berechtigen, zu der Hoffnung, daß -en durch Herausgabe des bezeichneten Werkes unserm Cnltuswesen tteffliche Dienste leisten wird. — ch — Raab, 13. Juni. (Privatmitth.) In Pesth soll eine Bodenankaufs-Gesellschafti ins Leben treten, deren Aufgabe es wäre, zu erzielen, daß der weniger Bemittelte sich ein Grundstück anschaffen könne, nebstbei mit dem angelegten. Capitale einen namhaften Gewinn-zu erlangen. > i Nun hat sich in . gewissen Kreisen das Gerücht verbreitet, daß die Gesellschaft mit dem Gedanken umgehe, die Juden von der Theilnahme und vom Kaufe des Grund und /Bodens auszuschließen.. Diesem''absurden Gerüchte tritt Herr Emerich v. Jvänka, als: Schöpfer 27