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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-01 · Heft 27 (1.7.1862) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 27 (1.7.1862)
Date
1862-07-01
Page
Seite 361 (sequence 7)
Language
German
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sicht, wenn er sich einmal um diese kümmert, nicht zu begreifen, und wer sie nicht begreifen will, wer sie aus schlechten Motiven heraus nicht begreifen will, mag es lassen. Wir haben unsere ungarischen Glaubensbrüder ^n ihrer Hingebung an die nationalen Tendenzen und Interessen stets zu bestärken gesucht, aber vor den Extravaganzen einer Manie, welche die Magyaren selbst mit Hohn vergalten, gewarnt; wir glaubten und glauben noch, daß die bestehenden Institute nicht mit einem Male umgekehrt und die aus deutscher Bildung entsprossenen Anstalten nicht mit Einemmale von ihrer Wurzel abgeschnitten, sondern nur allmählig in die allein magyarische Entwickelungsbahn gebracht werden müßten.- Unsere Gegner suchten nun hieraus den Borwurf der Feindseligkeit gegen das Magyarenthum zu schmieden und als eine Waffe gegen uns zu verwenden. Als nun in Ungarn die Gleichstellung der Israeliten beseitigt und an einzelnen Orten vielfache Ungerechtigkeiten und Mißhandlungen gegen die Juden geübt wurden, standen wir niemals an, unserem Berufe getreu, diese Vorgänge ans Licht zu bringen und die Remedur nachdrücklich zu fordern. Dies 'war den feindlich gesinnten unter unseren Glaubensgenossen willkommen, um dieses Blatt und feine Redaction. in ungarischen Blättern noch mehr zu verlästern. Wie? sollte man uns nicht den wärmsten Dank sagen? Was bleibt den Gemißhandelten übrig, wenn sie. sich nicht mehr beklagen dürften, und wo sollen sie es?' Leiht ihnen etwa die ungarische Presse ihre Hülfe, ist die deutsche immer geneigt, die Seufzer gemißhandelter Juden vernehmbar zu machen? Darin liegt das Verrätherische jener jüdisch-ungarischen Scribler, welche das Geschrei wider uns erhoben. Hierzu kommt aber die Lächerlichkeit, daß es zumeist wieder deutsche Juden waren, die sich damit in Ungarn einen Namen machen wollten. Ihre Namen verrathen sie schon als solche. Wer ist es, der im?6esi Dnpoo den Weheruf über uns erhebt? Ein gewisser Seligmann Eleazar. Wenn Eleazar zeigt, daß er ein Jude, so erweist Seligmann, daß er ein Deutscher. Wem seine Eltern den Vornamen Seligmann geben, dessen Ellern müssen Deutsche sein, und wer diesen Namen Zeit seines Lebens führt, der muß Zeit seines Lebens ein Deutscher sein. Solche Renegaten sind aber stets die Schlimmsten. Daß derselbe ein Lehrer, ein Lehrer an einer jüdischen Schule ist, macht die Sache noch beklagenswerther. Denn wehe der Jugend, der ein solcher Lehrer Vorbild der Moral sein soll! — Wir haben dieses eine Beispiel aus mehreren hervorgehoben. Unsere Leser werden an diesem Misüre schon genug haben, und es wird sie nur . noch mehr betrüben, wenn wir hinzufügen, daß Männer daran Theil nehmen, welche eine höhere Stellung beanspruchen, aber aus eigennützigen Motiven uns entgegenzuarbeiteu suchen.*) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. Juni. Angekommen: „Die biblische Ge- . schichte nach dem Worte der heiligen Schrift, der israelitischen Jugend erzählt von Dr. M. A. Levy, Breslau, 1862." Mit dem Erscheinen des vorliegenden Werkes verband der Verfasser die Absicht: den Zöglingen zahlreich besuchter Religionsschulen ein Buch in die Hände zu geben, das, sich anschließend an das Wort der heiligen Schrift, bei größtmöglichster Vollständigkeit um einen geringen Preis zu beschaffen sei. Soll einmal die biblische Geschichte nicht allein durch den mündlichen Vortrag — eine Unterrichtsweise, die wir für diesen Gegenstand und das ihm zugewiesene Alter stets für die richtigste befunden — sondern durch Lesen gelehrt oder unterstützt werden, so hat sicherlich der Verfasser die beste Methode gewählt und in deren Ausführung überall einen richtigen Takt bewiesen. Das Buch endigt mit Nehemia, wozu noch eine Skizze über Hiob gefügt ist. Sprüche und Verse sind den einzelnen Absätzen beigegeben. — „Jllustrirter israelitischer Volkskalender für das Jahr 5623, herausgegeben von Jakob Wolf Pascheles. Prag, 1862.'* Dieser eilfte Jahrgang übertrifft seine Vorgänger an Reichhaltigkeit. Außer dem Kalender und seinen Beigaben bringt er einen gut geschriebenen Rückblick auf das Jahr 1861, eine niedliche Skizze und zwei Gedichte von Dr. Ehrentheil, ein ausführliches Lebensbild des R. Salomon Luria von Klemperer, zwei anregende Bemerkungen von Dr. Schmiedl ' *) Es sieht Jeder, der sehen, will, leicht, daß, wenn in dem Artikel in No. 19 von der „sogenannten Intelligenz" die Rede ist, nicht die wahre, auf Recht und Bildung beruhende Intelligenz unter den Magyaren, sondern vielmehr .die mit einem Firniß bekleidete, hinterher ohrfeigende und stockprügelnde Intelligenz gemeint ist. Glaubt man denn überhaupt von dem Gemißhandelten und Unterdrückten die allersäuberlichste Sprache und die zartesten Ausdrücke fordern zu können? Soll er die Faust streicheln, die ihn geschlagen, den Fuß küssen, der ihn getreten? Diese Zeit ist vorbei, und wer noch so gemein ist, dies zu fordern, wird finden, daß wir nicht mehr so gemein sind, es zu thun.

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