Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1862)
- Date
- 1862-07-01
- Page
- Seite 359 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Weg dar, auf dem die Angelegenheit leicht geregelt werden kann. Wenn die Frau nach ihrer Wiedergenesung nach London kommen will, so will ich es gestatten, daß sie hier*)' durch die Ceremonie der Converfion gehe und daß nachher das Kind entweder hier oder in Cardiff beschnitten werde. Ich bin rc. rc. N. Adler, Dr. An den ehrwürdigen Herrn Nathan Jacobs. Auch in Bezug auf dieses merkwürdige Schriftstück, das mir nichts dir nichts eine folglich auch eine - Ehe für ungültig erklärt und die aus dieser Ehe erzeugten Kinder brandmarkt, wollen wir uns heute weiterer Commentare enthalten. Uns ist es vorläufig darum zu thun, den Widerspruch darzulegen, in welchem sich die Handlungsweise des Dr. Adler bewegt; wir wollen gern■ uns bescheiden, bis von autentischer Seite uns Aufklärung gewährt werde über ein Verfahren, in welchem, nach; unserer Ansicht, beide Gesetze, das des Landes und das . des Judenthums, in gleichem Maße verletzt er-, sch e i n en. Es mag einen Punkt geben, von dem aus solche! Jnconsequenzen und Gesetzverletzungen.als höhere, gouver-- nementale Gerechtigkeit erscheinen; unserem beschränkten Un-. terthanenverstande will dieser Punkt, trotz eifrigen Suchend, nicht erscheinen. Wir flehen alle oberrabbinische Weisheit - nah und fern um die Gefälligkeit an, unserer Beschränktheit? zü Hülfe zu kommen und uns Aufschluß zu geben, wie die j beiden Schreiben des Dr. Adler zu vereinbaren seien. Polemisches. I Es ist nicht unsere Schuld und macht keine Befrie-; digung unserer Neigungen aus, wenn wir uns immer l und immer wieder genöthigt sehen, den äußeren und in-' neren Feinden des Judenthums, den von innen und au-' ßen kommenden Anschuldigungen unserer Religion und unseres Stammes gegenüber, Auslassungen des Hasses und des Vorurtheils nachdrücklich abzuwehren und zurück- ' zuweisen. Man sage nicht, daß dies nach der alten Fabel das Faß der Danaiden füllen heiße. Das Unrecht; und die Dummheit müssen unermüdlich bekämpft werden;: sie müssen wenigstens wissen, daß.man die Antwort ih¬ *) Der Nachdruck ist im Original auf dieses Wort gelegt, nicht bei ^uns. nen nicht schuldig bleibe, auf daß sie sich nicht einbilden, sie hätten gesiegt und wären unangreifbar. Hierzu kömmt, daß wir in uns und den Unsrigen ein kräftiges Bewußtsein, unfern Gegnern die Stirn zu weisen, nicht abschwächen lassen dürfen. Fassen wir daher heute Verschiedenes zusammen, auf. das wir in der letzten Zeit fließen. — Das „Bremer Sonntägsblatt" enthält einen Vortrag Erdmann's über „Nationalität". Wir haben zu unserm Leidwesen das Blatt nicht erhalten, doch schreibt man uns, „daß der sonst geistvolle Mann darin über Beziehungen der Inden zu den Nationalitätsbestrebungen Ansichten entwickelt, die mehr gehässig als wissenschaftlich erscheinen". Dies erinnert uns aber an die Vorlesungen desselben Verfassers „Ueber akademisches Leben und Studium" «Leipzig 1858), wo man in der achten Vorlesung Band 1. S. 353 Folgendes liest: ,>Wen n aber Solche es sich heraus nehmen, welche durch.die Vornamen Joel oder B aruch und davurch, daß ihre Familiennamen mit ky oder witsch endigen, deutlich zeigen, daß kein germanisches Blut in ihren Adern fließt, dann, denke ich, wäre es Zeit, daß man ihnen zuriefK: „Mauschel har nicht mitzureden" oder zeigte, daß-der deutsche Michel ein Mann war, der sich sehr gut aufs Zuschlägen verstand." Man wird zugeben,' daß dies in der Thal über die Grenzen aller „Wissenschaftlichkeit" hinausliegt, und daß der Mann, welcher solche Worte schreiben konnte, wenig von der Würde des akademischen Lebens und Studiums in sich tragen muß. Hat Erdmann, als er z. B. den Namen „Baruch" niederschrieb, nicht daran gedacht, daß auch ein gewisser Spinoza diesen Namen führte, uud daß es doch etwas sonderbar klänge, diesem -zuzurufen: „Manschet, halte das Maul! " Jedenfalls wird er es nicht, übelnehmen können, wenn man ihm zuruft: „Erdmann, halte das Maul — wenigstens, wenn Dunichts Besseres vorzubringen weißt! " Daß er zuletzt das „Dreinschlagen des Herrn Michel" zu Hülfe ruft, gehört natürlich auch zu den Feinheiten eines akademischen Lehrers.— Daß wir unsere gehässigsten Gegner nicht blos in den Reihen der Ultramontanen, sondern auch geradeaus in dem entgegengesetztesten Lager zu suchen haben, ist längst kein Geheimuiß mehr. Sobald eine Anschauung sich zu einem Extrem ausarbeitet, gesellt sich der Fanatismus zu ihr, -der Alles erdrücken und vernichten will, was nicht zu seiner Fahne schwört. Der Atheismus hat seine Fanatiker wie der vollendetste Kirchendogmatismus, und was Voltaire gegen die Juden ausbrachte, daß sie nämlich gottgläubig sind und bleiben werden,-erhitzt noch heute die Jünger derselben Schule -gegen uns. Rechnen wix uns dies zur Ehre