Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1862)
- Date
- 1862-06-24
- Page
- Seite 349 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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349 wir^Mch^ yW^ehpi-^/Me: gwßen Erfolge, welche die Bibelverhreitung. -unter: ben Christen errungen hat, wie da Millionen: derselben die Bibel zur. unentbehrlichen täglichen-Nahrung des. Geistes' und des Herzens geworden ist, .wahrlich!, Ae sind meistens jenem unermüdlichen warmen Mifer . beizumesien, womit christliche Geistliche von der Kanzel herab. Alt und Jung über den Zweck der Bibel unhwie . sie mit Nutzen zu lesen sei, belehrten und deren Herz siir dieselbe zu gewinnen suchten. Wie-wenig geschieht aber< bei; uns hiefur/ und wie wenig kann hiefür. wenigstens durch Mündliche Vorträge bei uns geschehen! - •: r,-,:: Eine Predigt über das: erwähnte Thema am Sitze des. Rabbinen gehalten,- -was ckann sie den 100 Gemeindennützen, > die zu -dessen - Sprengel gehören? ' Die jüdische -Presse sollte ssich. daher; solcher Themata bemächtigen, sie: zum Gegenstände ihrer Besprechungen machen, um sich, auch auf diese.Art den Gemeinden nützlich zu zeigen,: wasihrem.Gedeihen nur förderlich' sein könnte. —v Doch -wie die: Aufschrift sagt, will ich hier die Bibel nur mit-Rücksicht aus. die Schule einer Betrachtung unterziehen, hoffend- -dies werde bei Lehrern und Eltern eine freundliche Mfnähme und Beachtung finden-. — Also: was soll die Bibel in den Schulen und wie ist sie daselbst. zu behandeln? : 1^ Das /Erste, was die Bibel dem Schulunterrichte darLreten soll , ist-die. Geschichte, nämlich die Geschichte der Schöpfung, der l Patriarchen und. des israelitischen Volkes. Die biblische Geschichte ist die .Grundlage, auf welcher .sich astest übrige/ in .der Bibel. Enthaltene aufbani..';Sie/-! der,dient unseregrößte. Aufmerksamkeit und ernsteste Würdigung^ ' i-tj . k i .n-; : - Schon in den' ersten Schuljahren des Kindes,' also auf derjenigen Stufe ^'wo.die'wirkliche Unfchäuung,die Bedingung// alles//positiven Mterrichts ist,. wo hie Aufgabe ^W./MtexeW?seiu^HMan - die bereits vom Kinde gewonnenen Vorstellungen Lttzuknüpfen, dieselben zu-berichtigen , zuordnen, und' so dem begrifflichen Unterrichte vorzubreiten, schon da werde mit dem Unterrichte in der. biblMen - iAeschlchte begonnen//. .Anfangs, zeige, man den Mndern Bilder aus der-Bibel vor,: beschreibe ihnen dieselben,.- un&ft schreite bis zur eigentlichen Erzählung fort; fö prägt es sich der Kinderseele -äm/tiefsten ein. Demgemäß sollte es in' keiner geordneten' Schule an biblischen Bildertaseln fehlen, gemalte ^Bilder,.nach Art t^es.Orbis xietus von Cpmeniusu: Gailer/und Anderen sind; wenn -sie sonst den Pädägogischen-Ansorderungen entsprechen, den blos gezeichneten vorzuziehen. Und dies Alles gilt nicht chloS für die Volksschule, sondern auch für die Religionsschule; auch diese muß, so sie sich nicht an-der natürlichen'Ent-- Wickelung des Kindes versündigen will/ durch die'Anschauung, entweder die Unmittelbare ober von der' Einbildungskraft vermittelte, den Weg züin Geiste des Kindes suchen; auch sie muß sich allen 'Grundsätzen und-Regeln unterwerfen, die für den Anschaüüngs - Cursüs von' einer gesunden Pädagogik ausgestellt sind. — Abeb welche' 'Verstöße erlaubt man sich nicht fortwährend in der Religionsschule gegen dieselben! Schon die allenthalben übliche Gewohnheit, Kinder des zartesten Alters mit dem Erlernen des Hebräisch-Lesens zu beschäftigen, steht mit diesen Grundsätzen und Regeln im Gegensätze. Denn bei einer Beschäftigung, wo das Kind nur Buchstaben Und Wörter in seinen-Geist ausnimmt, also nur Zeichen ohne die bezeichnete Sache, ohne den Gegenstand und dessen Verhältnisse, da kann von einem Erweitern, Berichtigen und Ordnen seiner Vorstellungen keinHRede seich -bä müßderförmale Zweck des Unterrichts/ welcher auf dieser Stufe der säst alleinige ist, eher gehemmt als gefördert 'werden/ Allein ich möchte nicht wagen , von der erwähnten Gewohnheit, abzumahnen. Die Orthodoxie erkennt in dem frühzeitigen Erlernen des Hebräischen von Seiten zarter Kinder eine ihrer Stützen; und ein Äbmahnen dävon würde sie als einen Angriff auf' sich selbstansehen/ Zu trnem solchen möchte ich aber nicht einmal den Schein hetgehen/ Mein es ' ftagt sich, ob nicht jene mehrerwähnte Gewohnheit im Jüdenthünie, in'unsrer Zeit"und bei unstr'er Erziehung, nichts selbst der Orthodoxie' mehr' schädlich als nützlich sei; ob die öfters zu Tagt tretende Erscheinung/ daß Kinder orthodoxer Eltern sich schon in stüher JugeNd über alles Specifisch - Jüdische hinwegsetzentind'es' miß-' achten/ unter andern Gründen sticht auch in -dW verfrühten Beschäftigen mit dem '-H'Lbräische«^/sem'en''-ÄMd habe und dem UmständeVeizMesseN fei/ däß> während sie bei den übrigen Lehrgegenständen eine Erweiterung und Vervollständigung' ihrer.' Vorstellungen uttd ein'' damit verknüpftes Wohlbehagen , bei dem Hebräischen hingegen eine unbehagliche - Leere : des * Gemüths empfinden; und eben dadurch leicht empfänglich werden können für eine allgemeine Abneigung hegen alles Specistsch-Jüdische? Ware es nun unter diesex Voraussetzung /nicht besser/Mn wartete mit/ dem Beginnen des/hehrasschenUnterxichts/ bis nach; zurückgelegtem achten. Jahre, : wosich' auch noch: der Vortheil darbietet/ daß man -nun denKindern 'eher - die Heiligkeit der hebräischen Sprache begreiflich machen könnte? 26