Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1862)
- Date
- 1862-06-24
- Page
- Seite 348 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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verstorbenen Wiener Baron Rothschild, als dem Gründer dieser Bahn, eine Statue zu errichten. — Herr Baron James v. Rothschild zu Paris, Eigenthümer mehrerer Häuser auf dem neuen Boulevard Magenta, ließ dieser Tage seinen Miethern die Mittheilung machen, daß er sich veranlaßt sehe, den Miethzins aus die Hälfte herabzusetzen Eine Unterredung mit mehreren Grundbesitzern wegen der Nothwendigkeit der Ermäßigung des Miethzinses veranlaßte den Baron zu der Aeußerung: „Als reichster Grundbesitzer müsse er mit dem guten Beispiele vorangehen". — Dieses gute Beispiel wäre allen Hauseigenthümern der großen und der kleinen Städte zur Nachahmung zu empfehlen! Deutsch. Frankreich. Paris, im Mai. (Arch. isr.) Das Consistorium von Paris hatte beschlossen , dem Großrabbiner des Central - Consistoriums jährlich eine Unterstützung von 2000. Francs zukommen zu lassen; Herr Ullmann hat diese Vergünstigung abgelehnt, weil sö viele religiöse Interessen noch ungenügend befriedigt wären.. — Unter Denen, welche zur Anschaffung von Mazzoth in diesem Jahre beisteuerten, wird auch Cremieux angeführt, der 1000 Francs gegeben. — Gewiß eine eigenthümliche Erscheinung bei einem Manne, der seine sämmtlichen Kinder hat taufen lassen. — Nach einer osficiellen Mittheilung des Pariser Consistoriums war die Anleihe zum Bau zweier Tempel in Paris schnell gedeckt; die Höhe der Unterschriften hat fast die Summe von 1,600,000. Francs erreicht, das heißt, hat beinahe um 100,000 Frcs. die geforderte Summe überstiegen, so daß eine Reduktion stattfinden muß. 588 Personen haben an dieser Summe Theil genommen; Zwei außerdem haben einfach Geschenke gemacht, der Eine von 1000 Frcs., der Andere von 1200 Frcs. Die unter-, zeichnete Summe würde noch bei Weitem größer gewesen sein, wenn man nicht nach Verlauf einiger Tage hätte den Schluß der Zeichnung eintreten Lassen müssen, um zu vermeiden, daß einer religiösen Angelegenheit der Charakter eines Geschäftes gegeben würde. — In den ersten Tagen des Mais verstarb Hier O. Terquem, bekannt als der Verfasser der ,.lettres tsarphatiques“. Er war Ln Metz den 16. Juni 1782 geboren, trat 1801 in die polytechnische Schule, wurde 1804 Professor der höheren Mathematik am Lycee im damals französischen Mainz, 1814 an der Artillerieschule von Grenoble; 1815 wurde er Professor beim Ärtillerie- Comite zu Paris, gründete die Bibliothek des Central- Depots, deren Conservator er fast ein halbes Jahrhundert blieb. 1828 erhielt er die Ehrenlegion, und wurde 1852 zum Officier dieses Ordens ernannt. Außer vielen, das Judenthum betreffenden Aufsätzen verfaßte er mehrere noch jetzt geachtete mathematische Handbücher. Seine Geisteskräfte und sein Fleiß blieben ihm bis über das achtzigste Lebensjahr. Seiner Gestattung am 8ten Mai wohnten die bedeutendsten Autoritäten bei. Metz, im Mai. (Arch. isr.) In Metz organisirt sich in diesem Augenblick eine Lotterie von 80,000 Loosen je zu 1 Franc, um die nöthigen Mittel zum Bau eines neuen jüdischen Hospitals herbeizuschaffen,, da das alte in Trümmer zerfällt. Alle mildherzigen Männer, namentlich alle Metzer, werden sich an diesem lobenswerthen Unternehmen betheiligen. Corvespondenz. Ueber Zweck und Behandlung der Bibel m den Schulen. Von Moses Mannheimer, Religionslehrer, früher Rabbinats-Verweser in Darmstadt. Bevor, ich über den rubricirten Gegenstand meine Ansichten, hervorgegangen aus einer langjährigen, von der Anweisung und Belehrung namhafter Pädagogen geleiteten Beobachtung und Erfahrung, hier niederzulegen mir gestalte, kann ich das Bedauern nicht unerwähnt lassen, daß man unter uns Israeliten auch jetzt noch, wo.man anfängt, für gute Bibelübersetzungen und deren Verbreitung ernstlich thätig zu sein, nicht eine gleiche Sorge tragt, daß die Bibel wie von der Jugend in den Schulen, so auch von. den . Erwachsenen im Leben, ihrem hohen Zwecke entsprechend, gelesen, benutzt und angewendet werde. So lange nicht eine klare Erkenntniß von dem Zwecke der Bibel und von der Art ihres Gebrauchs, um diesen Zweck sicher zu erreichen, alle Schichten unseres Volkes durchdrungen hat, eine herrschende Ansicht, ein bleibendes Gefühl geworden ist, kann von einer allgemeinen Theilnahme an der Verbreitung der Bibel, von einem allgemeinen eifrigen Bibellesen und Bibelfreundlichkeit nicht die Rede feilt; denn eine Sache, deren Zweck uns nicht klar vor Augen steht, und. die wir nicht zu gebrauchen verstehen, lieben