Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1862)
- Date
- 1862-06-24
- Page
- Seite 347 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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347 gehen und' an ihnen jedesmal ‘ 5 Thlr. an Arme' zu vertheilen. Zu diesem Zwecke würde ein ewiges Legat von 100 Thlrn. ausgesetzt. 'Q'p'is .D^n ' —r. '• Oestrrreichlscher Kaüerstaat.; Kronstadts 17. Mai. Die hiesige israelitische Gemeinde hat gestern Nachmittag ihre neue Tempelweihe begangen. Der Tempel ist ganz einfach, aber eines Gotteshauses sehr würdig ausgestattet. ' ' Die Thorarollen wurden aus dem alten in den neuen Tempel in feierlichem Zuge getragen und unter dem Gesänge von Lobliedern, Psalmen und frommen Gebeten in der Bundeslade niedergelegt, woraus Herr Steinhardt eine der Feier ganz entsprechende Rede hielt, welche auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Dem Magistrat und der Repräsentanz von Kronstadt stattete der Redner im Namen der israelitischen Gemeinde dafür, daß jene beiden Körperschaften in so vorurtheilsfreier, toleranter , und vom Geiste der. Menschenliebe beseelten Weise dieser Gemeinde den Tempel zu ihrem Gottesdienste überlassen *),; den innigsten und herzlichsten Dank ab. Die Theilnahrne an dieser Tempelweihe von Seite der christlichen Bevölkerung unserer Stadt war eine sehr große. Auch waren alle Militär- und Civilautoritäten, die protestantische Geistlichkeit, die Communität u. s. w. dabei vertreten. Nach beendeter.Feier herrschte über die Würdigkeit dieses Aktes die allgemeine Stimme lobender Anerkennung. (Kronstädter Zeitung.) Raab, 8. Juni. (Privatmitth.) Der Angriff, der am 28. v. M. im Abgeordnetenhause gegen die Festung, Concordat genannt, stattfand, dürfte nicht ohne Erfolg unternommen worden sein, sondern vielmehr zum Siege der allgemeinen Freiheit führen. Schon liest man mitunter auch in halbosficiellen Zeitungen, daß die römische Kurie sich zu einer Revision des Concordats, und zwar nicht nur zu einer partiellen, sondern zu einer totalen herbeilassen würde. Ist einmal dieser Kampf glücklich durchgesührt, dann hat die Regierung, was die speciellen Interessen der Israeliten anbelangt, ebenfalls ein , *) Die neue Synagoge war nämlich früher ein evangelisches Bethaus. Durch die eifrige Bemühung des ersten Vorstehers, Herrn L. Aronsohn, würden die Baulichkeiten binnen fünf Wochen beendet. Der Einsender. leichteres Spiel; dann dürfte ein hervorragendes Mitglied eines Gemeindeausschusses doch Anstand nehmen, öffentlich zu erklären.: die Juden müssen nach allen Richtungen hin beschränkt werden. — Was mich zu dieser Bemerkung veranlaßt,? Eine Gemeinderathssitzung zu Czernowitz. In dieser wurde jüngst über den Entwurf eines Gemeindegesetzes delibrirt, welches dem im Herbste zusammentretenden Landtage vorzulegen wäre. Nun giebt es Leute, die gern gewisse Paragraphen der längst vergilbten Gesetzessammlungen des Mittelalters hervorhöben und dem neu ausgearbeiteten Codex einverleiben möchten. Und so kam es auch hier. Als der Passus aufs Tapet kam: wie viel Vertreter von der Jsraelitengemeinde zu Czernowitz in den Gemeindeausschuß zu wählen seien? äußerte ein Mitglied: Die Vertreter der Israeliten, müssen auf das Minimum beschränkt werden, weil „alle Gesetze die Juden zurücksetzen und die Verfassung blos die Gleichstellung aller Nationalitäten, aber nicht die der Confessioneu ausspricht". Mein verehrtes Aüsschußmitglied! bemühen Sie sich gefälligst nach Wien vor das Schottenthor, dort werden Sie ein Gebäude sehen, in welchem ber gesetzgebende Körper des Reiches tagt, da. sitzen auch zwei Juden, die mitrathen und mitthaten —und wenn das keine Gleichberechtigung ist, so giebt es keine auf dem weiten Erdenrunde. Man sieht, jetzt heißt es immerfort: „auf der Hochwarte der Freiheit" Wache halten und anfpaffen, wohin das Zünglein itnlS' bie JlBaage der Gerechtigkeit sich neigt und wendell — In Triest erscheint feit vorigem' Monate eine neue Zeitschrift unter dem Namen: „Corriere.Izraeliticö“, redigirt von A. V. Morpurgo. Am 1. Juni würde das' 2. Heft dieser Zeitschrift ausgegeben, in welchem eine historische Skizze der Stadt Triest vorkommt. In dieser Skizze wird nachgewiesen, wie die Israeliten zum commerciellen und materiellen Aufschwünge dieser reichsunmittelbaren Stadt beigetragen haben. So haben die Herren Abraham und Jsak Camondo zu Ende des vorigen Jahrhunderts um die Beförderung des Handels nach der Levante sich ungemein viele Verdienste erworben; die Herren Vivante, Minerbi Und Löwi, Parente und Mandolso zeichneten sich durch ihren Unternehmungsgeist und durch die Entwickelung der Schifffahrt aus;'so gab ein Herr Philipp Kohen, aus Wien kommend, dem. Getreide- und Tabakshandel einen riesigen Ausschwung, auch viele Fabriken gründeten Israeliten in Triest. — Die Direktion der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn hat beschlossen, dem