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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-24 · Heft 26 (24.6.1862) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 26 (24.6.1862)
Date
1862-06-24
Page
Seite 345 (sequence 5)
Language
German
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345 den hat dies anerkannt, durch das Gesetz von 1860 über die rechtliche Stellung der Kirchen; die volle bürgerliche Gleichstellung der Juden ist nur eine Folgerung davon. Großherzog Friedrich wird vollenden, was Karl Friedrich begann. Altona, im Juni. (Berichtigung.) In No. 22 d. Bl. findet sich eine Notiz des Hamburger Berichterstatters bezüglich des in der Altonaer Synagoge eingeführ- Len Chorgesanges mit der Bemerkung, daß man bereits damit umgehe, denselben wieder aufzugeben. Indem wir die letzte Bemerkung als durchaus aus der Luft gegriffen bezeichnen können, dürfen wir vielmehr constatiren, daß man in Altona mit der Einführung des Chorgcsanges in der Synagoge sehr befriedigt ist und nichts weniger denkt, als denselben wieder auszugeben — vielmehr eifrigst daran gearbeitet wird, die neuen Einrichtungen und den Gesang selbst fortwährend zu vervollkommnen. Mainz, im Juni. (K. Z.) In Mainz hat der Gemeinderath, Herr Leopold Goldschmidt, der Stadt eine Schenkung von 35,000 Fl. gemacht, deren Zinsen im Betrage von 1000 Thlrn. alljährlich unter die einer Zulage am meisten bedürftigen Lehrer aller Confessionen vertheilt werden sollen. Preußen. Äuö der Mark, 1. Juni. (Privatmitth.) Die Kreuzzeitung kann es durchaus nicht verschmerzen, daß im 2ten Wahlbezirk zu Berlin am 17. v. M. Dr. Johann Jacoby zum Abgeordneten gewählt worden. Ihr ist diesmal nicht so sehr der „Demokrat Jacoby" als vielmehr der „Jude Jacoby" ein Dorn im Auge. Ja, nur mit dem Juden hat sie es in allen ihren diesbezüglichen Schimpf- und Schmähartikeln zu thun, und selbst ihre schamlose Kritik der trefflichen Rede, mit welcher Grabow am 23. Mai den Präsidentenstuhl übernahm, weiß sie nicht anders zu schließen als mit den Worten : der Jude Jacoby hat seinen Remplaeant gefunden." — Jacoby hat bekanntlich die Wahl nicht angenommen und in seinem— so berühmt gewordenen— Ablehnungsschreiben, vom 19. Mai datirt, auch an Fichte erinnert, dessen lOOjähriger Geburtstag an jenem Tage in ganz Deutschland festlich begangen wurde. Die betreffende Stelle in dem Jacoby'schen Briefe lautet wörtlich: „Heute — an dem hundertjährigen Geburtstage Fichte's — liegt mir der Gedanke nahe : wie würde in einem ähnlichen Widerstreite der Pflichten Fichte entschieden haben? Ich zweifle keinen Augenblick, sein Spruch würde lauten: Folge der Stimme des Gewissens; halte fest an dem gesprochenen Worte!" — Auch an dieser Aeußerung nimmt der kreuzzeitungliche Rundschauer Anstoß und -kann sie dem „Juden Jacoby" durchaus nicht verzeihen. Er . fragt: „Ob dem Briefschreiber wohl schon bekannt war, was Fichte über die Juden geschrieben hat?"-— Und was hat Fichte über die Juden geschrieben? Der Rundschauer weiß es und veröffentlicht es (in No. 123) bei Gelegenheit seiner Besprechung über die Fichtefeier, welche Seitens des Berliner Nationalvereins am 19. v. M. in den Räumen des Victoriatheaters abgehalten worden. Und jene Feier kränkt den Rundschauer der Kreuzzeitung nicht blos deswegen, weil sie von der Fortschrittspartei ausgegckngen, und weil in Fichte der „Mann des Fortschritts" gefeiert worden, sondern auch — und vielleicht mehr noch — darum, weil ün der Spitze des Festcomitss ein Jude, der Dr. M. Beit — sich befunden, und weil dieser Jude — und nach ihm noch ein anderer Jude, der Dr' Berthold Auerbach, — so dreist gewesen, eine Fichterede zu halten. Nachdem er (der Ründschauer) in seiner gemeinen Weise über die „jüdischen Demosthenesse" sich lustig gemacht, und nachdem er Namentlich über Auerbach— von welchem ein anderer Berliner Bericht sagt, daß dessen „glänzender Vortrag, so reich mit poetischen Bildern , tiefen Gedanken und hinreißenden Wendungen ausgestattet, kaum einen Auszug duldet" — scharf hergezogen und auf das von demselben Gesprochene den bittersten Spott ausgegossen, — theilt er eine Stelle mit aus dem I sten Theile von Fichte'S „Beitrag zur Berichtigung der.Urtheile des Publikums über die französische Revolution". — Hat Johann Gottlieb, Fichte wirklich so gedacht und geschrieben, so wäre es namentlich einem Manne, wie Dr. B. Auerbach, nicht zu verzeihen, dies nicht schon früher gewußt zu haben. — Und wenn er es gewußt, so wäre es— trotz Fortschrittspartei und Nationalverein — noch tausendmal unverzeihlicher, darüber Schweigen beobachtet, an der qn. Feier thätigen Anthcil genommen und die Theitnahme noch so vieler anderer Glaubensgenossen geduldet, resp. veranlaßt zu haben. W. Essen, 11. Juni. (Privatmitth.) Am 9. und 10. Juni fand' hier die jährliche Conferenz der jüdischen

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