Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1862)
- Date
- 1862-06-17
- Page
- Seite 337 (sequence 13)
- Language
- German
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thätigen, gewandten) wenn's gilt, aufopfernden Landsleuten auf Erfolg ihres Strebens hoffen lasse. Anders verhält sich's mit Litthauen. Freilich ist auch hier das polnische Element das vorherrschende, aber das Land ist, wie schon oben bemerkt, dem russischen Reiche. einverleibt, wird nach dem in Rußland allgemein gültigen Gesetze regiert und sie sind und sollen somit nicht die dem russischen Reiche unterworfenen Polen, sondern die polnischen Unterthanen Rußlands sein. Wenn auch die übrige Bevölkerung Litthyuens den Unterschied nicht beachten will, die Juden habend doch erfaßt. Uebrigens ist das russische Regiment immer ein mildes für sie gewesen, während sie andrerseits durch den Uebermuth und das rücksichtslose Benehmen der "hier entarteten Polen viel gelitten haben. Kein Wunder also, wenn sie bald immer auffallender aller Gemeinschaft mit den Polen entsagten und sich immer fester der Regierungspartei anschlossen. Erst jetzt, wo sie des Juden, wenn ihre Hoffnungen und Pläne nicht scheitern sollten, durchaus bedurften; erst jetzt, dem Beispiele Großpolens folgend, wurden Versuche zu friedlicher Vereinigung gemacht. So unter Andern; z. B. erschien in Wilno ein Abgeordneter des Gymnasiums in der Rabbineuschule, der jüdischen Jugend die Brüderschaft der christlichen antragend. Entschieden wurden von den Juden die Annäherungsversuche zurückgewiesen. Es versteht sich von selbst, daß dieses einen Bruch zur Folge hatte und wenn es in Wilno namentlich nicht zu blutigen Austritten kam, so hat man es hauptsächlich nur per Unermüdlichkeit und Umsicht des dortigen Polizestninisters zul'danken. Jedenfalls lassen die von einigen aus-der Hefe des Volkes ausgestoßeuen Drohungen, ja Mißhandlung einzelner Juden, die Angst derselben am vergangenen Versöhnungstage, man werde sie in den Synagogen überfallen, nicht ganz ungegrün- . det erscheinen und die ernsten Maßregeln, die von Seiten der Polizei getroffen wurden, bestätigen diese Voraussetzung. -' Seitdem ist es in Litthauen stiller geworden. Das Singen und sonstige Demonstriren hat aufgehört und nur der Umstanddaß! keine Polin anders, denn m tiefe TraÜer gMidet -geht, während man andrerseits selten eine Zionstochter dunkel gekleidet steht, zeigt im eigentlichsten Sinne des Wortes die politische Farbe der Parteien. Aber Mun sich die allgemeine Feindseligkeit gegen die Juden z agch yW in Thätlichkeiten Lust machen, so giebt den Polen der erfindungsreiche Haß doch noch Mittel genug an, die Han.d, .unfern dortigen Glaubensgenossen wehe zu. shM-und hie-folgenden Facta werden wahrscheinlich besser als Worte die gar nicht erbauliche ^Lags derselben schichexfl- , M aber die ganze Bedeutung derselben zu fassen,Pevgejst man nicht, daß die Juden Litthapens mit wenigen Ausnahmen Kausteute, Kleinhändler Md Handwerker sind. * Der Regierung wurde von. mehreren Gutsbesitzern ein Projeet unterlegt, eine Handelscompagnie in Wilno zu gründen, die für Stadt und Umgegend en gros und en detail alle möglichen Maaren zu möglichst billigen PxHey^ liefern wBr. Das Projektsichh-rmN-MyW aus und wurde von der Regierung bestätigt.- Aber die Juden erkannten den indirecten Schlag, der gegen sie geführt wurde, der viele Hunderte Familien mit Elend und gänzlichem Ruin bedrohte und den' euergischen Vorstellungen ihrer Vertreter gelqng die RücknäMe per Bestätigung. Da griffen die Polen zu einem andern Mittel. So viel eS irgend thuntich, wird voü einem Juden nichts mehr gekauft, bei einem Juden nichts mehr bestellt und dieses Uebel, gegen welches es kein Mittel als eben den guten Willen der Polen gjebt, wird immer schwerer und drückender und der bisherige,Wohlstand sinkt so rasch, daß vergangene Ostern -Made doppelt so viel Geld als im vorigen Jahre nöthig war, um die Armen mit Brot' zu versorgen und mancher Hausvater, der im vorigen Jahreauch sein GcheMin für die Armen beigesteuert, in diesem Jahre selbst Ms Brot der Armen von der Gemeinde beanspruchen mußte. Faßt man das Obengenannte zusammen, so erfahren wir, daß die Juden Litthauens eine schwere Zeit haben: Bon Seiten der Regierung nur ' wenig, fast gar keine Begünstigung für aufopfernde Treue, dagegen aber andrerseits keinen Erwerb und dßn schweigenden aber sichern Haß der an-Einfluß und.Zahl überwiegenden Bevölkerung des Landes der Polen. -3« , Mn W ^Mischen Grenze, (FrMg) Authentischen Nachrichten aus MaxschBU - zufolge hat der Kaiser die Projeete der Schulreform, :bie >Gleichstellung der Juden und der Regülirung des Baüernzinfes approbjrt.