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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-17 · Heft 25 (17.6.1862) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 25 (17.6.1862)
Date
1862-06-17
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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öffenlttchenwie privaten, der Lehre der katholischen Kirche anzupassen. Also giebt es eine katholische und protestantische »Geographie, meint der Redner, eine katholische und protestantische Physik, eine katholische und protestantische Mathematik. Nach Artikel 7 dürfen an Gymnasien und Mittelschulen nur Katholiken als Lehrer und Professoren wirken. Wieder ein Stein mehr zur Miederhalttlng der Gleichberechtigung, aller Culte, meint der Redner. — » ' In ihrem Abendblatte vom 30. v. M. bringt die „Presse" einen Bericht über die Londoner Industrie- Ausstellung aus der Feder des bekannten Touristen Moritz Hartmann. Uebergehend auf die österreichische Abtheilungschreibt Hartmann : Einen rührenden Theil in dieser Abtheilung bildet die Seide, welche die Zöglinge der israelitischen Taubstummenanstalt zu Wien -geschickt haben: Arme Kinder! Als die drei größten Plagen-- mit denen ein Mensch behaftet sein kann, nennt-Heinrich Heine: Armuth, Krankheit und Judentum;- nun ,i ste Pnd armtaubstumm und Juden. — Mögen diese armen, taubstummen Seidenweber ihr Leben lang im figürlichen Sinne „Seide spinnen", M ienen die erste Parze theilweise den Tod in den Faden gesponnen. — Ad vocem Taubstummeninstitut möge folgende Bemerkung hier am Platze sein. Dieses „erste allgemeine österreichische israelitische j Taubstummeninstitut", wie es sichnennt, ist nicht nur großartig, was Gebäude, Einrichtung, Verwaltung, Fonds und jährliche Geldsubsidiett anbekangen, sondern vorzüglich wegen seiner Lehrmittel und Lehrkräfte. Herr Joel Deutsch, Director der Anstalt, ist eine zu bekannte Persönlichkeit auch außerhalb den'Marken Oesterreichs, als daß wir zu seiner Gloristcation noch etwas hinzuzufügen brauchten. Eigenthümlich soll die Art und Weise sein, nach welcher er die Religion und die Bibel den Zöglingen beibringt, ferner die Exhorten, die er jeden Samstag und jeden Feiertag an sie richtet. — ' Nach einem Berichte des Feuilletonisten im „Pesther Lloyd" No. 124 erschien kürzlich in der kaiserl. Hof- und Staatsdruckerei ein Werk, welches interessante Details über die Karaiten enthält, welchem wir folgendes kurze Resumö entnehmen. Die Karaiten, Kinder der Schrift, wie sie sich selbst nennen, leben in Oesterreich einzig im Königreiche Ga-' lizien, wo-sie zur Zeit der Erwerbung dieses Landes in Halicz, Kukizow, später auch in Tyssowice ansässig waren, in neuester Zeit aber insgesammt in die Muttergemeinde Halicz zogen, so daß jetzt nur in dieser Stadt Karaiten angetroffen werden. Das schon im Jahre 1578 vom König Stephan den Karaiten in Halicz ertheilte und von den-nachfolgenden Königen bestätigte Privilegium gestattete ihnen, gleich den christlichen Bewohnern dieser Stadt zu wirthschaften, zu handeln und zu bauen und überhaupt Älles zu thun, was sie zu ihrem Fortkommen ersprießlich erachteten. Eben so erfreuten sie sich unter der Herrschaft Oesterreichs seit der Erwerbung Galiziens besonderer Vorrechte, welche ihnen die Kaiserin Maria Theresia erst im Jahre 1774 zugestand, nachdem der über sie erstattete Bericht sie als ein „arbeitsames, mäßiges, ftiedfertiges, reinliches Volk", wider welches niemals eine Klage vorgekommen, empfohlen hatte. Im Jahre 1790 erhielten sie auch bedingungsweise die Befreiung vom persönlichen Militärdienste, und die ihnen neuerdings mit der allerhöchsten Entschließung vom 30. December 1859 bestätigt wurde. Im Jahre 1774 zählten die Karaiten in Halicz noch 350 Seelen, aber bis zum Jahre 1858 waren sie bereits auf 40 Familien zusammengeschmolzen. Die Ursachen zu jener Abnahme der Bevölkerung und zu diesem ungünstigen Lebensverhältnisse findet der Verfasser in' dem religiösen Grundsätze der Karaiten, der das Heirathen in naher Verwandtschaft, gestattet, und in der schwereren Arbeit bei der Lan'dwirthschaft, welcher diekörperlich schwächeren Frauen sich unterziehen. Sie tragen eine eigene Tracht, scheren sich das Haupthaar Und 'machen sich durch durch ihren Bart kenntlich. Beinahe jede Familie hat ihr eigenes Haus nebst Garten; sie besitzen Felder und nehmen Grundstücke in Pacht. Außerdem befassen sie sich mit Handel und Fuhrwesen; eigentliche Gewerbe betreiben sie jedoch nicht. Bemerkenswerth ist, daß seit der Erwerbung Galiziens noch kein Karaite als Verbrecher und Gesetzübertreter vorgekommen. So weit der Bericht. Nur wäre zu wünschen, daß irgend ein jüdischer Gelehrter es unternehme, alle Daten der in den verschiedenen Erdtheilen zerstreut lebenden Karaiten zu sammeln und so eine vollständige Geschichte dieser blos an äröiiü tt^nn sich anklammernden Secte des Judenthums zu liefern. Deutsch. Raab, 28. Mai. (Privatmitth.) Dr. Theodor Mannheimer, ältester Sohn des Predigers Mannheimer in Wien, starb nach einem mehrjährigen Leiden den 25. d. M. in Venedig auf seiner Rückreise aus

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