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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-17 · Heft 25 (17.6.1862) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 25 (17.6.1862)
Date
1862-06-17
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 Italien. Der „Presse", die eine kurze Biographie dieses in der Blüthe feiner Jahre Hingeschiedenen Mannes giebt, entnehmen wir Folgendes. ' vr. Mannheimer war im Februar 1827 geboren, absolvirte die Rechte , erlangte den Doktorgrad und legte im Jahre 1859 die Advocatur- und Richteramts- Prüfung ab. Bon diesem Jahre ,an datirt sich auch seine Krankheit, welche mit einem Brustleiden begann und Mit eitter Lungenlühmung endigte. Die .Aerzte behaupten, er habe sich dieses Leiden zugezogen, indem er sehr große Fußreisen in den verschiedenen Ländern Europas unternahm, dabei die höchsten Berge Oberösterreichs, Tyrols und der Schweiz bestieg, und so suchte er durch mehrere Jahre in Nizza und Mentone, in Meran und Ischl Heilung für sein Leiden, allein vergebens. vr, Mannheimer war ein vorzüglicher Jurist, indem er in einer der ersten Advoeaturs-Kanzlei Wiens mit Auszeichnung als Concipient arbeitete, er besaß nicht nur ausgedehntes ästhetisches mit musikalischem Wissen, sondern er war auch ein vorzüglicher Journalist, indem er an mehreren Journalen Wiens als Kritiker ebenso Gediegenes wie als Feuilletonist leistete. Dabei betrieb er noch sein Lieblingsstudium, die Naturwissenschaften. Und fo verlor das Vaterland in diesem Maune eine Capacität, der im öffentlichen Leben vielleicht eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen Vorbehalten gewesen wäre. — Daß Dr. Jellinek bei der am 4. Mai stattgefundenen Wahl eines Deputirten zum niederösterreichischen Landtage Nicht die Stimmenmehrheit erhielt, werden Sie aus den Zeitungen entnommen haben. Nach der Behauptung Vieler hätte vr. Jellinek aus dem Grunde mit seiner Candidatur Fiasko gemachtweil er in seiner am 28. April gehaltenen Wahlrede, die, en passant bemerktsehr schön gehalten und bei vielen Stellenvon anhaltendem Beifalle begleitet war, zwei Principien stark betonte, die beiden Wienern keinen Anklang fanden und zwar das der Nationalität und der Gewissens- und Glaubensfreiheit. Nun sind die Wiener durch und durch Centralisten, sie wollen den Ausbau der Verfassung nichtwie die Czechen und Polen, die den Schwerpunkt der Monarchie nach Prag, Lemberg NNd Krakau verlegen Möchten; sie wollen auch nicht den Ausbau der Verfassung wie die Ungarn, die Mit der Regierung eher keinen Frieden schließen, wenn Nicht der Dualismus des Reiches wie vor dem Jahre 1848 - hergestellt und durchgeführt wird. Die Wiener sind ferner unbedingte Anhänger der völligen Gleichstellung aller Confessionen, daher sie keinen speciellen Vertreter im Reichsrathe für Gewissens- und Glaubensfreiheit brauchen. Mag auch obige Behauptung Vieles für sich haben, so glauben wir, vr. Jellinek wäre auch in Ermangelung dieser in seiner Wahlrede vielt ei ch t begangenen Fehler nicht aus der Wahlurne hervorgegangen, da sein Rivale, Prof. vr. Glaser, der um einige vierzig Stimmen .bei der Probewahl mehr hatte, ebenfalls durchstel, .sondern vr. Zetinka, der Wiener Bürgermeister, der gar nicht öffentlich eanditirte, zur Ueberraschung Vieler gewählt wurde. D eu t s ch. Die Schweiz. Aus dem Aargau, 3. Juni. (Privatmitth.) Die Proklamation der bürgerlichen Gleichstellung wurde in End in gen durch einen feierlichen Gottesdienst (Psalm, Lieder und Predigt) festlich begangen/ .—7 Ein eigenthümliches Stück dieser Emancipation ist aber in diesen Tagen von der Regierung herabgelangt, indem diese in einer Zuschrift an den Rabbiner erklärte, daß, wenn er nicht den jüdischen Schülern durch einen „Rabbinätsdispens" das Schreiben am Sabbath gestattete, die Regierung selbstständig verfahren würde! Italien. Aus Oberitalien, 26. Mai. (Privatmitth.) Auf Anregung der Gemeinde von Ancona, welche in einem Rundschreiben sämmtliche Schwestergemeinden Italiens hiezu aufforderte, werden Schritte vorbereitet, um die Regierung des Königreiches Italiens anzugehen, es möge nach dem Vorgänge anderer civilisirter Staaten Europas, und dem von der provisorischen Regierung Toscanas unlängst statuirten Beispiele,. die Bestreitung der Ausgaben für den israelitischen Cultus und israelitischen Religionsunterricht aus Staatsmitteln festgesetzt werden. Herr Michael Corinäldi, früher in Venedig, Schwiegersohn des Herrn Ritters von Treves, nunmehr in Florenz, ein talentvoller Dichter, wurde wegen ausgezeichneter Leistungen zu Gunsten' einiger wohlthätigen öffentlichen Stiftungen in Turm und Florenz , yym Könige in den Grafenstand erhoben. 25

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