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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-10 · Heft 24 (10.6.1862) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 24 (10.6.1862)
Date
1862-06-10
Page
Seite 320 (sequence 10)
Language
German
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320 fern interessanten Aufsatz die weiteste Verbreitung zu wünschen. - Prag, im Mai. Das juridische Professorencollegium in Prag hat in seiner letzten Sitzung in der Angelegenheit eines jüdischen Doctoranden (Hrn. Arnold Rosenbacher), der auch die kanonische Doktorwürde erlangen wollte, sein Gutachten dahin abgegeben, daß der Candidat mit seiner Petition abzuweisen sei. (W. Bl.) (Also überall dieselbe Nergelei im Kleinen, sobald die Ausschließung im Großen beseitigt ist. Vor Kurzem wurde wie bekannt, ein jüdischer Gelehrter außerordentlicher Professor in Berlin wegen seiner Verdienste um die Geschichte der Päpste; weder dieser Historiker, noch die Regierung, die ihn angestellt hat, wollte sich damit als Verehrer des Papstthums zu erkennen geben. Ebenso kann ein Jude sehr gut Doctor des kanonischen Rechtes wegen gründlicher Kenntniß des letzteren werden, ohne es darum als heiliges Recht anzuerkennen, ganz wie es bei den Protestanten der gleiche Fall ist. Red. d. A. Z. d. I.) ■ Tschau, den 20. Mai. (Privatmitth.) Auf meinem Besuche in Marienbad am 18. d. M. besichtigte ich das ndugebaute Hospital und BethauS. Der Hospitals-Verwalter H. Fleischer führte mich in alle Räume und ich war nicht wenig überrascht, als ich wohlmeublirte, recht wohnlich eingerichtete Zimmer erblickte. Auch das Kleinste und Gewöhnlichste ist nicht vergessen. So sind in jedem der 7 Zimmer 2 Kleiderschränke, worin für jede Person ein Schlafrock und eine Kappe,, für weibliche Personen aber Röcke und Hauben außer der gut ausgestatteten Wäsche und Fußbekleidung, sich befinden. In der Küche befinden sich alle zur Speisebereitung (man möchte glauben für recht gesunde und reiche Leute) nöthigen Geschirre und Geräthe in bester Ordnung wie in des Reichsten Küche. Möge der Löhner alles Guten, der die edlen Gründer*) diesen hochherzigen Gedanken zur Ausführung bringen ließ, diese zur Wohlfahrt des Judenthums und zur Zierde der edlen Menschheit gesund und opferwillig erhalten und die Kranken genesen lassen, auf daß die Wohlthäter *) Die Herren Gründer find: S. I. .Bunzl, Ernst Wehli, Jacob Reitler, Herrm. Wiener, 0r. jur. M. Kore f, Dr. med: Przibram, S. K. Frankl und David Zappert aus Prag. <Der Grundstein wurde gelegt am 4ten Juli 1860; die Einweihung fand statt am 9. Juli 1861.) schon hienieden ihre Opfer von reichem Gottessegen gekrönt sähen! S. Popper, Cantor und Lehrer. Raab, den 19. Mai. (Privatmitth.) In der am 8. d. M. abgehaltenen Gemeinderathssitzung der Stadt Lemberg kam es in einer die dortigen Israeliten betreffenden Angelegenheit zu einer heftigen Debatte. Auf der Tagesordnung stand ein Bericht der Militair-Section. Der Referent derselben beantragte: Es sei bei der Regierung das Ansuchen zu stellen, daß die Israeliten Lembergs in der Zukunft ihr jährlich abzustellendes Rekruten-Contingent separat, unabhängig von der Christengemeinde, zu stellen hätten und motivirte seinen Antrag folgendermaßen: Ungeachtet die Juden Lembergs den dritten Theil der städtischen Bevölkerung bilden, so haben sie bei der diesjährigen Rekrutirung nur 29 Mann geliefert, während die Christengemeinde 126 Mann zu stellen hatte. — Da trat Dr. Hönigsmann lJsraelit und Gemeinderath) auf und ruft der Versammlung zu, wenn sie diesen Antrag zum Beschluß erhebt, so mache sie den ersten Schritt zu Reaction, er seinerseits begreife wieder nicht, wie es kömmt, wenn der Grundsatz: „Gleiche Lasten, gleiche Rechte" von nun an volle Gültigkeit haben soll, daß im hiesigen Gemeinderathe von der jüdischen Bevölkerung nur 15 Mann Sitz und Stimme haben, während die Christen durch 100 Mann vertreten sind? Sei das ein richtiges Verhältniß? — Nun sollte man glauben, dieses logische Argument würde den Sieg davon tragen; allein dem war nicht so. — Es erhebt sich ein Herr Pisakowskh und bedient sich einer sehr schneidigen Waffe gegen die Juden Lembergs, behauptend, die Juden umgehen zuweilen die Gesetze, besonders wenn es sich handelt dem Baterlande das Blut des Volkes zu widmen und diese Waffe that bei der Majorität des versammelten Gemeinderathes ihre Schuldigkeit und es wurde der Antrag des Militair-Referenten zum Beschluß erhoben. Raab, den 21. Mai. (Privatmitth.) Leitmeritz, eine kleine, unbedeutende Stadt in Böhmen, besaß bis zum Jahre 1848 das bis zu diesem Wendepunkte in Oesterreich nicht seltene Privilegium, jedem Israeliten, der sich in den Mauern dieser Stadt bei Tage aufhielt, des Nachts die Lagerstätte verweigern zu können; und wahrlich die Leitmeritzer machten von diesem köst-

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