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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-10 · Heft 24 (10.6.1862) · p. Seite 318

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 24 (10.6.1862)
Date
1862-06-10
Page
Seite 318 (sequence 8)
Language
German
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318 Buchführerei über die kleinen Abzahlungen zu entgehen. Was war die Folge? Oft fiel es dem Schuldner schwer, die ganze oder auch nur die halbe Summe zusammen zu bringen; er konnte sie nicht bezahlen und bekam das zweite Mal nicht mehr geborgt. Jetzt ist es ganz anders; wenn der Freitag kommt — an diesem Tage finden nämlich die Rückzahlungen statt — bringt er dem Rendanten der Vereinskasse das, was er nach der Höhe seiner Anleihe zu zahlen hat und läßt sich darüber quittiren; ist endlich die Schuld getilgt, holt er sich, allerdings mit Bewilligung des Vorstandes, aufs Neue sein Geld, als wäre es sein Eigenthum; er zahlt und nimmt wieder ganz ohne Umstände, denn er weiß ja, daß das Geld dazu bestimmt ist, ihm aufzuhelfen, und der Vorstand, zu welchem auch der unbesoldete Rendant gehört, sich gern den Mühen und Störungen unterzieht, weil es ihm Ehrensache ist, die Functionen seines Amtes pünktlich auszuüben. Und so möge denn dieser Verein, der eine wahre Wohlthat für die hiesigen, unbemittelten Gemeindemitglieder ist, gedeihen und noch recht lange bestehen zur Ehre derjenigen, die ihn gegründet und zum Vorbilde der Gemeinden, in welchen solche Vereine noch nicht bestehen. Bonn, 1. Juni. (Privatmitth.) Die hundertjährige Geburtsfeier des Philosophen Fichte hat'in mehreren Städten besonders jüdische Redner aus die Tribüne geführt. Es haben hieran die pietistisch-conservativen Blätter einen zwiefachen Anstoß genommen, da sie der Fichtefeier an sich abhold, nun noch durch diese Redner chokirt wurden. Gerade von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir daher das Auftreten jüdischer Redner an diesem Feste billigen. Die deutschen Juden sollen eben ihre Theilnahme an allen deutschen Nationalfesten bethätigen, und Fichte als den Redner der deutschen Nation in schwerer Zeit zu feiern, mehr als den Philosophen, war der Zweck des Festes. Wenn sich nun an so vielen Plätzen jüdische Kräfte finden, welche den Nationalzwecken zu dienen bereit sind, so mögen sich Diejenigen ärgern, welche es anders wünschen und den Juden nicht gönnen. Man hat nun von gegnerischer Seite auf die Art hingewiesen, wie sich Fichte über die Juden ausgesprochen. Es mag dies sein. Um so großmüthiger sind wir also. Wie viele große Männer dürften wir Juden nicht anerkennen, wenn wir ihre von den Zeitverhältnissen bedingte Gesinnung gegen die Juden in Betracht ziehen wollten, z. B. Friedrich den Großen. Daß übrigens Fichte in social-politischen Dingen sehr bornirt war, können wir aus anderen Aeußerungen desselben erweisen. Er sagte also über die Juden: „Wenn du gestern gegessen hast und hungerst wieder, und hast nur auf heute Brot, so gieb dem Juden, der neben dir hungert, wenn er gestern nicht gegessen hat, und du thust sehr wohl daran. Aber ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel, als das, in einer Nacht ihnen allen die. Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht e i n e jüdische Idee sei. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie alle dahin zu schicken." Allerdings mochten dem Ich-Philosophen, der einmal wieder den Menschen an die Stelle der Gottheit gesetzt,, die „jüdischen Ideen" höchst unbequem sein. Seine Beschränktheit zeigte er aber z. B., daß er allen Ernstes die Forderung stellte, „daß in dem wohleingerichteten Staate, wie er ihn.fordert, jeder Bürger stets seinen Paß, nicht nur mit genauem Signalement, sondern selbst mst dem Portrait des Inhabers bei sich führen müsse, und daß jeder Bürger berechtigt sei, sich von. jedem andern vorkommenden Falls seinen Paß zeigen zu lassen." Trier, 28. Mai. (Privatmitth.) Es ist erfreulich wahrznnehmen, daß die Tagesblätter sich immer mehr und mehr unserer gerechten Ansprüche auf vollkommene und unbedingte Gleichstellung und Berechtigung annehmen, und daß selbst einige derselben, die früher einer entgegengesetzten Tendenz huldigten, diese in neuerer Zeit aufgegeben haben. Ich habe schon vor vielen Jahren in diesen Blättern mitgetheilt, daß die hiesige alte Trier-Zeitung, so wie die „neue Tr.-Zeitung" mit warmer und entschiedener Theilnahme unsere Rechte stets vertheitigt hat. Die Allg. Z. d. I. brachte auch im I. 1861 derartige Aufsätze aus der St. Johannen- Zeitung über die Ottweiler Bürgerschüler. Die übrigen Local- und Kreisblätter wandeln ebenfalls mit großer Energie auf dieser Bahn. Als Beweis möge der vortreffliche Aufsatz aus Nr. 34 der Nahe-Bließ- Zeitung dienen. Der edle und ächt humane Verfasser desselben, Herr Frenzel (der Name dieses Biedermannes ist mir unbekannt) aus Baumholder, einem Cantonstädtchen im Kreise St. Wendel, des hiesigen Regierungsbezirks, hat schon mehre derartige Aufsätze im genannten Blatte veröffentlicht, die alle denselben Geist

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