Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1862)
- Date
- 1862-06-10
- Page
- Seite 317 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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817 an Bosheit und Niederträchtigkeit anzudichten. Kein Wunder also, daß da auch die Juden wieder recht tüchtig herhalten, daß da auch diese wieder des Verketzernden so viel über sich mußten ergehen lassen. Sollten nach gewissen Blättern die Juden allein doch an der Annahme des Hagen'schen Antrages, resp. an der Auflösung des Hauses Schuld gewesen sein! Sollte nach andern Blättern Reden u. s. w. sogar der Kämmerer Hagen selbst aus Abrahams Schoße stammen! Ünd sollte endlich nach noch andern Stimmen Seitens der Liberalen u. s. w. ja nichts Anderes denn die Herbeiführung eines Judenregiments erstrebt werden! — --— Auch das zu Frankfurt a. d. Oder erscheinende „Patriotische Wochenblatt" brachte in seinen letzten Nummern vor dem 28. April mehrere der beliebten „Eingesandts", mit denen man feudalerseits auf die Urwähler einzuwirken suchte, und in einem dieser Libellen versuchte man sogar, vor der Wiederwahl der alten Abgeordneten damit zu warnen, daß man selbige als Diejenigen bezeichnet, welche das Gesetz beantragt und (mit 242 Stimmen) angenommen, wonach hinfort Jeder-Wucher treiben könne, so viel er wolle, und namentlich die reichen Juden mehr denn fünfzehn Procent von ihren ausstehenden Hypotheken nehmen können. Die „Juden" sind's, vor denen der Verfasser jenes Artikels (der sich „Ein königstreuer Urwähler" nennt) den kleinen Haus- und Grundbesitzern Angst und Schrecken einzuflößen sucht, indem er in seinem lächerlichen Pathos noch hinzufügt: es werde am Ende noch so weit kommen, daß, wie nach seiner Behauptung — ein demokatischer Abgeordneter öffentlich soll gesagt haben: „Tausende werden von Haus und Hof gehen müssen!" — . n Nichts desto weniger sind, wie wir erfahren, in Frankfurt a. d. Oder, — das nach der neuesten Volkszählung unter 34,000 Einwohnern nicht einmal 800 jüdische Seelen hat, — am 28. v. M. sieben Juden zu Wahlmännern gewählt worden, und hat alldort — nach der Voss. Ztg. vom 29. v. M. — der Regierungspräsident von Selchow einem jungen jüdischen Arzte (Herrn Dr. Aufrecht) in der ersten Wahlabtheilung ihres Bezirks (mit 3 gegen 11 Stimmen) unterliegen müssen.— Unter den Wahlkandidaten, die in genanntem Orte ausgetreten, hat der dasige Kreisgerichtsdirector Ritter sich ganz besonders warm und entschieden für die völlige Gleichstellung der Juden ausgesprochen. Bedauernswerth genug, daß dieser Mann nicht gewählt worden. — Thorn, im April. (Privatmitth.) Im Anschluß an die in einer der letzten Nummern dieser Zeitung gebrachten Privatmittheilung erfahren wir aus sicherer Quelle, daß die att der Thorner Gemeinde längere Zeit vacant gewesene Rabbiner- und Predigerstelle nun ihre endliche Besetzung gefunden hat in der Person des Herrn Dr. M. Rahmer, der während der Osterfeiertage mehrere Male daselbst unter solchem Beifall gepredigt hat, daß dessen Wahl sofort einstimmig vom Vorstand und Repräsentanten erfolgte. Herr Rabbiner Dr. Rahmer gehört zu den drei ersten am 3. April am jüd.-theol. Seminar zu Breslau promovirten»Rabbinen. Strzelno, 23. April. (Privatmitth.) Am 20. April fand hier die erste Generalversammlung des hiesigen Vorschuß-Vereins statt, welcher sich den 1. April 1861 zu dem humanen Zwecke bildete, unbescholtenen, mittellosen hiesigen Gemeindemitgliedern zinsenfreie Vorschüsse bis zur Höhe von 20 Thalern zu ihren Handtirungen zu machen, die durch wöchentliche Abzählungen und zwar von je einem Thaler der Anleihe zwei Silbergroschen getilgt werden müssen. Aus dem,Berichte, welchen der Vorstand der. Versammlung erstattete, ersieht man, daß, so klein dieser Verein noch ist — er zählt bis jetzt nur 19 Mitglieder — er doch schon im ersten Jahre seines Bestehens erfreuliche Resultate geliefert. Mit einem Kapitale, welches durch Schenkungen und monatliche Beiträge bis zum 1. April 1862 auf kaum drei Hundert Thaler angewachsen war, sind im Laufe des ersten Jahres vermöge pünktlicher Rückzahlungen ein Tausend sechzehn Thaler Vorschüsse gemacht worden. Welche Wolthat, in so kurzer Zeit eine solche, doch wahrlich nicht unbeträchtliche Summe zinsenfrei zu-verleihen an Leute, denen es sonst gewiß viele Umstände machte, eine Anleihe, wenn auch nur auf Pfänder zu erhalten. Wohl waren diese auch früher nicht verlassen, wohl erhielten sie auch früher von den wohlthätigen Männern hiesiger Gemeinde manchen kleinen Vorschuß; allein so oft und so hoch waren diese Vorschüsse doch nicht, und was die Erleichterung des Abzählens betrifft, da hat sich wohl selten Einer, so wohlthätigen Sinnes er auch sein mochte, zur Abnahme von solch allmähligen, kleinen Rückzahlungen verstanden; er stundete ihm eher noch viel länger, um nur de