Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1862)
- Date
- 1862-06-10
- Page
- Seite 315 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Und weil in diesen Compositionen eben durch einfache Mittel oft bedeutende Wirkungen erzielt werden, so ist die Meinung, welche der Herr Alexander Weil zu Paris in einer der letzten Nummern dieser Zeitung niedergelegt hat, indem er von einer in den Gesängen enthaltenen „Fluth von Harmonie und Melodie" spricht, nicht unbedingt, zu unterschreiben. Ja, die Fluth von Melodie, die allerdings oft an Mozart und hauptsächlich an seine Opern erinnert, ist es, die ich dem Componisten bei manchen seiner Compositionen als Tadel anrechnen muß. Herr Alexander Weil hat Recht, Lovy ist „einfach, er ist melodiös, er ist Mozartist", aber er hat sich offenbar mehr nach den Opern Mozart's und seiner Zeitgenossen, mehr nach weltlicher als nach geistlicher Musik gebildet. Zwar kannte und sang er, wie aus seiner Lebensbeschreibung*) hervorgeht, auch Haydn's Schöpfung und andere ernste Compositionen) doch ist durchaus nicht zu verkennen, daß die Oper einen großen Einfluß auf ihn und seine Compositionen ausgeübt hat, einen größeren, als der geistlichen Würde mancher seiner Gesänge zuträglich ist. So läßt sich gegen No. 20, einer Composttion des 17ten und 1 Ren Psalms, nichts einwenden, wenn man die Rolle'sche**) Composition desselben Psalmes nicht kennt. Ich bin aber überzeugt, hätte Lovy diese gekannt, er hätte die Idee zu der seinigen anders erfaßt. — Am meisten tritt diese weltliche Ader bei den Gesängen hervor, welche, theils freudigen Charakters, theils bei freudigen Gelegenheiten gesungen werden sollen. Dazu gehören die Gesänge des Anhanges, No. 6 und 7, und fast alle Compositionen des „Lecho Dodi". No. 6 ist beispielsweise eine so reizende Polonaise, daß man sie mit Vergnügen im Tanzsaäle hören würde. Obgleich nun, wie es in der Vorrede heißt, die angeführten Compositionen und hauptsächlich die des Anhanges dazu bestimmt sind, bei Familienfesten, Beschneidungen, Trauungen im Hause des Festgebers gesungen zu werden, so widerstrebt es doch meinem Gefühle, die heiligen Worte so profanen Melodien untergelegt zu sehen. Daß auch die Freude einen des Gotteshauses würdigen Charakter tragen kann, das be¬ *) Die den Chants religieux vorgedruckte Lebensbeschreibung Lovy's, die den Professor Eugene Manuel, einem Enkel Lovy's, zum Verfasser hat, habe ich für oas Jüdische Volksblatt ins Deutsche übertragen., Emil Breslaur. **) Joh. Heinrich Rolle, geboren zu Quedlinburg am 23. December 1718, gestorben zu Magdeburg am 29. December 1785 als Musikdirector daselbst. weist die Bach'sche Composition des Liedes: „Mein gläubiges Herze frohlocke, sing', scherze" aus dem' Weihnachtsoratorium, welches, in heiliger Einfalt das Herz mit den reinsten und edelsten Freuden erfüllend, ein empfängliches Gemüth ausjauchzen läßt vor Seligkeit und überquellender Empfindung. Was vom ganzen Werke füglich hatte wegbleiben können, das sind die wenigen Recitative, die es enthält, welche durchweg dep polnischen Schnörkel-Charakter tragen und störend wirken. Trotz aller soeben gerügten Mängel, trotzdem, daß der Satz nicht immer den Anforderungen, die man an den strengen Styl stellt, entspricht, bleibt das Werk dessenungeachtet ein höchst beachtenswerthes^ das man als willkommene Bereicherung der Synagogenmusik-Literatur betrachten kann, und das um so beachtenswerther ist, jewohlthuender uns daraus der Odem eines reichen, vollen Gemüthes entgegenströmt. Bliebe noch etwas zu wünschen, so wäre es Das, daß die Betonung der Sylben mit mehr Sorgfalt behandelt worden wäre. Der Wohlklang der hebräischen Sprache wird nun einmal wesentlich durch richtige Declamation gefördert, und deshalb kann man wohl verlangen, daß dieser Punkt bei Synagogen-Compositionen Berücksichtigung finde. Es klingt gar zu schlecht, wenn p6-nei, - ne-kabeloh, wie aus S. 7, me-lech, wie aus S. 18, le-olom, wie auf S. 38 betont wird, oder wenn wir, wie auf Seite 80 einmal e-loliim und eine Zeile weiter 6-1ohim betont finden. Der Preis des Werkes ist trotz der sehr anständigen Ausstattung ein äußerst mäßiger,— 18 Frcs. Als angenehme Zugabe ist das wirklich reizende Bild Lovy's zu betrachten, das dem Werke voransteht, als nicht angenehm aber die Druckfehler, die jedoch größtentheils herauszufinden sind. Emil Breslaur, Chorleiter, Religionsu. Sprachlehrer. Bonn, 1. Juni. Angekommen: Nd-v ress Darstellung und kritische Beleuchtung der jüdischen Geheirnlehre von I s a a c Misses. Erstes Heft. Krakau, 1862. — Ueber das Recht auf Wahrheit. Ein Versuch von Leopold Freund. Berlin, 1862. —*'o N1-1-N2 mbsn svyjEn rviVirp .iirfbbt tn*»* b^'o bfirrr mV p pbr Nnbw Frankfurt a. M. Kauffmann. — Kalligraphische Vorlegeblätter für israelitische Schulen. Jüdisch - deutsche