Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1862)
- Date
- 1862-06-10
- Page
- Seite 314 (sequence 4)
- Language
- German
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314 Es ist also in der Thät höchste Zeit, gegen diese immer wiederholte Beschuldigung, gegen die daraus hervorgehenden traurigen Folgen, die nicht blos augenblicklich und örtlich sind, sondern die Entfremdung und Feindseligkeit zwischen den Bekennern beider Religionen immer von Neuem stärkt, energisch Front zu machen, der Wahrheit nicht mehr es allein zu überlasten, ihre Sache zu führen, sondern mit Kraft und Ausdauer diesen Gehässigkeiten entgegen zu treten, bis sie gänzlich wieder zum Schweigen gebracht worden. Der Redacteur dieses Blattes fühlt sich berufen, für die Bestrebung einen Mittelpunkt abzugeben, und wird daher in der nächsten Nummer dieses Blattes einen genaueren Plan veröffentlichen. Die Abschaffung der Sclaverei in Nordamerika. Wie das Reuter'sche Bureau aus New-dork vom. 13. Mai veröffentlicht, hat das Repräsentantenhaus den Gesetzentwurf wegen Abschaffung der Sklaverei in allen Theilen der Vereinigten Staaten angenommen. Es ist dies also der vollständige Bruch mit jenem Schaukelsystem, welches bei der Begründung der Union sowie durch ihre ganze bisherige Geschichte hinsichtlich des Sclaventhumes festgehalten worden und das doch am Ende nur zu dem furchtbaren Bürgerkriege führte, der jetzt in Amerika wüthet und eine Zeit lang den kühnen und erhabenen Bau der Union mit völliger Zerstörung bedrohte. Mag nun der Ausgang dieses Kampfes die Unterwerfung oder die Selbstständigkeit des Südens sein, die eigentliche Union wird fortan von dem schwarzen Fleck "des Sclaventhums gereinigt und der Sclaverei in den Südstaaten so lange feindselig fein, bis sie auch da verschwunden sein wird. Gesetze, wie über die Auslieferung entflohener Sclaven an ihre Herren, sind nicht Mehr möglich. Unsere Enkel werden uns beneiden, Zeugen so großer Begebenheiten, wie der Abschaffung der Leibeigenschaft in Rußland uud der Sclaverei in Nordamerika gewesen zu sein, Begebenheiten, die großartiger und erhabener als alle Heldenthaten auf Schlachtfeldern zusammengenommen von den Eroberungszügen des Sesostris bis zu denen Napoleons 1. sind. Freuen wir uns, daß hiermit die von unserem Moses begründete persönliche Freiheit und gesetzliche Gleichheit aller Menschen wiederum so bedeutende Fortschritte zur Verwirklichung gemacht hat, und nehmen wir dafür gern die Dornen in den Kauf, welche unsere Feinde uns noch immer auf den Weg streuen.*) Literarischer Wochenbericht. Cottbus, 6. Mai. Chanls religieux. Compos^s pour les Priores Hebrai’ques par Israel Lovy, akleien ministre officiant du Temple Israölite de Paris. — Paris 1862. — Wenn man bedenkt, daß der Pastor Lange bei seiner Uebersetzung des Horaz keine anderen Vorbilder gehabt, als etwa den Darier, Batteux und Mancinelli, so könnte uns Lessing's Beurtheilung dieser Uebersetzung im Vade mecum fast etwas hart erscheinen. Mit Vorgängern wie Voß, Scheller, Strodtmann u. A. ist es heutzutage natürlich leichter, den Horaz zu übersetzen, als zu Lessing's Zeit, zumal da man die bei den Vorgängern gerügten Sünden wohl vermeiden wird, und so ist es auch heute leichter, Synagogenmusik zu schreiben, als vor 30 Jahren, da uns heute Vorbilder wie Sulzer, Weintraub, Naumburg zur Seite stehen, da uns heute der Weg zu den ewigen Vorbildern der musica sacra, zu Palästrina, Bach, Händel, Graun, Haydn, Mozart u. A. durch zahlreiche und billige Ausgaben ihrer Werke geebnet ist. In Hinsicht hierauf würde man Synagogengesänge, die vor mehr als dreißig Iahten geschrieben wurden, heute gewiß mit einiger Nachsicht beurtheilen, und man würde diese Nachsicht obengenannten religiösen Gesängen, die, vor so langer Zeit verfaßt, erst heute vor ein größeres Publikum treten, gewiß angedeihen lassen, wenn nicht Cvmpositionen darunter wären, die es gewiß übel nehmen würden, wenn man ihnen Nachsicht angedeihen ließe, da sie sich den besten Synagogencompositionen der Neuzeit würdig an die Seite stellen können, Compositionen, die durch ihre Würde und Einfachheit nicht verfehlen werden, einen liefen Eindruck hervorzubringen. *) Die „Kreiszeitung" nennt solche Akte „die Welt verjüdeln" — und merkt nicht, wie sie auf diese Weise den Namen Jude mit dem edelsten Glanze schmückt. Jdentisicirt nur immer Judenthum und geläuterten Liberalismus . — kein größerer Dienst kann uns geleistet, keine größere Schmach unseren Gegnern zugefügt werden!