Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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806 als ein „Judenblatt" verdächtiget werden dürfte, sich über die Chriftenblütfrage ausspricht. Es spricht wörtlich also: „Hochwichtige Erklärung im Jnteressse der Juden. " „Leider ist in letzter Zeit wieder das alberne, schon tausendmal sattsam widerlegte Gerücht aufgetaucht, daß die Juden zu dem ungesäuerten Osternbrote Mazes Christenblut gebrauchen! „Demgemäß sind uns von Seite einiger „Katholiken", welche aus Judenfamilien stammen, erst im reifern Alter, von der Gnade Gottes erleuchtet, aus tiefinnigster Ueberzeugung zur alleinseligmachenden römischkatholischen Kirche bekehrt wurden und daher am besten in der Lage sind, die Richtigkeit jener Gerüchte aufs Entschiedenste entweder zu bestätigen oder zurückzuweisen, ausführliche, wohlbegründete Erklärungen zugegangen, welche auf das B e st i m m t e st e die Albernheit, Lügenhaftigkeit und den höchsten Unsinn dieser nie genug beklagten verleumderischen Angabe beweisen, die überdies in keinem jüdischen religiösen Buche irgend' eine — auch nur entfernte — Begründung finden könnte. „Da die betreffenden Herren durch ihre öffentliche sociale Stellung, durch ihre Gelehrsamkeit, durch ihre thatsächlich erwiesene unbedingte und begeisterte Anhänglichkeit an die christliche Kirche, Einige auch durch katholische ascetische Werke, Einige durch ihren Priesterstand, Einige als accreditirte Beichtväter, Einige als berühmte Kanzclredner, Einige durch ihre mitHülfe Gottes schon zu Stande gebrachten Bekehrungen mehrerer Protestanten und selbst Juden, über allen Zweifel erhaben sind, so glauben wir der feierlichen mündlichen und schriftlichen Erklärung solcher Männer um so mehr das gebührende Gewicht beilegen und selbe hiermit zur Steuer der reinen Wahrheit und zur kräftiger« Wid erlegun g himmelschreiender Verdächtigungen, verbrecherischer Verleumdungen und strafwürdigster Hetzereien, dann im Interesse der allgemeinen Aufklärung und Versöhnung, streng nach dem milden Geiste der christlichen Lehre, sowie zur Förderung der wahren Nächsten- und Bruderliebe gewissenhaft veröffentlichen zu sollen. Wien, am 28. April 1862. Der verantwortliche Redacteur der „Volksstimme" Prof. Franz Anton Rosenthal." Originell ist die Begründung, mit welcher Kaiser Nikolaus bei einer ähnlichen Gelegenheit seine feste Ueberzeugung, daß diese Verdächtigung rein aus der Luft gegriffen sei , motivirt haben soll. „Wenn es wahr wäre", soll er sich allen Ernstes geäußert haben, „daß es Juden gäbe, die im Interesse der Religion solche schändliche Verbrechen begingen, würde es gewiß auch andererseits nicht an Solchen gefehlt haben, die aus eigenem Interesse bei den Behörden als Denuncianten aufgetreten wären." — Zu den Gemeinden, die sich in neuester Zeit in Mähren bilden, werden außer Jglau und Znaim auch Hradisch, Ollmütz, Tischnowitz und Wischau gezählt. — Das Gotteshaus der ,-üng.-jüdschen Gemeinde" zu Großwardein , welches in jüngster Zeit behördlich geschlossen wurde, soll auf Veranlassung des dortigen Obergespans - Stellvertreters wieder geöffnet worden sein. — Zu der großen Anzahl von Finanzplänen, die seit einer Zeit in Oesterreich beim Ministerium und dem Reichsrathe einlaufen, liefern auch die Israeliten ein hübsches Contingent, und sollen unter diesen Arbeiten maßgebenderseits so manche als beachtenswerth empfohlen worden sein. — Die neulich stattgehabte Vorsteherwahl in Lemberg istwie man der „Ostdeutschen Post" von dort berichtet, zum Nachtheil der Fortschrittspartei ausgefallen. Wir wissen nicht, sollen wir dieses Factum bedauern oder sollen wir uns darob freuen. Wir lasen zwar neulich in einem gedruckten „Aufruf" all die Verdienste aufgezählt, die sich die „gebildeten Vorsteher" um die Gemeinde Lemberg erworben haben; wie aber manche Eingeweihte behaupten, könnte man ein noch reichhaltigeres Verzeichniß anfertigen über Das, was diese „gebildeten Vorsteher" für „ganz Galizien" hätten thun können, aber unterlassen haben. Wir wollen dies blos angedeutet haben, enthalten uns aber jeder übrigen Bemerkung. — Auch in Mähren scheint sich das dringende Bedürfniß einer Versammlung jüdischer Notabeln zur Berathung über cultuelle Einrichtungen herauszustellen. — Laut Erlasses des k. k. Ministeriums des Aeußern haben die Bewerber um die an der k. k. orientalischen Akademie in Wien zu besetzenden Stiftungsplätze ihren diesfallsigen Gesuchen einen Taufschein beizulegen. — Im Locale des Kunstvereins in Wien wurde bei Gelegenheit der Ausstellung weiblicher Handarbeiten unter Anderm auch den israelitischen Damen und zwar der Frau Anna Löwenthal und der Frau Fanni Oppenheimer Preise zuerkannt. — Wie jedes Jahr, haben sich auch heuer die Hauptgemeinden der verschiedenen Kronländer durch Beköstigung der jüdischen Soldaten während der