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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-03 · Heft 23 (3.6.1862) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 23 (3.6.1862)
Date
1862-06-03
Page
Seite 305 (sequence 9)
Language
German
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3VS bräisch unterrichtet werden. Außerdem unterrichtet der Herr Rabbiner die Confirmanden in Hilchoth, Tephilin rc. noch besonders in seiner Behausung. Am 13. d. M. ist unser Gemeindevorsteher, Herr Jacob Baswitz, von der Stadtverordneten-Versammlung zum Magistratsmitgliede (Stadtrath) erwählt, durch den Herrn Oberbürgermeister in sein neues Amt eingeführt worden. Sett unserm jüngsten Berichte über den hiesigen „ Colonisationsverein für Palästina" sind demselben wieder mehrere preußische Gemeinden beigetreten und haben ihre Gaben eingesendet, wie z. B. Neumark in Pr. 22 Thlr. 212/3 Sgr., Neidenburg 16 Thlr. 10 Sgr., Gutstadt 10 Thlr. u. s. w. u. s. w. — Es sei noch bemerkt, daß Herr Rabbiner Elias Guttmacher zu Grätz (Großh. Posen) eine an ihn ergangene Anfrage in Betreff der Gaben für Palästina dahin beantwortet, man möge die betreffenden Gaben in drei Theile zerlegen, und zwar */?, zur Ernährung der palästinensischen Armen, '/» Zum Bau der Pilgerhäuser verwenden und V3 endlich dem hiesigen Colonisationsverein zufließen lassen. — Das (unsererseits in diesen - Blättern bereits erwähnte) die Colonisation des heiligen Landes behandelnde WerkcheU ■ ypx von Kalischer in Thorn findet — wie wir vernehmen — immer größere Verbreitung. Oesterreichischer Kaiserstaat. Niederösterreich, Ende April. (Miscellen.) „Wen die Götter verderben wollen, schlagen sie mit Blindheit." Diese Wahrheit, die sich in der Geschichte im Großen wie im Privatleben im Kleinen so oft bewährt, scheint sich auch in den mannigfaltigen Agitationen der im Finstern schleichenden Feinde jedweden Fortschrittes bewahrheiten zu wollen. Denn sonst wäre es schwer, sich die Erscheinung zu erklären, daß in einer Zeit, wo der Boden unter den Füßen des Stuhles Petri mit jedem Tage mehr wankt, gerade die angeblichen Stützen desselben es sind, die die unsinnigsten Hetzereien gegen Andersglaubende, zu veranlassen und also die Zahl ihrer Feinde zu vermehren sich bemühen, als ob sie nicht genug Feinde in ihren eigenen Kreisen hätten. So wurde im Laufe dieses Monates dem „Wanderer" aus Lemberg Folgendes mitgetheilt: „Das jetzige jüdische Osterfest giebt leider wieder dem alten, längst abgenutzten Märchen, als brauchten die Juden an diesen Feiertagen Christenblut, neue Nahrung. Es durchläuft nämlich unsere Stadt das Gerücht, daß man vorgestern vor einem Judenhause den Leichnam eines Bauernburschen gefunden habe, an dessen Extremitäten man erkennen wollte, daß ihm, „um Blut abzuzapfen", die Adern ausgeschnitten worden, was die Veranlassung seines Todes gewesen sei. Was daran Wahres ist, dürften wir bald aus der eingeleiteten amtlichen Untersuchung erfahren. Bedauernswerth ist nur die Hartnäckigkeit, mit welcher gewisse Kreise dieses mittelalterliche Mährchen, woran heutzutage gewiß kein Vernünftiger mehr glaubt, für ihre Zwecke auszubeuten suchen, um den alten Zwiespalt zwischen Bürgern verschiedenen Glaubens, der bei uns wenigstens im Erlöschen begriffen ist, aufs Neue anzufachen. Als Beleg hierfür diene Ihnen ferner das neuerliche Auftauchen des Gerüchtes von einer Verweigerung der Absolution für alle Jene, die in einem Dienstverhältnisse zu einem Juden stehen." Auffallend ist die Erscheinung, daß auch in der Bukowina, diesem Ländchen, das bisher nicht von sich reden machte, nun auch von gewisser Seite her Versuche gemacht werden, das Feuer des Judenhasses zu schüren. Dank dem gesunden Sinne der Bevölkerung verhallen jedoch diese vereinzelten publicistischen „Schmerzensschreie" spurlos. — Auch die Fahnenträger des Czechismus stimmten neulich in ihren journalistischen Organen einen Ton an, der sehr geeignet war, die rohen Prager Excesse vom vorjährigen Sommer in vermehrter und verbesserter Auflage erscheinen zu lassen. — Auch unter dem Pöbel zu Padua fing das Gespenst des Christenblutbedarfes zu spuken an; der Abwechslung wegen nahm es jedoch daselbst eine andere Gestalt an. Man suchte nämlich unter dem Volke den Glauben zu verbreiten, daß die Juden zur Einweihung von Friedhöfen Blut brauchen, und ist es lediglich der Energie, mit welcher die Regierungsorgane rechtzeitig aufgetreten sind, zu verdanken, daß diese Versuche erfolglos geblieben. Es ist sonderbar, daß sich solche Symptome gewöhnlich dann zeigen, wenn diese Partei jede Hoffnung eines Sieges auf gesetzlichem Boden aufgegeben hat. — Interessant ist zu vernehmen, wie ein Blatt vom reinsten katholischen Wasser, „Die Volksstimme", welches seit etwa einem Jahre in Wien erscheint und. das — wie ein großes politisches Journal bezeichnend genug mit den Worten charakterisirt — „in gediegenem katholischen Pietismus macht und hierin nicht selten die „Kirchenzeitung" überbietet", also gewiß von keiner Seite 23

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