Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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304 eine fernere gedeihliche Tätigkeit verschönern möge, und verharren mit Hochachtung und Ergebenheit! Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde, (gez.) S. M. Frank. Köln, im Mai 1862." Den Lesern wird diese Adresse um so erfteulicher erscheinen, als sie im Grunde mehr der Sache als der Person gilt. Berlin, 20. Mai. (Privatmitth.) Wie die Thronrede gestern aussprach, werden dem neuen Abgeordnetenhause nur die allernothwendigsten materiellen Gesetzvorlagen zu einer möglichst kurzen Session vorgelegt, und wird daher voraussichtlich für die jüdische Frage bis zur Wintersitzung kein Raum vorhanden sein. Begnügen wir uns daher vorläufig mit der außerordentlichen Niederlage, welche die reactionäre Partei abermals erlitten hat. Da ist kein Gerlach, kein Wagener, kein Blanckenburg wieder gewählt. Die Handvyll feudaler Abgeordneten find von parlamentarisch ganz untergeordneter Bedeutung, wodurch erwiesen ist, daß auch sie ihren Sitz nicht ihren Principien, sondern rein localen Interessen und Einflüssen zu verdanken haben. Dagegen erscheinen die beiden Abgeordneten jüdischer Confession, Neichenheim und Kosch, wieder, und zu ihnen gesellt sich jetzt die Wahl des Dr. Johann Jacoby, der vom zweiten Wahlbezirke Berlins trotz wiederholter Ablehnung, weil er durch seine Wahl keine Svattung der Liberalen Partei Hervorrufen wollte, gewählt Morden ist. Nichts ist ehrenvoller als das Schreiben P welches die Wahlmänner an ihn erlassen haben- „da das Vaterland die Dienste des Gewählten nicht gut länger entbehren könnte". Ob er die Wahl annehmen wird, ist noch nicht bekannt. — „Die Gegensätze berühren sich." Gestatten Sie mir daher, eines Menschen zu erwähnen, der es an der Seite des genannten Mannes eigentlich nicht verdient. Keipp, der Gründer des „Preuß. Volksblattes", der Schildträger der Kreuzzeitungspartei, der unaufhörlich die schändlichsten Beschimpfungen und Verleumdungen auf die Juden häuft, ist in Wien, wohin er übergesiedelt, um ein ähnliches Bla^t, „Das Vaterland", zu gründen , wegen M a j e st a t s b e l e i d i g u n g e n verurtheilt worden. Diese Menschen nennen sich die Vertheidiger des Thrones, die Vorkämfer der Monarchie! — Da ich einmal mit Notizen beschäftigt bin, werfe ich . noch einen Blick auf. die Rede, welche der Bischof von Ariano an den König von Italien in Neapel bei der Vertheilung der Medaillen an die Nationalgarde gehalten hat und die so großes Aussehen machte. Er sagte unter Anderem : „Mögeder allbarmherzige Vater Eurer Majestät die Kraft verleihen, mit der er die Männer ausrüstete, die er zur Befreiung seiner auserwählten Nation auserlesen hatte. Verleihe er Ihnen den Glauben Abrahams, des Erzvaters so vieler sich folgender Nationen; den Muth Mosis , des Pollbringers so vieler Wunder; die Gewalt Josuas, der nach merkwürdigen Siegen sein Volk in das Land der Verheißung führte." — Die Erwähnung nur alttestamentarischer Heroen ist bezeichnend. — Magdeburg, 20. Mai. (Privatmitth.) Unter Leitung des Vorstandes und der Repräsentanten fand hier die Wahl eines neuen Rabbiners Seitens der Gemeinde statt. Von den drei Candidaten, welche Probepredigten gehalten, wurde Dr. Güdemann, ein talentvoller und für seinen Beruf begeisterter junger Mann , gewählt. Münster, im Mai. (Privatmitth.) In Folge der Aufforderung eines Schutraths und königl. Eommissars bei den Lehrerprüfungen mache ich dieresp. jüdischen Lehrer Westphalens und Rheinlands, welche in den letzten Jahren ihr Exarmn gemacht haben, darauf aufmerksam, daß sie sich, einer früheren Verordnung gemäß, einer Nachprüfung zu unterwerfen haben, falls sie der Anstellung an einer öffentlichen Elementarschule gewärtig sind. Diese Nachprüfung findet nur statt in dem Zeiträume vom Ende des zweiten Jahres bis zum Ende des fünften Jahres nach der bestandenen ersten Prüfung. Sie bezweckt besonders, die erworbene praktische Tüchtigkeit darzuthun und bietet zugleich die Möglichkeit, eine höhere Nummer zu erlangen, wenn die erste Prüfung nur eine niedrigere ergeben. Dr. Steiüberg, Seminarlehrer. Frankfurt a. d. Oder, im Mai. (Privatmitth.) Die im Januar d. I. durch den Rabbiner Herrn Dr. Loewenmeyer eröffuete Gemeinde-Religionsschule,. — an welcher, außer ihm selbst, noch der Leiter der hiesigen Gemeinde-Elementarschule, Herr L. Weyl, als Lehrer thätig, — ist gegenwärtig von mehr den achtzig Kindern (Knaben und Mädchen) srequentirt,. die da an drei Tagen in der Woche (Sonntag, Mittwoch und Sabbath) in Religion, israelitischer Geschichte und. He-