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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-03 · Heft 23 (3.6.1862) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 23 (3.6.1862)
Date
1862-06-03
Page
Seite 303 (sequence 7)
Language
German
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803 auch ein Wort über die Ursache dieser Erscheinung fallen kaffen. Sie. liegt darin, daß viele Jünger der jüdischen Theologie das Predigen, oder vielmehr die Erlangung der Känzelberedtsamkeit für eine gar zu leichte Sache halten, die sich ganz von selbst ergiebt, die man sich anzueignen keine Mühe anzuwenden braucht: aber dies ist nicht so. Der geborene Redner ist selten. Menschen, die eine Fülle des .Gefühls, Schärfe des Verstandes, Geschmack und Takt, man möchte sagen Instinkt für das Bedürfniß, den Ideen - und Gefühlsgang der Zuhörer mit Gewandtheit der Sprache und gutem Organe verbinden, finden sich nicht alle Tage. Da aber Prediger in Menge vorhanden sein müssen, so muß Studium und angestrengte Sorgfalt die Natur unterstützen, das Mangelnde ersetzen. Möge man daher die falsche Meinung und die Selbstüberhebung fahren, lassen;setze man sich hin und studire die besten Erzeugnisse der jüdischen und christlichen Homiletik, ziehe sich deren Dispositionen heraus und prüfe und kritisire diese, beobachte die Vertheilung des Stoffes, die Einkleidung, die Fülle und Gedrängtheit der Sprache an den verschiedenen Stellen und Gegenständen, dadurch wird der Geist selbst unbewußt in dieselben Bahnen geleitet, um wie viel mehr, wenn dadurch die bekannten und unbekannten Regeln der Beredsamkeit zum Bewußtsein und Verständniß kommen. — Man unterschiebe diesen Bemerkungen nur kein falsches Motiv. Wir schreiben den Früheren keinen absoluten Werth zu und mißachten die jüngeren Kräfte durchaus nicht. Aber wir sind von dem Wunsche belebt, das glänzend begonnene Werk mit Energie und Erfolg fortgesetzt zu sehen, und da mag denn das Wort des Mahners nicht immer auf unfruchtbaren Boden fallen. . Professor Laurent in Gent hat im ersten Theile feiner Etüde? sur Tbistoire de Thumanile“, der den Titel „l'Onent" führt und bereits in zweiter Aussage erschien, nachgewiesen, welch einen großen Fortschritt das alte Aegypten gegen Indien, das jedoch jünger als jenes, und welch einen noch größeren der Mazdeismus, die Satzung des Zend-Volkes bezeichnet, und der sich in vielen Lehren und Ideen der Orthodoxie der christlichen Kirchen weit überlegen erscheint. Er fährt fort: „Aber trotz dieser herrlichen Vorzüge läßt der Standpunkt der jüdischen Theokratie den der arischen hinter sich. In Mosis Gesetz erblickt man nicht eine Spur von Kasten, es erwähnt, nicht, einmal mehr die vier Classen, was noch die Zend - Avesta thut. Alle beherrscht der Gedanke der Einheit des schöpferischen persönlichen Gottes, er durchdringt, den Dualismus der Arier vermeidend, das ganze Volk Israel, und macht es Eins in Gott und Eins in sich selbst, während der Herr doch Oben bleibt, im Himmel. Die Einheit und Einigkeit Gottes knüpft ein Band zur gesammten Menschheit, sie legt die' Grundlage zu der socialen und welterobernden Macht des Monotheismus!" Zeitungsnachrichten. Preußen. * Bonn, 23. Mai. (Privatmitth.) Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Köln hat an den jetzt hier wohnenden vr. Philippson folgendes Schreiben gerichtet: „In dem Moment, in welchem Ew. Ehrwürden aus Gesundheitsrücksichten das Rabbinat in Magdeburg nach einer segensreichen Verwaltung desselben von länger als einem Vierteljahrhundert niederlegen, um an den Ufern des Rheines in unserer Nachbärstadt Bonn Ruhe und Erholung zu suchen, drängt es uns als Vertreter der größten rheinischen Synagogengemeinde, Ihnen, hochzuverehrender Herr Doctor, eine feierliche und tiefempfundene Begrüßung entgegenzubringen. „Wie segensreich Sie unmittelbar in JWm bisherigen Sprengel gewirkt haben, ist aus Mm ungetheilten Schmerz desselben um Ihr Schechen zu erkennen. Ihre Wirksamkeit hat sich jedoch weit über dessen Grenzen hinaus erstreckt. Sie haben durch Ihren hohen Geist in Wort und Schrift die Apathie, in welche das Judenthum theilweise versunken war, erfolgreich bekämpft — Sie haben durch Ihre Zeitung neues Leben gegossen in unsere Gemeinde-, Synagogen - und Schulverhältnisse — Sie haben die Angriffe der Bosheit und des Vorurtheils, so oft sie gegen Israel gerichtet wurden , stets siegreich zurückgewiesen und Ihre mächtige Feder verstand es, unsere Gegner zu widerlegen und zu beschämen. — * „Von diesen Gesinnungen beseelt, geben wir, verehrter Herr Doctor, hiermit dem Wunsche Ausdruck, daß die göttliche Vorsehung Ihre Gesundheit kräftigen, Ihnen ein langes Leben verleihen und dasselbe durch

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