Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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und dann die Ergebnisse solcher Handlungen anerkennt. Das wäre -ja ein klarer Fall, Herrn Dr. Adler vor ein Landestribunal zu fordern. Wir haben aber eine viel zu hohe Meinung von dem Charakter des Herrn Dr. Adler, als daß wir ihn auch nur im Entferntesten der Theilnahme an ungesetzlichen Handlungen für fähig halten sollten, und können daher nicht anders, als unsere Vermuthung zur halben Gewißheit zu erheben und sagen : Herr Dr. Adler glaubt selbst nicht an das Vorhandensein eines so schmachvollen Gesetzes, und daß er andere Gründe haben müsse, es den häufig an ihn gerichteten Gesuchen zum Uebertritte entgegenzuhalten. Welcher Art diese Gründe seien, können wir nicht angeben, da uns authentische Mittheilungen fehlen und wir uns ernstlich hüten zu müssen glauben, über die Handlungsweise eines Mannes auf bloßes Hörensagen hin abzuurtheilen. In jedem Falle haben wir es aber für unsere Pflicht erachtet, den Gegenstand öffentlich zur Sprache zu bringen und hierdurch entweder den Beweis der Grundlosigkeit des erwähnten Verbotes, oder ein sofortiges Vorgehen zu deffen Beseitigung zu veranlassen. Es wäre zu wünschenwenn Herr Dr. Adler sich selbst öffentlich darüber ausspräche, da, wie wir genau wissen, die seither bestehende Ungewißheit vielen Familien ein Grund großer Beforgniß und gestörten Friedens ist. Wir selbst werden uns bemühen, über diese Angelegenheit so viel Licht als möglich uns zu verschaffen und die Resultate unserer Forschung in diesen Blättern der Oeffentlichkeit übergeben. Zerstreute Bemerkungen. Der große Philosoph Fichte war in seiner Kindheit Gänsejunge, also Sohn eines armen, schlichten Tagelöhners vom Lande. Als er bereits längst die Universität besucht hatte, mit den akademischen Würden versehen und auf dem dornigen Pfade der Abstraktion heimisch war, besuchte er auf einer Reise nach Warschau seinen Vater und bricht in seinem Tagebuche in Bewunderung über den schlichten, immer guten Vater aus, und wollte gern all sein Wissen und Können für die Ruhe, Besonnenheit und Tugend des Einfachen Mannes hingeben! Es ist dies so recht eine Warnung für die wissensstolzen Männer, die im Dünkel auf ihre Gelehrsamkeit über jeden andern Sterblichen den Kopf schütteln, und ihn so tief unter sich erblicken, daß ihnen die Frage: wozu er eigentlich existire? nahe liegt. Es ist aber auch eine Mahnung an, .die. Jugend - dass sie, wenn sie auf irgend einem Gebiete größere Erfolge erlangt, die Achtung vor dem Alter nicht.verlieren, welches die Erfahrung, die Leidenschaftslosigkeit und die bewährte Festigkeit im Guten und Edlen für sich hat/ Der-mächtige Philosoph Fichte, der gerade durch Kraftfülle und Ungebundenheit sich abzeichnete, steht voll Erstaunens vor der Tugend des ländlichen Arbeiters, und bewundert in ihr die Offenbarung des Geistes. - Jetztda die Sache vorüber und bereits der Vergessenheit anheimzufallen begonnen, können wir einige Worte darüber verlieren, ohne etwa den Vorwurf der Unbescheidenheit auf uns zu laden. Wir haben uns gewundert, daß das von uns in den öffentlichen Blättern erlassene Sendschreiben an den Minister v. Bethmann-Hollweg eines so allgemeinen Anklangs sich zu erfreuen gehabt- und uns nicht blos von jüdischer Seite Dankschreiben von Gemeinden und Privaten, ja selbst poetische Ansprachen zugezogen, sondern noch vielmehr von christlicher Seite Versicherungen der allgemeinsten Zustimmung gebracht hat. Wir verwunderten uns darüber, weil die Sache eigentlich ganz einfach und wirklich keine Heldenthat war. Aber größer als diese Verwunderung war die Befriedigung, die man daraus gewinnen mußte, daß die Wahrheit jetzt bereits eine so allgemeine Herrschaft erlangt hat, und die Parteileidenschaft zwischen den verschiedenen Religionsbekenntnissen so sehr geschwunden ist, daß die richtige und ruhige Würdigung der Thatsachen stets vollen Beifall findet. - Das Reich der Lüge, die Macht des Wahnes'wird auf immer engere Grenzen beschränkt, zählt der Träger und Herolde eine immer geringere Zahl, und wenn diese durch die Kraft ihrer Lungen und ihre zügellose Frechheit ersetzen zu können glauben, was sie an Maß und Gewicht verloren haben, so irren sie sich. Ein einfaches, aber klares Wort verscheucht die Nebel, die sie mit großer Mühe zusammengeblafen haben. Allerdings wollen wir diese Auslassung nicht wörtlich auf den früheren preußischen Cultusminister bezogen haben, der an sich edler Natur ist, sondern auf diejenigen Dunkelmänner, die ein solches Wort, wie es ihm entschlüpft ist, allen Ernstes verkünden, ausbeuten, jeglicher Widerlegung spottend und nach wie vor Haß und Grimm speiend! Wenn wir vor einiger Zeit bei vielen der jüngeren jüdischen Kanzelredner den Mangel an logischer Entwickelung und kunstgemäßer Disposition rügten, so mögen wir