Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1862)
- Date
- 1862-05-27
- Page
- Seite 292 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226333--20357-3249419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ASS Menschenzahl ihr Leben dabei eingebüßt. Auch über den Referent dieses waltete die allgütige Vorsehung mit schützender Hand, indem ich es kaum eine kurze Zeit vor dem Einstürze verlassen hatte. — Wie erstaunte ich aber zu hören, daß man die Leichen, von welchen zwei. derselben' gar keine körperliche Verletzung: aufwiesen, schon gleich beerdigen wollte. .Vergebens suchte ich die Masse zu bearbeiten, daß man die Leichen, die vor einer Stunde noch am Leben Waren, erst nach,48 Stunden zur Ruhestätte bringen solle, da bei denselben mehr als bei Anderen Hoffnung zum Wiederaufleben vorhanden war; umsonst führte ich die oft in Zeitungen und auch neulich in Ihrem Jüdischen Bolksblatte gebrachten Auflebungsfälle an; selbst meine Hinweisung auf den Talmud (n'b ninnw), wo er es zur Pflicht macht, die Leichen sogar 3 Tage nach ihrem Ableben zu untersuchen, ob sie nicht etwa aufgelebt seien, und zur Stelle zwei Fälle des Wiederauflebens anführte, wovon Einer noch 25 Jahre gelebt hat und ein Anderer nachher noch 5 Kinder erzeugte, war eine vergebliche Mühe und blieb fruchtlos. Denn was hilft es, in einem Walde zu predigen, oder gegen eine dumme, rohe, dem Aberglauben ergebenen Masse zu kämpfen! Machten sie doch .. geltend, da ß Myriaden; bös er Geister mit jeder Verzögerung den Leichen Gefahr drohen! Eine kurze Zeit nachher ruheten bereits hie Leichen im Schoße der Muttererde. — r- Möge aber auch hier recht bald die letzte Stunde des Aberglaubens und des ohscureu Fanatismus schlagen, und die Aufklärung ihre Dämmerung schon beginnen, damit eine gesundere, erleuchtete Generation zum Heile und zur Kräftigung des Judenthums heranwachse! : H, K. Türkei. Konstantinopel, 2. Mai. Dem „Levant" wird geschrieben: Die Bewegung, welche hier der Conflict in der israelitischen Gemeinde erregte, und von der ich Ihnen in meiner letzten Correspondenz schrieb, nöthigt mich, Ihnen von Neuem Mittheilungen zu machen, deren vollständige Glaubwürdigkeit ich Ihnen versichern kann. Vor ungefähr drei Jahren errichtete eine große Anzahl Israeliten unsrer Stadt einen Consistorialrath, um die Gemeindeangelegenheiten zu führen und in den Differenzen, die sich, unter den Gemeiudegliehern erheben könnten, zu erkennen. Dies war,, wenn nicht, ein Schismadoch.wenigstens; eine Spaltung! Die Verwaltung des Consistoriums war so einsichtsvoll,.-rechtliebend und väterlich, daß die Gerichtsbarkeit der Rabbinen sich in der That verlassen fand -und daß-der größte Theil der Israeliten , nur noch mit dem neuen Tribunal zu schaffen Haben wollte. - ,; J Sie können begreifen, wie, groß. der Aerger der jüdischen Geistlichkeit sein mußte, die sa ihrer juridischen Autorität. sich beraubt sehend/ zu gleicher Zeit die Macht verlor, durch deren Hülfe sie bis hierher-reichliche HülfSquellen verschaffen konnte. Seit drei. Jahren hatte der jüdische Klerus sich ruhig zurückgehalten geschienen, aber er . wartete nur auf eine Gelegenheit, um zu-handeln und sich für seine Erniedrigung. zu. rächen: < Wie ich Ihnen schon gesagt, hatte der Conststorialrath, , nicht.. zufrieden, die Gemeindeangelegenheiten. in Ordnungzu, bringen, Bildung, unter die- Armen zu verbreiten, ihnen Hülfe und Ermuthigung zukommen zu lassen, die glückliche.Idee, ein.-von dem Rathe selbst inspirirtes und geleitetes .Blatt zu gründen. . In einer seiner letzten Nummern veröffentlichte.dies: Journal eine sehr genaue Rechnungsablage-des Rgths, während der drei soeben verflossenen Jahre, und es, stellte. sich aus dieser Veröffentlichung, heraus,, daß - Dank, -einer geschickten und. rechtlichen. Verwaltung, das Gemeindehudget mst einem bedeutenden plus.abgeschlossen wurde/ während , es - sonstimmer mit, einem-, großen /Destest endete. Diese Eröffnung-/setzteden - Gipfel - auf -die Wuth der alten. Gemeindeverwalter, größtentheils Rabbiner, welche das - Volk in dem Synagogen - zusammen?- rief, ohne dazu vorn Großräbbiner die Crlaubmß, erbe-? ten zu haben, und! kraft ihrer eignen Autorität die Directoren , Redacteure und. Leser, .des besagten Journales in , den Bann legten. Den- Großrabbiner, Herrn Joseph Avigdor, der diese.Fanatiker zur Vernunft zurückbringen wollte, beschloß man. in geheimer Sitzung ebenso wie . den Consistorialrath zu beseitigen. Vor einigen Tagen begaben sich mehrere Rabbinen, begleitet von einigen der Aufgeregtesten der Gemeinde, in das Haus des Herrn Camoydo, des- Consistorial-Präsidenten, und ergossen sich, in Beleidigungen und Drohungen^ Sogleich versammelte^ Herr- Campndo die Vorsteher, der Gemeinde und den, neuen Rath unter dem Vorsitz des Großrabbinen und es wurde beschlossen,,. daß man, sich an die Pforte wenden solle, um die Festnehmung eines der Rabbinen , der sich, ganz besonders, durch seine Gewaltthaten gegen Herrn Camondo hervorgethan - chatte,