Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1862)
- Date
- 1862-05-27
- Page
- Seite 290 (sequence 10)
- Language
- German
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290 ftit Mann hervorzuheben ist, der. zu.jener Partei gehört, welche im Jahre 1848 ihren. Fanatismus auf so schreckliche Weise besiegelt -hat. Welche Ursachen zu diesem traurigen "Wahlresultate am meisten beigetragen haben, möge nachstehend kurz auseinandergesetzt werden. Die erste und vorzüglichste Ursache mag wohl die sein, daß die Zahl der Orthodoxen und Chassidim die der Fortschrittsmänner weit übertrifft. Bestände aber dieses Verhältniß nicht, dann wäre ja auch kein Kampf und ohne Kampf auch kein Verdienst. Darin bestand, ja eben die große und schwere Aufgabe der Fortschrittsmänner, daß sie trotz aller Hindernisse siegen. Um aber einen Sieg über eine solche Uebermacht zu gewinnen, gehört vor Allem eine allgemeine Begeisterung, eine ungewöhnliche Kraftanstrengung und überhaupt ein festes Zusammenhalten. Aber an allem diesem hat es gefehlt. Es war kein Führer da. Wäre die Kanzel nicht verwaist gewesen, stände ein tüchtiger Prediger an der Spitze der Cultusgemeinde, es wäre wahrscheinlich ein besseres Wahlresultat erzielt worden. So aber waren die Mitglieder der Cultusgemeinde sich selbst überlassen, was bei dem herrschenden Jndifferentismus ein großes Unglück war. Es machte sich auch dieses an den Tagen der Wahlschlacht gleich fühlbar. Während die andere Partei sich bei der Wahl ungemein lebhaft betheiligte, übten nur Wenige der Cultusgemeinde ihr. Wahlrecht aus. Der Eine sprach: Was kümmert es mich; mögen sie wählen, wen sie wollen, mich wird es nicht berühren. Dem Andern war wieder das Wetter zu schlecht Ein Dritter war des Wartens am Wahltische überdrüssig und ging weg, ohne seine Stimme abgegeben zu haben. Ein großer Theil endlich zog sich zurück, weil er ein ungünstiges Resultat voraussah. Dennoch hatten Einige noch bis zum letzten Augenblicke die Hoffnung nicht aufgegeben. Lag doch die letzte Entscheidung in der Hand des Kreisamtes, indem dieses aus den aus der Urwahl hervorgegangenen Candidaten einen Vorstand zusammensetzten konnte, der dem Fortschritte huldigte. Hatte doch das Kreisamt uns vor 20 Jahren einen intelligenten Vorstand gegeben, der durch sein segenreiches Wirken sich, große oder besser unsterbliche Verdienste um die Gemeinde erworben. Aber das Kreisamt hat es jetzt vorgezogen, der reaktionären Partei zu.-dienen. Das Warum ist leicht einzusehen. Als der größte Theil der Juden eine isolirte Masse war> die keine dem Zeitgeiste angemessene Bildung besaß, da zog man den intelligenten Juden zu sich heran und begünstigte! ihm; Nun^aberl durchs Verbreitung: der^ Bildung , auchdie Massen zum .Bewußtsein.ihrer Menschenwürde ' erwachen,; wir mit; offener Stirn hintreten und - uns. nicht zu■ Parias Hinabdrücken lassen, wir zwar zeigen >. daß wir zu dulden und zu schweigen.wissen, niemals aber das Bewußtsein unseres Rechtes aufgeben, so stößt man den Gebildeten von sich und zieht lieber Jene vor, deren. Losungswort es iss: Wir sind im GaluS, die Juden .müssen unterdrückt werden, damit sie Juden bleiben. Fällt hier nicht gleich die Geschichte von jenem Sklavenhalter ein,. der zuerst den Sclaven. den Brandwein strenge verbietet, dieses Verbot aber sogleich aufhebt, als er sah, daß durch die Mäßigkeit ein .änderer Geist sich bei den Sclaven zu regen begann? Daß aber bei so bewandten Umständen dennoch einige dem Fortschritte Huldigende in den Gemeindevorstand auf-- genommen wurden, das hat man den Anstrengungen einiger edlen Männer zu verdanken, die zwar alle ihre Kräfte ausboten, aber nur redliche Mittel in Anwendung brachten, während ein gewisser Orthodox* den „N6rvu8 rorum geronckarum" auch hier seine Rolle spielen ließ. > Wien, im Apri-l. (Privatmitth.) Der in der That großartige „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" hat seinen LN Jahresbericht veröffentlicht. Er zeigt eine Ausgabe von 7100 Fl., während die Einnahme 809 Fl. geringer war. Wir entnehmen dem Berichte folgende Daten: „Vergleichen wir die Anzahl der aufgenommenen Zöglinge in den Jahren 1860 und 1861, so stellt sich heraus, daß in elfterem 49, in letzterem 71 ausgenommen wurden (wovon nur 18 — gegen 33 im Jahre 1860 — die Lehre vor Vollendung ihrer Lehrzeit wieder verlassen haben) und ungeachtet im letztverflossenen Jahre 38 Zöglinge (gegen 28 im Jahre 1860) in den Gesellenstand übergetreten sind, verblieben doch am Schluffe des Jahres 152 Vereinszöglinge gegen 137 des Vorjahres. „Mit freudigem Bewußtsein muffen wir diese seit dem Entstehen unseres Vereines sich fortwährende Steigerung seiner. Wirksamkeit anerkennen. Viele Hunderte armer verlassener Knaben und.Zöglinge sind durch ihn der Verwahrlosung und dem Verderben entrissen und einer nützlichen Thätigkeit, einer ehrenhaften socialen Stellung.zugeführt wordem Zeugniß für diese heilsame Vereinsthätigkeit geben, die zahlreichen jüdischen Gesellen,,welche, als verwahrloste Knaben vom Vereine ausgenommen