Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1862)
- Date
- 1862-05-27
- Page
- Seite 289 (sequence 9)
- Language
- German
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warm an der Verhandlung betheiligt hatten, mit kleinen Modifikationen angenommen. Wer da^ mit uns erfahren, wie nur zu oft die Gemeinden Schulen eröffne^ ten, selbige jedoch ebenso rasch sperrtenwie der definittv Angestellte Lehrer sich oft Monate, ja Jahre lang vergebens an die Behörde um Zahlung seines rückständigen Gehaltes wandte, wird so manches Neue dieses Statutes, insbesondere aber die Einrichtung von Schiedsgerichten, die in streitenden Fällen zwischen Gemeinde und Lehrer zu entscheiden haben, - mit Freudenbegrüßen. Ohne uns an eine bestimmte Reihenfolge zu binden, erlauben wir uns, einige wichtige Paragraphen dieses Statutes hier folgen zü lassen. : Einer jeden isr. Cultusgemeinde wird es zur Pflicht gemacht, in ihrer Mitte eine konfessionelle Schule zu errichten und zu erhalten. — Eine jede solche Volksschule ist zugleich iReligions -. und Elementarschule. -7-,Jede Anstellung gilt für-die ersten 3 Jahre provisorisch, fand aber'bis 'Verlauf des. Trienniumskeine Kündigung statt, so gilt die Anstellung. als lebenslänglich. — An öffentlichen Schulen dürfen nur geprüfte Lehrer angestellt werden. — Ein jeder neu anzustellen.de Lehrer muß der ungarischen und deutschen Sprache mächtig sein, ist er auch Religionslehrer, auch der hebräischen Sprache. Bei sonst gleicher Befähigung soll der, welcher auch der hebräischen Sprache kundig, bevorzugt werden. — Es soll dahin gewirkt werden, daß jeder Lehrer in seiner Classe auch das Hebräische unterrichte. — Etwaige Streitigkeiten zwischen Lehrer und Gemeinde werden vor ein Schiedsgericht gebracht,, jedoch darf während der Dauer der schiedsgerichtlichen Verhandlung niemals der Gehalt eingestellt werden.. — f , . . Die fernern Vorschläge: die Einrichtung einer magyarischen Präparandie, in welcher insbesondere dem hebräischen Fache Rechnung getragen werde, die Einführung der magyarischen Unterrichtssprache in allen isr. Schulen Ungarns, die Gründung eines Lehrer-Pensionsfonds und die Uebersetzung der Bibel ins Magyarische gaben zu den lebhaftesten Erörterungen Veranlassung. Wegen Ausarbeitung eines Entwurfes zur Gründung einer Präparandie wurde -eine. Commission aus; folgenden Herren gewählt: Oberrabbinen Meisel, -Löv, Hochmuth, Steinhardt, Direetor Lederer, Professor Großmann, Reich, Jakob Kern und Msr Mezei. . - Die^ Versammlung: entschied sich für die Einführung her Mgyarischen Sprache,- für ein Classensystem im Princip, nachdem nur dort, wo es nicht anders möglich ist, Fachlehrer bestehen dürfen. Von den anwesenden Herren Rabbinen und vielen Lehrern wurde hervorgehoben, wie wenig für die Hebung des hebräischen Unterrichtes in unseren Schulen geschehe, und waren es insbesondere die Herren Rabbinen Hirschfeld und Roth, sowie Herr prov. Direetor I. Weinberger, die eine größere Anzahl von hebräischen Lehrstunden forderten. Der Entwurf der Schulcommission setzt in der Isten Classe 6 Stunden Hebräisch, 2te El. 8 St., 3te Cl. 9 St. und 4te El. 9 St. fest, während jene Herren in der Isten und 2ten Classe als Minimum 10 Stunden und in' der 3ten und 4ten Cl. wöchentlich als Minimum 15 Stunden festgesetzt wissen wollen. Als Ünterrichtszeit für die Iste Cl. wurden 25 St., 2te Cl. 28 St., 3te Cl. 32 St., 4te Cl. 36 St. festgesetzt und als Norm für den Lehrer wöchentlich als Maximum 25 Lehrstunden.! Die Versammlung entschied sich für eine in den Herbstferien abzuhaltende Lehrerconferenz in Pest h. i Herr Primarazt l)r. I. Rozsay, Präses des Irraelita egylet, leitete die Verhandlungen mit seltenem Geschick und parlamentarischem Takt, und waren es insbesondere die Herren vr. Hirschler, Kern, Dr. Schwab, Epstein rc., die die Sache der Lehrer als ihre eigene ansahen und mit seltenem Eifer sich des Lehrers annahmen. I. I. Rosenmeyer. Preßburg, im April. (Privatmitth.) Wie sehr auch hier die Aufklärung und die reinere Gottesverehrung langsam aber sicher die Obhand gewinnt, kann man aus dem Umstande erkennen, daß in dem völlig umgebaüten Schulgebäude ein großer schöner Saal hergerichtet worden, iu welchem allsabbathlich und an jedem Feste Abends und Morgens in geordneter und weihevoller Weise der Gottesdienst verrichtet wird. Jndirect hat dies auch schon die gute Wirkung gehabt, daß der Gemeindevorstand nun ernstlich an die Restauration der ulten, verfallenen und unansehnlichen Synagoge denkt. Lemberg, 8. Mai. (Privatmitth.) Ein Sieg der Orthodoxen und Chassidirn! Ein trauriges und für unsere Gemeinde folgenschweres Factum ist es, das ich jetzt zu berichten habe. Es hat die Fortschrittspartei bei der Wahl des Gemeindevorstandes eine Niederlage erlitten — eine Niederlage, da die Majorität desselben aus Orthodoxen besteht, unter welchen besonders 22