Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1862)
- Date
- 1862-05-27
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226333--20350-3249412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f &8Ü bleibt unter diesenUmständen: nichts jibrig- /.als -mit,der Specialgesetzgebung selbstständig voranzugehen. .Zweck des Gesetzes ist,; für jeden Inländer und Ausländer das Recht der freien Niederlassung und des Aufenthaltes.im Großherzogthume als unveräußerliches Grundrecht zu gewähren und zugleich gesetzlich die Bedingungen-festzustel- Len, unter denen allein im einzelnen Falle die Ausübung dieses Rechtes versagt werden ckaun. - Die bedeutendste Folge des neuen Gesetzes ist die den Israeliten gewährte freie Niederlassung in jedem Orte des Landes; diese Folge ist es , wie der Berichterstatter (der übrigens die volle Gleichstellung principiell anerkennt) dazu bemerkt, allein, welche „voraussichtlich das Gesetz beim Volke unpopulär und mißliebig machen wirds^. Ein übermäßiger Zudrang nichtbadischer Israeliten, würde nach des.Berichts Meinung^ auch hier durch Wahrung der Reciprocität gewährt. Die wichtigste von der Commission der ersten Kammer an der-von dem zweiten Hause beliebten Fassung vorgeschlagene Aenderung besteht in Einführung der Reciprocität. gegen Nicht-Badener,jedoch nichtals.principielle Beschränkung, .sondern als Ermächtigung an die Regierung . zur Wahrung der Interessen. des eigenen Landes- und ihrer freien Hand.. Diese Aenderung wird von der Kammer auch angenommen. In. namentlicher Abstimmung erfolgt einstimmige Annahme des Gesetzes. -; . . Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) Jetzt, wo das Unternehmen, wohlfeile Tenachs herzustellen, als vollendet zu betrachten ist, rückt uns, dem jüdischen -Publikum, unsere eigentliche Aufgabe drängend auf den Leib. Diese besteht nämlich nicht darin, die. hxb räisch e u Bibeln, von denen so vortreffliche Austagen vorhanden sind, noch ein Paar Groschen wohlfeiler zu stellen, sondern unsere heiligen. Schriften , mit einer , guten, lesbaren, populären Übersetzung versehen, recht massenhaft unter die Leute, zunächst unter die israelitischen Leute zu bringen. Warum? Wem das nicht klar ist, der möge nden Artikel „Hafis" hinter Goethes westöstlichem Divan Nachlesen. — Und da ist nun eine wirkliche israelitische Bibelgesellschaft nöthig. Wenn, , was nicht, schwer sein - dürste , - 6000 Subscribenten jährlich 3000 Thaler zahlen, so läßt sich eine bedeutende Zahl von Exemplaren-jährlich ganz gratis vertheilen, und ein guter civilisatorischer Zweck wird wesentlich gefördert werden. Hier wird vielleicht eingewendet: unter, besonders unter deutschredenden Juden. Mbt es nur wenige, hie so gleichgültig öder-so dürftig sind, daß sie nicht die geringe Summe selbst ausgeben möchten , und finden wir nicht in den ärmsten Hütten ganze Bibliotheken.von Gebetbüchern aller Kaliber: Siddur, Machsor, Megilla, Hagada, Kinnoth, Tikkun re., dann auch Chummesch und Haftara-Buch mit und ohne Uebersetzung?- . Aber wir antworten: Das Alles findet ihr, aber kein Tenach, oder höchstens eines in einer ganzen Familie, das gehört nicht zum Shnagogengebrauch, dafür haben sie kein Geld, das muß man ihnen aufdrängen, eS ihnen unentgeltlich ins Haus werfen. Denn die Furcht, Israel möchte allmählig den Nebyim und Chetubim gleichen Rang mit der Thora einräumen, diese hin und wieder von Gläubigen geäußerte Furcht ist eine ganz eitle. Und deswegen hoffen wir, es mögen diese wenigen Zeilen den Anstoß zur wirklichen Ausführung geben. — Johann David Strauß hat das Leben Hermann Samuel Reimarus, und zugleich einen Auszug aus dessen berühmten „Wolfenbüttelschen Fragmenten" herausgegeben. Diese, von Lessiug nur theilweise und überhaupt, nie vollständig publicirten Fragmente haben ihrer Zeit einen sehr bedeutenden Einfluß auf die Entwickelung der Juden geübt, und ich kenne noch, heute Männer, deren ganze kritische Aufklärung sich nicht über jenen Standpunkt erhebt. Dieser aber ist ein total ungerechter. Er läugnet die Wahrheit der biblischen Berichte und die Aufrichtigkeit der Redactoren, nimmt aber daraus Alles, was ihm paßt, als zuverlässiges Fundament für seine ganz willkürlichen Hypothesen. Auch seine noch weit schärfere Behandlung der Bücher des Neuen Testaments können wir Juden nicht billigen. Daß diejenigen unserer ehemaligen Glaubens- und Volksgenossen, die Jesus von Nazareth für den erwarteten Messias hielten, von Haus aus nichts gewesen als ein Haufe eigennütziger Betrüger, das kann uns nicht behagen. Wenn die Schafe geschoren werden, dann zittern die Lämmer. Und überdies hat sich ja dieselbe Messias-Geschichte fast mit denselben Umständen vor.200 Jahren: beim Sabbathai-Zebi wiederholt. Und waren es die Schlechtesten aus Israel, die fast 20 Jahre lang an ihn glaubten? Strauß sagt, es sei zweifelhaft, ob Reimarus die neuen Juden wegen der alten, oder die alten wegen der neueren gehaßt habe. Bekanntlich hat Voltaire die Juden ebenfalls nicht geliebt, just weil sie die Bibel in die europäische Welt gebracht haben. Aber Reimarus hat seine Fragmente im geheimsten Pult