Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1862)
- Date
- 1862-05-27
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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L82 Länder ein Sporn mehr sein, alle kleinlichen Beschränkungen auch ihrerseits fallen zu lassen. — Der Streit, der in der Gemeinde zu Konstantinopel ausgebrochen, ist wesentlich ein erfreulicher. Denn daß überhaupt auch dort schon ein Streit, sogar ein Kampf zwischen Intelligenz und Obscurantismus, zwischen gesetzlicher Freiheit und mittelalterlicher Knechtung und Verdummung stattfinden kann, ist ein Beweis des Fortschrittes, wie wir ihn so stark nicht geahnt haben. Wir bedauern immer, wenn Conflicte innerhalb jüdischer Gemeinden erst von den resp. Regierungen entschieden werden müssen. Allein in gewissen Fällen ist dies gar nicht zu vermeiden. Hoffen wir also, daß der erleuchtete Sinn der gegenwärtigen türkischen Staatsregierung den rechten Weg finden, den Parteien Frieden auferlegen, jeden Gewissenszwang vermeiden und der Entwickelung und Gesittung eine freie Bahn erhalten werde. — Zu den erfreulichsten Erscheinungen zählen wir, daß die israelitische Bibelanftalt nunmehr die Ablieferung ihrer ersten Bibelausgaben, wenn auch zuerst nur der ganzen Textausgabe, des hebräischen, des hebräischdeutschen und deutschen Pentateuchs beginnt. An dem Satze und der Stereotypie der gefammten deutschen Bibel wird fort und fort gearbeitet, und ist sie bereits bis zu den Büchern der Könige und bis zum Jeremias gediehen. Die Ausstattung ist verhältnißmäßig eine höchst befriedigende. Die hebräischen Typen sind von Mittelgröße, bedeutend größer als in den Misstonsbibeln, dabei scharf und kräftig, so daß das Lesen, noch dazu da der klare Druck auf dem weißen Papier sich sehr gut abhebt, für das Auge keine Beschwerde macht. Die Anstalt hat sich jetzt entschlossen, der Ausgabe des Pentateuchs auch die Haphtoroth hinzuzufügen, um sie für den Synagogengebrauch vollständig zu machen > und wird daran eifrig gearbeitet. Wir theilen nun auch mit Vergnügen mit, daß die Bestellungen auf diese Bibelausgaben sich bereits auf mehrere Tausende Exemplare belaufen, und von Tag zu Tag größere Aufträge eingehen. Auch werden bereits in einigen Nachbarländern Verhandlungen angeknüpft, um ganz adäquate Übersetzungen zu veranstalten, wozu wir dann die Textabdrücke liefern. Man sieht, daß also hiermit unsere Anstalt, deren Gründung und konsequente Durchführung -so viele Hingebung und Aufopferung erforderte, nur eben den Mittelpunkt für Großes und Bedeutendes abgeben soll und wird. Wir selbst betrachten ihre bisherige Thätigkeit und Resultate nur als einen Anfang, dem der glückliche Erfolg eine weite und segensreiche Bahn verbürgt. Wir find nun allerdings auch^ auf^ Tadel ^Ausstellungen und ^selbst Gehässigkeiten' gefaßt^ Bsir wissen, daß imdem feindlicheHLagtz^bereits, ehe KanKch^etwas gesehen, ein neuer Wrketzerungssturm vorbereitet" Mrd' . Wir werden jedoch es kaum der Mühe für werth halten, denselben auch nur zu berücksichtigen. Wir Wilsen, daß auch von anderer Seite die beliebte^ Verkleinerungssucht impotenter ' Menschen, 'statt die^ Anstalt mit Rath und That zu unterstützen, alle möglichen Schwierigkeiten und Hindernisse zu schaffen suchen wird. Allein in unserer Zeit vermögen alle diese Manöver den Sieg des Guten und Brauchbaren nicht zu hintertreiben. Sie können theilweise aufhalten und örtlich hemmen. Sie können den Kräften und Erfolgen, nicht unbedeutende Theile vorenthalten —; weiter aber nichts. Und so sieht der Besonnene, dem dergleichen Angriffe nicht unerwartet kommen, denselben mit Ruhe entgegen. Wir bemerken schon jetzt, daß von den gesammelten Geldern nach Vollendung der ganzen Bibel unfähr 1000 Thaler übrig bleiben— die genaue Rechnungsablage wird zur Zeit erfolgen — welche reservirt bleiben, um, sowie Stereotyptafeln durch den Abdruck unbrauchbar werden, diese durch neue zu ersetzen. . Sch wetz. Endliche vollständige Emaneipation. Endingen, 16. Mai. Der gestrige Tag wird als ein für die aargauischen Israeliten ewig denkwürdiger in die Annalen des Judenthums eingetragen werden. Das Gesetz über die Emancipation der Israeliten wurde dem Großen Rathe zur zweiten Berathung vorgelegt und von. demselben einstimmig angenommen. Dieser einstimmige Beschluß mit der ihm vorgegangenen Discussion ist eine glänzende Satisfaction für die Unbilden, die wir seit dem Krawall vom 28. October 1861 erlitten. Seit jenem Tage waren unsere Gegner unermüdet in der Bestrebung, bei. der zweiten Berathung das in der ersten Berathung beschlossene Gesetz rückgängig zu machen, oder wenigstens auf die lange Bank zu verschieben. Dazu wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Die sonst freilich nur schwach vegetirende Presse der ultramontanen „Botschaft" zu Klirr-