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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-20 · Heft 21 (20.5.1862) · p. Seite 276

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 21 (20.5.1862)
Date
1862-05-20
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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S7« der Rabbiner diesen Forderungen entsprechen, so verweise man ihn mit seinen Ansprüchen nicht ans das Mittelalter. Das ganze Gebühren hierin ist thöricht, denn das Mittelalter läßt sich nicht zurückrnfen, der Fortschritt nicht aufhalten; es ergeht jenen Herren wie dem Zauberlehrling, denn sie haben gestrebt, daß der Geist des Fortschrittes in Israel einkehre; nun er eingezogen ist, möchten sie ihn gerne bannen — aber vergebens, der Fortschritt läßt sich nicht zurückschrauben, das Rad der Zeit nicht aufhalten. Ich muß abbrechen, ob zwar noch mancher herrliche Gedanke der Mittheilung Werth wäre und nicht wenig zur Vernichtung der Borurtheile in dieser Frage beitragen würde. Alle Zuhörer wurden von der höchsten Bewundernng hingerissen. Möge es aber dabei nicht bleiben, sondern zu entsprechenden Thaten kommen, denn noch ist es Zeit. Mögen die böhmischen Gemeinden den Vorwurf von sich abwälzen, daß sie einen ganzen Stand ohne Grund negiren. Die Landgemeinden so wie die Prager Gemeinde besitzen Rabbinen von tiefem Wissen und ernstem Streben. Man möge solche Kräfte nicht brach liegen lassen, wo es gilt ein festes Gebäude aufzuführen. Dem Herrn Prof. Dr. Kämpf aber statten wir hiermit im Namen vieler Freunde'der Wahrheit und des Rechts den achtungsvollsten Dank ab für seinen heiligen Eifer und seine geistreiche Verteidigung, mit der er die Sache der Rabbinen vertreten hat. Wien, 18. April. In St. Polten hat gestern die liberale Partei einen entschiedenen Sieg über die Ultramontanen davongetragen. Die vielversprochene Petition gegen das Religionsedict, die von einzelnen Mitgliedern der Gemeinde dem Reichsrath übersandt worden war, stieß nämlich bei der weitüberwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung auf so entschiedenen Widerstand , daß der Gemeinderath sich zu einer Gegendemonstration gedrängt fand. In einer außerordentlichen Sitzung des Gemeindeausschusses wurde daher unter gewöhnlicher zahlreicher Theilnahme des Publikums der von dem Reichsraths-Abgeordneten und Gemeinderath Dr. Ofner gestellte Antrag mit Stimmeneinhelligkeit zum Beschluß erhoben: „Es sei durch die öffentlichen Blätter bekannt zu geben, daß die. Gemeindevertretung von St. Pölten an der erwähnten Petition keinen Antheil genommen habe; daß ihr die darin herrschende Anschauung über das Verhältniß des Staates zur Kirche durchaus fremd sei; und daß sie in die Regierung und den Reichsrath das vollste Vertrauen setze, dieselben würden jenes Verhältniß nach denjenigen staatsrechtlichen Grundsätzen ordnen, deren Richtigkeit die Wissenschaft längst über jeden Zweifel hinaus erwiesen." Die klerikalen Mitglieder der Versammlung versuchten Anfangs die Competenz der letzteren in dieser Frage zu bestreiten; schlossen sich dann aber der Majorität an, als sie sich vollständig isolirt sahen. (Fr. Journ.) Raab, den 4. Mai. (Privatmitth.) Die Landes- Lehrer-Conferenz sämmtlicher israelitischer Schulen Ungarns fand richtig am 27. und 28. v. Mts. in Pesth statt. Ungefähr 150 Rabbiner und Lehrer waren anwesend. Das Ehrenpräsidium führte der Oberrabbi Dr. Meisel, die eigentlichen Debatten leitete mit Energie und parlamentarischem Takte Dr. Rohzai, Präses des „Izraelita magyar egylet“. Den Kern der Debatte bildeten 5 Punkte, seitens der Schulcommission dieses Vereines der Versammlung vorgelegt. Diese 5 Punkte lauten: Das Verhältniß der Lehrer und Gemeinden zu einander, die Creirung einer Pädagogie, die Einführung eines geregelten Unterrichtsystems, die Gründung eines Lehrerpensionsfonds und endlich die Uebersetzung der Bibel ins Ungarische. Auch über die Unterrichtssprache wurde berathen, bei welcher Gelegenheit mancher Cicero pro domo sua opponirte; aber auch über diesen Punkt einigte man sich schließlich dahin, daß die Nationalsprache den Sieg davon trug. Endlich wurde eine Commission ernannt, bestehend aus 4 Rabbinen, 3 Lehrern und 1 Laien, diese hätte ein Elaborat bis zur nächsten Eonferenz auszuarbeiten, welches die Grundzüge des zu errichtenden Pädagogiums enthalten. Sie sehen, meine im letzten Berichte gemachte Bemerkung scheint sich zu verwirklichen. Das Ziel dieser Herren geht dahin, sämmtliche jüdische Volksschulen Ungarns in sehr kurzer Zeit in dem Geiste zu reorganisiren, daß die Unterrichtssprache in denselben ungarisch wird. Und von ihrem Standpunkte haben diese Herren vollkommen recht, da mit dieser der- Nation gemachten Concession dre Emancipaüon der Israeliten Ungarns um viele Schritte nach Vorwärts rückt. Nur sollten diese Herren bei der Ausarbeitung eines Entwurfes des Pädagogiums nicht vergessen, daß schon im allgemeinen Interesse der heranzubildenden Jugend

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