Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1862)
- Date
- 1862-05-20
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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274 j-jj ii: stark die Juden Posens bei den letzten Wahlen sich betheiligt haben, aber auch wie stark der Einfluß ist, den sie, wenn sie wollen, auf die öffentlichen Angelegenheiten ausüben können. — Unter theilweise jüdischem Einflüsse steht auch, wie wir hören, die „zur Wahrung deutscher Interessen" neu gegründete Ostdeutsche Zeitung in Posen, als deren zweiter Redacteur ein Israelit, Herr'vr. Waldstein, angestellt ist. — Der durch die Amsterdamer Affaire bekannte vr. Chronik ist bei der alten „Posener Zeitung" als Ätitredacteur beschäftigt. Während der Session des aufgelösten Abgeordnetenhauses schloß ein schlesisches Blatt ein Referat über die bekannte Sutro'sche Petition mit der originellen Bemerkung, daß, während der ehrwürdige Rabbiner von Münster für die völlige Gleichstellung seiner Glaubensgenossen so eifrig und so unermüdet sich verwendet, das Lissaer Rabbinat seinerseits ein Verdienst darin sucht, für die gekränkten Rechte der Protestanten in Spanien warm in die Schranken zu treten.. Der zweite Theil dieser Notiz beruht aber offenbar auf einem — vielleicht nicht so schwer zu verzeihenden — Jrrthume. Die bewußte, an das vorige Abgeordnetenhaus gerichtete Petition zu Gunsten der spanischen Protestanten — betreffs der Bibel-Colportage— war nämlich von einem gewissen Robert Abarbanel, dem Sohne des Rabbinatsverwesers zu Polnisch-Lissa (Herrn Hirsch Abarbanel) verfaßt und eingereicht worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Tarnow, im April. (Privatmitth.) Am 30. März in den ersten Nachmittagsstunden brach hier in dem ausschließlich von Juden bewohnten Stadttheile Feuer aus, das bei den räumlichen Hindernissen, die einer augenblicklichen Hülfeleistung entgegenstanden, das Schlimmste befürchten ließ; Dank den erfolgreichen Anstrengungen unserer christlichen Mitbürger*) wurde jedoch diese au¬ *) In den „Neuesten Nachrichten" hebt der hiesige israelitische Gemeindevorstand aus all Denjenigen, die sich in den drei verhängnißvollen Stunden der höchsten Gefahr in den dankbaren Herzen der israelitischen Bevölkerung Tarnows ein bleibendes Denkmal gesetzt haben, die Namen von drei Husarenvfficieren, einem Staatsanwalt, des Herrn Bezirksvorstehers, eines Landesadvocaten, zweier Gensd'armen, sowie die Leistungen der studirenden Jugend und der städtischen Polizeimannschaft besonders hervor. genscheinliche Gefahr von der Judenstadt abgewendet. Wir halten es für geeignet, dieses Umstandes — wenn auch rein localer Natur — in diesen Blättern zu erwähnen, weil in denselben auch oft und viel „aus Galizien" über unliebsames Verhalten Seitens der Christen gegen Juden geklagt wurde. Als Seitenstück zu Diesem verdient auch erwähnt zu werden, daß, als einige Tage später, und zwar Freitags Abends um 10 Uhr, in einem christlichen Hause Feuer ausbrach, dessen weiteres Umsichgreifen wieder größtentheils durch die angestrengteste Thätigkeit israelitischer Hände verhindert wurde. Man bemerkte unter diesen auch Juden, die der chassidischen Partei angehören , und dies geschah an einem Mabbath! — Ueberhaupt gewinnt hier mit dem allmähligen Schwinden des gesetzlichen Druckes auch die gegenseitige Annäherung zwischen Christen und Juden immer mehr Boden, was wir mit Vergnügen anerkennen. Daß die Israeliten keine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, ihre Nächstenliebe zu bethätigen, versteht sich von selbst. So sah man vor einigen Wochen hier israelitische Frauen, den angesehensten Häusern angehörend, von Haus zu Haus gehen, um Geld und Kleidungsstücke für die durch Ueberschwemmung beschädigten Bewohner der Weichselgegend zu sammeln. — Am 29. v. M. fand in einem der Hörsäle der medicinischen Klinik zu Krakau die feierliche Installation des I)r. Anton Rosner (eines hiesigen Israeliten) als Docenten statt. An demselben Tage, so berichtet der Czas, hielt er vor einem zahlreich versammelten Auditorium Vortrag, welcher unwiderlegliche Beweise seines Wissens und der Vortragsgabe lieferte und mit lauten Beifallszeichen ausgenommen wurde. — Laut des jüngst im Drucke erschienenen „Ausweises der Administration des Tarnower israelitischen Krankenhauses und Armenfonds über das Jahr 1861 ".erreichten die Einnahmen in diesem Jahre die Höhe von 7835 Fl.; verausgabt wurden 6709 Fl. und verblieb ein Kassenbestand mit 1126 Fl. Von den 504 Kranken, die das Krankenhaus im Laufe dieses Jahres pflegte, wurden geheilt entlassen 448, ungeheilt 3, gestorben sind 43 (von denen jedoch 10 bereits im Sterbezustande ins Spital gebracht wurden), in Behandlung verblieben 51.— Auf den 18. dieses ist behördlicherseits eine Vorsteherwahl für die hiesige israelitische Gemeinde anberaumt worden; möge diese ein zeitgemäßes Resultat liefern, di? hiesigen Zustände benöthigen dessen so sehr j