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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-20 · Heft 21 (20.5.1862) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 21 (20.5.1862)
Date
1862-05-20
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 weigert, das zu geben er doch jedem.Mörder und Räuber verpflichtet ist." Pastor B. wurde nicht zum Wahlmann aufgestellt. Daß die Wahlen in dem Dorfe Burg so gut ausfielen, ist hauptsächlich dem wackern Streben des obengenannten David Rockotsch zuzuschreiben, der unablässig bemüht war, die Aufmerksamkeit der Bauern auf die der Wahl würdigen Personen zu richten. Emil Breslaur, Chorleiter, Sprach- und Religionslehrer. Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Der 17. Rechenschaftsbericht der hiesigen jüdischen Badearmenkasse weist die Einnahmen im Jahre 1861 in 434 Thlr., die Ausgaben in 376 Thlr. nach. Die Unterstützungen an die armen Badereisenden in baarem Gelde, in Mittagsbrod, Logis, Bädern, Arzenei und Reisegeldern werden auf die angemessenste Weise geleistet. Es wurden so in der verflossenen Badesaison 41 arme Badegäste versorgt, und möge daher der Aufruf der Männer, welche sich so edelmüthig der Verwaltung unterziehen, bei den Vorständen der Gemeinden und Krankenpflegevereinen den wirksamsten Anklang finden. Aus Pommern, 2. Mai. (Privatmitth.) Wenn jüngst in dieser Zeitung berichtet worden ist, wie huldvoll der Kaufmann Fabian in Callies als Wortführer einer Deputation allerhöchsten Orts ausgenommen wurde, so dürste es wiederum von Interesse sein, in diesen Blättern auch mitzutheilen, in welcher Weise dieser Herr seine Erkenntlichkeit zu zeigen glaubte. Während nämlich aus allen Theilen des Staates von dem großartigen Siege berichtet wird, den die Volkspartei über die Reaction davongetragen, lesen wir von Callies, daß die dortigen Wahlmänner sämmtlich der Partei der Conservativen angehören. Es ist nun vielfach bekannt, daß dies nur den Agitationen des Herrn Fabian zu verdanken ist, wiewohl etz darauf berechnet war, diese ritterliche That nur zu den Ohren der Feudalen dringen zu lassen. Herr Fabian ist von Vielen als ein Mann gekannt, dessen politische Ueberzeugung bisher durchaus liberal gewesen ist. Es muß daher eine so plötzliche Sinnesänderung Erstaunen erregen und bleibt es dem Leser überlassen, hierüber im Stillen ein Urtheil sich zu bilden. Herrn Fabian sei es aber gesagt, daß die Feudalen sehr vorsichtig geworden sind, seitdem Herz aus Regenwalde hinterher gezeigt, daß die Stimme, durch welche er dem Wagener zur Zeit den Sieg verschaffte, ihre Quelle in ganz besonderen Motiven gehabt hatte. Aus dem Posenschen, 5. Mai. (Privatmitth.) Die durch einige Jahre vacant gewesene Predigerstelle an der Brüdergemeinde zu Posen ist nun endlich definitiv wieder besetzt. Der Gewählte ist Herr Dr. Perles, Einer der drei Zöglinge des Breslauer Seminars, denen dasselbe (vergl. No. 18 d. Ztg.) vor Kurzem die Rabbinerwürde verliehen. Am verwichenen Pessachfeste hat der Genannte sein Amt angetreten. Wie uns mitgetheilt wird, so ist er durch den Seminarlehrer Herrn Di-. Graetz in dasselbe eingeführt worden. — Am 22. v. M. kam es in einer Apotheke zu Posen zwischen' einem Officier und einem jüdischen Kaufmanne zum heftigen Wortwechsel, welcher indeß schnell zu einem tätlichen Kampfe überging, wobei aber der Jude, als der angegriffene Theil, dem Officier die Säbelscheide entriß, deren er sich dann als Vertheidigungswaffe gegen seinen Angreifer sehr wacker bediente.*) —' Wie wir uns jedoch erinnern, so ist dies in P. nicht der erste Fall, daß harmlose Juden von Männern der Epaulette angegriffen, resp. mit Wort und That beschimpft werden. Ein ähnliches Stückchen spielte daselbst Anno 1846 bei Gelegenheit der Anwesenheit Sir Moses Montefiore's in Posen. Aber auch damals hatten die Angreifer sich verrechnet und — wie dieses Mal — mit Spott und Hohn abziehen müssen. — Bei aller der Mühe und Anstrengung, welche die Polen des Großherzogthums in den letzten Wochen sich gegeben, um die Juden auf ihre Seite zu bekommen, so haben diese doch am 28sten v. M. fast durchgängig mit den Deutschen gestimmt und den Letzter« dadurch zu glänzenden Siegen verholfen, wie man sie in manchen Städten und Kreisen wirklich nicht erwartet hatte. Daß allenthalben, wo Juden wohnen, auch solche aus den Wahlurnen hervorgingen, versteht sich von selbst. In der Stadt Posen bilden die jüdischen Wahlmänner den dritten Theil der gesammten Civilwahlmännerschaft. Der Erstern giebt es nämlich 52, während die Letztere 157 beträgt. Dieses Zahlenverhaltniß ist aber ein um so günstigeres, als die jüdische Einwohnerschaft Posens nach der jüngsten Volkszählung nur etwas über ein Siebentel der gesammten städtischen Bevölkerung ausmacht — Beweis genug, wie *) Näheres in einer Correspondenz aus Posen im „Jüdischen Volksblatt". Redaction. 21

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