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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-20 · Heft 21 (20.5.1862) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 21 (20.5.1862)
Date
1862-05-20
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 gefeierte Historiker, Medicin zu studiren, und ward auch wirklich praktischer Arzt. Später fand er eine Beschäftigung bei der hiesigen königl. Universitätsbibliothek und wird nunmehr angemessen verwandt, nachdem er einen Ruf nach Florenz an die dortige Bibliothek abgelehnt hatte. Berlin, 4. Mai. In das neue Abgeordnetenhaus sind auch die Beiden israelitischen Glaubens: vr. meä. Kosch für Königsberg und Reichenheim für Waldenburg wieder gewählt. Stettin, im April. (Privatmitth.) Das hiesige israelitische Waisenhaus, dem Herr H. Moses auf ewige Zeiten eine miethsfreie Wohnung zugesichert, hat in dem Verwaltungsjahre 1860—61 die erfreulichsten Fortschritte gemacht. Das Vermögen desselben ist. um 1230 Thaler gestiegen, so daß es jetzt circa. 9000 Thlr. beträgt; die Kosten für, die Haushaltung betrugen 1086 Thlr. Die Schenkungen mehren sich an Zahl und Größe, sowie das Waisenhaus zur Gedächtnißseier Verstorbener immer öfter benutzt wird. Die Hoffnung, diese wohlthätige Anstalt immer mehr wachsen zu sehen, ist daher eine wohlbegründete. Königsberg, im April. (Privatmitth.) Vor einem Jahre haben edelmüthige Männer allhier eine Aufforderung erlassen, um ein zukünftiges israelitisches Waisenhaus, vorläufig aber ein Pensionat für Waisen zu stiften. Dieser Gedanke wurde schnell zur That, und belief sich die Einnahme während des Jahres an einmaligen und jährlichen Beiträgen auf 9285 Thlr. Es wurden bereits 4 Waisen in Pension gegeben. Die so schnell erzielten günstigen Resultate berechtigen zu den besten Hoffnungen. Breslau, 24. April. (Privatmitth.) Im hiesigen Verein'zur „Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" wurden Sonnabend Abend die diesjährigen Vorlesungen, mit einem von dem eigentlichen Gründer des Vereins, Rabbiner Dr. Jacob Levh, gehaltenen Vortrag über zwei hervorragende Lehrer des Alterthums würdig geschlossen. Der Mangels positiver Unterlagen zuletzt in Skepticismus auslaufenden griechischen Philosophie, welcher sich selbst der Jude Philo in seiner Allegorisirung der Bibel nicht zu entwinden vermochte, stellte der Redner die gleichzeitig in Palästina auf dem ehernen Fundamente göttlicher Offenbarung sich aufbauende jüdische Gesetzlehre gegenüber und bezeichnte als . deren würdigste Träger Hillel und sein Schüler Rabbi Jochanan ben Saccai. Jener von Ersterem stammende Cardinalsatz der Moral: „Was Du nicht willst, das man Dir thue, füge auch einem Andern nicht zu", wurde mit einem ähnlich lautenden des Stifters der christlichen Religion verglichen und beide gebührend gewürdigt. Die Charakteristik des Jochanan ben Saccai führte den Vortragenden auf einen mit dem jüngern Zeitgenossen des Erster«, Rabbi Gamliel, controversirenden Rabulisten, „dessen vielgerühmte Unbestechlichkeit" zuerst einem „silbernen Leuchter", später wiederum einem „goldenen Esel" erlag. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte ein Dank des Herrn S. Oelsner an den Redner und ein von Dr. Pauly im Namen des Vorstandes erstatteter Bericht über die seitherige Thätigkeit desselben, in welchem auch für die Sommermonate einzelne Vorträge in Aussicht genommen sind. Am 5. d. M. schloß Herr Rabbiner P. Neustadt seine jüdisch-wissenschaftlichen Vorträge über die wöchentlichen Perikopen im hiesigen Lehrhause (Beth-ha-Midrasch), Fränkel'schen Hospital. Die exegetisch-homiletischen Vorträge, die Herr N. seit 1'/2 Jahren daselbst allsabbathlich hält, geben Zeugniß von großer Kenntniß des Talmuds, von geläutertem Wissen der Midraschim, von gediegener Auffassung der spätern jüdischen Exegese und Bekanntschaft mit der neuern Literatur, und mit Recht erfreuen sich diese Vorträge des ungetheiltesten Beifalls. Cottbus, 1. Mai. (Privatmitth.) In dem benachbarten Dorfe Burg verweigerte neulich der Seelsorger der Gemeinde, der Pastor B., einer alten Frau aus dem Grunde das Abendmahl zu geben, weil sie sich mit Kartenlegen beschäftige. Die Alte bat ^dringend darum, er stieß sie zurück. Nun wurde bei einer in demselben Dorfe stattgehabten Vorwahl derselbe Pastor zum Wahlmann vorgeschlagen, wogegen aber ein jüdischer Mann, Namens David Rockotsch, seine Stimme erhob, weil dieser Pastor kein richtiger Hirt wäre, indem er seine Heerde verstieße und andere Heerden anzuziehen suche. Man forderte ihn auf, sich hierüber näher auszulassen, und er that dies mit folgenden Worten: „Der Pastor B. ist kein rechter Hirte, er hat nur Interesse für Juden und Heiden und der Inhalt fast aller seiner Predigten dreht sich um Bekehrung, also Heranziehung derselben, während er Mitglieder seiner eigenen Heerde verstößt und ihnen das Abendmahl ver-

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