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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-20 · Heft 21 (20.5.1862) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 21 (20.5.1862)
Date
1862-05-20
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 cember) Bco. Mk. 260,496. an Depositen der Gemeinde in Händen, und außerdem noch Bco. Mk. 28,184. an Brautgeldern für 151 hiesige Mädchen, die ihnen durch Verlosung aus 15 verschiedenen Testamenten zum einstigen Heirathsgut zugefallen sind. Ihre sämmtlichen Capitalien sind selbstverständlich auf die sicherste Weise zinslich angelegt, und der aus dieser Benutzung entstandene Ueberschuß, aus welchem schon 1848 Bco. Mk. 12,881. ybgeliefert wurden, steht jetzt wieder mit Bco. Mk. 5224. der Gemeindekasse zur Verfügung." München, 3. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische Gemeinde, deren Alter nicht einmal ein halbes Jahrhundert übersteigt, ist auf dem besten Wege, die erste und zahlreichste Bayerns zu werden. (Bis jetzt wird sie nur von Fürth überflügelt.) Seitdem die verschiedenen Ausnahmsgesetze von unserer trefflichen Volksvertretung und unserer glorreichen Regierung aufgehoben, und die Bedingungen zur Niederlassung unserer Glaubensgenossen gleich sind mit denen für die übrigen bayerischen Unterthanen, wächst die Zahl der hiesigen Gemeindeglieder täglich; fortwährend kommen neue Familien hinzu und neue Firmen erstehen. Kein Wunder, wenn auch in der Verwaltung ein regerer Geist sich zeigt, um neue Institutionen zu schaffen , alte zu regeneriren oder den heutigen Verhältnissen anpassend zu machen. In den letzten Jahren traten hier besonders die Regelung der Schulangelegenheit, die Erweiterung der schon jetzt geräumigen Synagoge und die wegen des vorgerückten Alters des Herrn Rabbiner H. Aub nothwendig gewordene Bern-« fung eines Predigers in den Vordergrund. Letztere erfolgte, wie bereits in diesen Blättern berichtet, schon im October vor. Jahres und wir können der Administration zu der glücklichen Wahl nur gratuliren. Herr Dr. Herrmann Engelbert, dem in Folge seiner hier gehaltenen zwei Probepredigten' das Predigtamt sofort — wenn vorläufig auch nur in provisorischer Eigenschaft — übertragen wurde, erwirbt sich immer mehr die Achtung und Verehrung der hiesigen Gemeinde. Ein Mann des gemäßigten Fortschritts, der sowohl die Zeit versteht und begreift, als auch von d^r hohen Aufgabe des Judenthums durchdrungen und begeistert ist, zeigt er eine unerschütterliche Consequenz, einen entschieden festen Charakter, der sich von der einen oder andern Richtung nicht, beeinflussen und ebenso wenig — trotz der mannigfachen Schwierigkeiten, die dem heutigen aufrichtigen Theologen entgegentreten, trotz so mancher von einer gewissen Partei ansgehenden Anfechtungen, die gerade nicht mit den schönsten Mitteln zu agiren gewohnt ist, — sich auf der von vornherein bezeichnten Bahn einschüchtern oder beirren läßt.— Seine Predigten, die einen sittlichen Ernst und versöhnlichen Geist athmen und von innerer Wärme und Hingebung für unsere heilige Religion durchweht sind, gewinnen noch durch das das kräftige und wohlklingende Organ. Daher auch immer die große Zuhörerschaft und die gefesselte Spannung des Auditoriums. Bei solchen Leistungen kann es unfern Di-. Engelbert an würdiger und ehrender Anerkennung von competenter Seite nicht fehlen und er wird hier, trotz des winzigen Häufleins der Hyperorthodoxie, stets bessern Boden gewinnen. Wie klein und schwach diese letztere ist, hat die neulich hier stattgehabte Gemeindeausschußwahl zur Genüge dargethan, woselbst sie bei aller Anstrengung eine vollständige Niederlage erlitt. — Ueber den Ausbau, resp. Erweiterung der hiesigen Synagoge läßt sich für heute noch nichts Näheres berichten; dagegen hat die Schulfrage bereits durch den Beschlich der Administration und des Ausschusses ihre Lösung gefunden: daß für den nieder« Religionsunterricht zu den bisherigen Lehrkräften noch eine neue Hinzukommen, und die Leitung des höhern in die Hände des Predigers gelegt werden soll. Möge auch hier der beste Erfolg erzielt werden und somit das Gesammtwirken unseres verehrten Dr. Engelbert als ein für die Gemeinde und Schule in jeder Beziehung Heil und Segen bringendes sich erweisen. Preußen. Berlin, 4. Mai. (K. Z.) Der Doctor der Philosophie und Medicin, Ph. Jaffe aus Posen, welcher sich durch seine Regesten der Päpste einem Namen gemacht und die besondere Anerkennung des verstorbenen Fürstbischofs von Breslau, Melchior Diepenbrock, dafür empfangen hat, ist jetzt endlich zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der hiesigen Universität ernannt worden. Da der 1858 entlassene und seitdem verstorbene Unterrichtsminister von Raumer den Dr. Jaffe, lediglich weil er Jude war, nicht anstellen wollen, derselbe auch nicht einmal bei der Staatsbibliothek eine Stelle finden konnte, so entschloß sich der

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