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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-20 · Heft 21 (20.5.1862) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 21 (20.5.1862)
Date
1862-05-20
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 erheischen. Diejenigen Gründe, welche früher die Ausnahmestellung der Juden hervorriefen, haben im Laufe oer Zeit größtentheils - ihre Bedeutung verloren; am allerwenigsten kann die Religion dieses Volkes, welche im Mittelalter das Hauptmotiv seiner Verfolgung und Zurücksetzung war, gegenwärtig mehr einen Gründ hierfür bilden." Der Abg. Artaria hebt nachdrückliche die Fortschritte der Juden seit 50 Jahren hervor. Er sagt: „Seit den letzten 50 Jahren sind dieselben nicht um ein halbes Jahrhundert, sondern um ein halbes Jahrtausend in der Bildung vorgeschritten." Der Prästdent des Ministeriums des Innern, Geh. Rath Lamey: Auch die Regierung habe Grund, ihren Dank dem ganzen hohen Hause und dem Berichterstatter auszusprechen; denn es sei nicht zu verkennen, daß die Vorlage des Gesetzes viele Stimmen im Volke gegen sich habe. Wir segeln nicht mit dem vollen Wind der Popularität in dieser Frage, und der Abg.. Federer mag wohl Recht haben mit der Behauptung, daß es den meisten Unterzeichnern Ernst damit war, den Israeliten die Gleichberechtigung aus Ueberzeugung zu versagen. Aber dahin, wohin das Vorurtheil steuert, können wir nicht folgen, wir würden damit das Unheil des Staates herbeiführen. Es sind eben Vorurtheile, und dieselben muß maw bekämpfen, nicht sich ihnen fügen. Es wurde in den Petitionen die Abschaffung des Nothhandels verlangt. Aber er sei fest überzeugt, daß nach der Abschaffung des Nothhandels, der eine Nothwendigkeit, eben so viel und mehr Petitionen die alsbaldige Wiedereinführung verlangen würden. Die Klagen über Schacher und Wucher sind ebenso nichtssagend. Man sei nur allzu geneigt, jedes Zinsgeschäft mit einem Israeliten von vornherein Wucher zu nennen, wenn etwas höhere als die üblichen Procente genommen würden. Mit einer bizarren Ausdrucksweise könne man nach dem Vorgang des bekannten Ausspruches „Eigenthum ist Diebstahl" vielmehr behaupten, daß der Hypothekargläubiger der eigentliche Wucherer sei. Der blos auf Hypothek Geld Darleihende dürfe jedenfalls doch Den nicht schelten, der ohne solche Sicherheit^ wenn auch gegenhöhere Zinsen, leiht. Wenn man mit derartigen Begriffen, mit Vorurtheilen rechnet, dann ist am Ende Jeder ein Wucherer und Schacherer. Das vorliegende Gesetz wird sehr unschädlich in.seinen Folgen sein. Man hat es ein Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung genannt, ihm den Namen eines Emancipationsgesetzes gegeben; es ist dies gar nicht, sondern nur der letzte Schritt auf der Bahn der Emancipation, die. schon längst betreten ist. Die Gesetzgebung Karl Friedrichs, das Landrecht, das Gesetz vom Jahr 1849, ja die noch vor Kurzem beschlossenen Gesetze über Gewerbefreiheit und Freizügigkeit sind alle weit wichtiger als das vorliegende. Die Befürchtungen vor den Folgen dieses Gesetzes sind daher ungegründete; am wenigsten haben die Landgemeinden, in denen jetzt Israeliten wohnen, zu fürchten; die Letzter» werden jetzt eher von dort wegziehen. Nachdem den Israeliten die politische Gleichberechtigung gewährt ist, sie Abgeordnete und Minister werden können, wie wollte man es jetzt rechtfertigen, sie von Gemeindeämtern, von der Möglichkeit, Nachtwächter rc. zu werden, ausschließen? das wäre eine doch allzu große Werthschätzung dieser Gemeindeämter! Religiöse und andere Vorurtheile haben bis jetzt es nicht dazu kommen lassen, die letzte Schranke, die der vollen Gleichberechtigung entgegensteht, zu beseitigen, und manchen der Abgeordneten des Landtages von 1831 mag auch allzu große Rücksichtnahme auf seine Wähler in seiner Ansicht geleitet haben; das Gesetz war noch nicht zeitgemäß. Zweierlei Hauptgründe werden gegen das Gesetz geltend gemacht. Die Einen behaupten, die Israeliten, die Andern, die Christen seien dafür noch nicht reist Was die erstere Ansicht betreffe, so sei es eine schwere, ja unmögliche Untersuchung, den Zeitpunkt der Reife' zu bestimmen. Es läßt sich in jedem Moment behaupten, die Reife sei noch nicht vorhanden; es kommt aber auch gar nicht darauf an, denn wenn man die Reife als Erforderniß aufstellen wollte, müßte man Alle, auch Nichtsuden, durch eine Commission prüfen lassen, und da würden wohl Manche nicht bestehen. Was aber die Behauptung betrifft, die christliche Bevölkerung sei noch nicht reif zu dem vorliegenden Gesetz, so antworte , er, sie muß reif dazu sein; denn es ist ein bloßer Act der Gerechtigkeit. Man hat die verschiedene Nationalität der Israeliten betonü Er wolle nur an die deutschen Generale und Truppen erinnern, die jetzt nach den Berichten in Amerika von den Eingebornen auch wegen ihrer Nationalität zurückgefetzt werden; diese Zurücksetzung thut uns Allen weh. Schließlich macht Redner noch'darauf aufmerksam, daß die Gleichstellung nicht blos den Israeliten zu Gute komme, sondern auch den Christen selbst. Denn der Umstand, ob ein richtiges Princip vollständig durchgeführt ist

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