Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1862)
- Date
- 1862-05-13
- Page
- Seite 256 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rstionMeu und humanen Geist den FqchmKnnern heut noch Bewunderung abnöthigen, ist eine Thatsache, welche die neuere. Literatur entschieden dargethan und wohl hervorgehoben zu werden verdient. Sprachenkunde war im Alterlhume eine unbekannte Größe, indem die gefeiertesten Pichler und Schriftsteller nicht mehr verstanden als ihre Muttersprache; wir werden also dieselbe im heutigen Sinne von den Talmudlehrern weder erwarten, noch verlangen; dennoch sind Spuren genug vorhanden, die zeigen, daß ihnen keineswegs der Sinn dafür und die Uebung darin gänzlich abging. Vom obersten Gerichtshof zu Jerusalem, dem großen Synedrion, wird behauptet, daß Niemand Sitz und Stimme darin haben dürfe, der nicht siebzig, das heißt, alle lebenden Sprachen verstand. (Synh. 1-7, »,) Nehmen wir es indessen mit der hyperbolischen Zahl siebzig nicht so genau, so ist doch so viel sicher, daß Lateinisch und Griechisch den Autoren des Talmuds ziemlich geläufig war. . (Schluß folgt.) Bonn, 4. Mai. Die badensche Kammer. Die Abstimmung der badenschen zweiten Kammer über den Gesetzentwurf der Großherzogl. Regierung, die volle Gleichberechtigung der Israeliten betreffend, gesellt sich zu den Voten der bayerschen und württembergischen Kammern als ein dritter Sieg unseres Rechtes binnen kurzer Zeit im deutschen Vaterlande. Was diesen Sieg so entscheidend macht, ist die Einstimmigkeit der Abstimmung, die in der bayerschen und württembergischen beinahe, in der badenschen wirklich erreicht worden. Wenn demnach die Gleichberechtigung in ihrem Kampfe durch die Mehrheit der Stimmen seit langer Zeit Siege erfochten hat, so kann sie doch dieselben jetzt erst dls vollendet ansehen, da die Energie ihres Triumphes sich so vollständig dargethan hat. Jnsondcrs zeigt es sich auch hier, daß die Reaction die Verwirklichung der großen Principien zwar eine Zeit lang aufhalten kann, nur aber um deren Realisirung desto entschiedener zu machen. Bringen wir daher dem Präsidenten des Großherzogl. Ministeriums des Innern, 0n. Lame Y und der badenschen Kammer den aufrichtigsten und wärmsten Dank, für die. Einbringung und Genehmigung des bezüglichen Gesetzes dar, das der Glaubens - und Gewissensfreiheit in Baden die unbedingte Herrschaft gewährt, sowie für die hochherzige Consequenz/ mit welcher sie, unbeirrt von den lauten Stimmen des Borurtheils und der Gehässigkeit, dem Rechte und der Humanität unverrückbare , Säulen aufgerichtet haben. Das erste Moment der Verhandlungen bildet der vom Ahg. Häusser erstattete Commissionsbericht. Wenn Herr Häusser in seinem Streben nach Unparteilichkeit sich durchaus nicht von irgend einer Vorliebe für die Juden leiten läßt, sondern im Gegentheil die bestehenden Vorurtheile und Anschuldigungen als begründet vorausfetzt und nur darthut, daß sie auf die volle Ertheilung des Rechtes keinen Einfluß üben dürften, wenn er daher in der Würdigung der wirklichen Verhältnisse und Sachlage von mehreren Rednern bei der Debatte weit übertroffen worden: so wollen wir gerade dies als ein günstiges. Ereignis; ansehen, weil dadurch den Gegnern der Einwurf genommen worven, als ob der Berichterstatter von einer Vorliebe für die Juden beherrscht gewesen. Abgesehen hiervon, zeichnet sich der Bericht durch Gründlichkeit, Schärfe des Urtheils und Klarheit der Darstellung aufs Trefflichste aus. Er geht zuerst die Geschichte der die Juden betreffenden Verhandlungen und Gesetze in Baden durch, und zeigt deren organische Entwickelung, beginnend mit der Gewährung der persönlichen Freiheit bis zur Verleihung sämmtlicher staatsbürgerlicher Rechte, so daß sie erst jetzt die Freizügigkeit erhielten und nunmehr nur noch im Ortsbürgerrecht beschränkt waren. Hierauf wendet er sich zur Statistik der Juden in Baden, denen es unter. 1,369,291 Seelen 24,099 giebt, und geht nun auf die vielfach besprochenen Gegenpetitionen über, au« , welchem Th eile wir folgende. Stellen hervorheben. „Sobald der Entschluß der Regierung^ die letzten Beschränkungen zu beseitigen, in die Oeffentlichkeit gedrungen war, wurde.dagegen eine Petitionsbewegnng ins Werk gesetzt. Ein lithographirtes Formular ward von unbekannter Hand an alle Gemeinden, des Landes versendet und darin zum Widerstand gegen die bürgerliche Gleichstellung der Juden aufgefordert. Diese Anregung ist nicht ohne Erfolg geblieben. Es sind bei der zweiten Kammer 194 Petitionen mit nahezu 18,190 Unterschriften eingekommen; darunter 14 selbstständig abgefaßte, alle übrigen Unterzeichnungen des lithographirten Formulars. Von diesen Petitionen fallen 46. auf den Seekreis, 80 auf den Oberrheinkreis, 2,7 aus den Mittelrheinkreis und 41 aus den Unterrheinkreis. In Betreff der angegebenen Zahl der Unterschriften ist noch zu berücksichtigen, daß bei vielen Petitionen nur der Gemeinderath und Bürgerausschuß im-Namen