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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-06 · Heft 19 (6.5.1862) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 19 (6.5.1862)
Date
1862-05-06
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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T4S des Franz - Joseph - Ordens und Herr Wilhelm Frankl , das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Nun muß bemerkt werden, daß der hiesige Gemeinderath aus 120; Personen besteht,: darunter sind drei JvdeN> und von diesen dreienwurden zwei decorkrt. Diese Thatsache spricht für sich selbst. Wen, 24. April. (PrivatmittP) - Aus der gestri-! gen Sitzung des Wiener (städtischen) Gemeinderathes! haben wir Folgendes zu berichten: : Die Gemeinderäthe Nicola und Klemm stellen! folgenden Antrag: „Die christkatholische feierliche Ceremonie am heil.. Charsamstage beginnt damit, daß außerhalb der Kirche ' ein Feuer angem acht wird, in welchem nach uraltem .Gebrauche die Ueberreste des alten heil. Chrisams und Oeles verbrannt werden. Der Priester betet dabei:. „Gott wolle, uns erlertchten, unsere Herzen von bösen - Neigungen Läutern und mit himmlischen Begierden ent- 1 zünden." Die Unwissendsten aus dem Volke hingegen deuten! sich; diese kirchliche Ceremonie anders und rufen sich vergnügt zu: ,Mer Jud' wird verbrennt!" Durch diese; falsche und gemüthsrohe Deutung wird in Mährlicher Wiederholung ein ansehnlicher Theil unserer Mitbürgerschaft empfindlich gekränkt, wahrhaftchristliche Gemüther werden verletzt, und die Gebildeten aller Consefsionen werden beleidiget. Unwissende und Pöbel hatte die Welt zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftsschichten aufzuweisen. Mit dieser schmerzlichen Erfahrung müßten und würden wir * uns (obgleich mit Bedauern!) auch in diesem Falle bescheiden^ wenn nicht empörender Weise die-zarte Jugend das stärkste Contingent zu den erwähnten schadenfreudigen Nichtswrsfenden alljährlich liefern würde.' . In Erwägung, daß auch dieser Theil der Jugend die Schule besucht haben muß, und dennoch die Absichten der heiligen Kirche — mindestens der Eharsamstags- Ceremonie gänzlich verkennt, stellen die Gefertigten den Antrag,' der Ml. Gemeinderath wolle beschließen: Dem hohen, erzbischöflichen Consiftorio sei diese vielfach gemachte bedauerliche Wahrnehmung zur Kenntniß zu bringen, und dasselbe hohe Confistorium werde unter Einem gebeten : dahin zu wirken; daß in der Volksschule die wahre Bedeutung der von Sr. Majestät dem-Kaiser allerhöchst befohlenen GLerch^rechügnng aller Consessionen in der, deck allerhöchsten Willen entsprechenden, richtigen Weise erklärt werde. Ihre Schuksection dürste mit der Verfassung dieser Eingabe zu betrauen sein." Siklos, 9. April. (Privatmitth.) Heute erscheint beim hiesigen Arzte ein zwar simpler, aber sehr ächtbarer Jude, Namens Philipp Rosenthal, aus dem eine Stunde von hier entfernten Dorfe Kis-Buvnter, Bezirk Fünfkirchen, Cockitat Bäranya, um sich seines schrecklichen Kopfschmerzes und Ohrensausens wegen von ihm ärztlichen Rath zu holen. Beim Eingehen auf die Aedwlogie seines Äidens theitte er Jenem unter Thränen folgende Geschichte mit, die ich, gestützt auf die bekannte Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe dieses Mannes, zu verbürgen keinen Anstand nehme. Vor einiger Zeit kaufte er 30 Paar Holzschuhe in Mohscs, lud selbe auf seinen Wagen ünd sandte sie ckit zwei Bauern nach seinem Wohnorte; früher in seinem Wohnorte angelangt, brachten die zwei Bauern ihm anstatt 30 Paar nur i# Paar Holzschuhe; er klagte beim Dorfrichter, welcher diese zur Bezahlung ,des Fehlenden verurtheilte. Diese, damit nicht zufrieden, klagten beim Oberstuhlrichter Förster in Fünstirchen und beanspruchten sogar Entschädigung wegen Ehrenverletzung. Der Oberstuhlrichter Förster ließ den Juden rufen, überhäufte ihn mit Beschimpfungen, stieß ihn öfters gegen die Brust und schrie: „Glaubt ihr Juden, weil ihr einen Rock (der Unglückliche war in einem deutschen Rocke) und Ringe tragt, ihr werdet Alles durchsetzen?" und das sogar in Gegenwart der zwei Bauern und deren Advocaten! — Als der zum Tod erschrockene Jude bat, ihm zu erlauben, sich auch einen Advocaten holen zu dürfen, schrie der Herr Oberstuhlrichter r „Ich werde Dich saMmt Deinem Advocaten einsperren lassen!" Darauf befahl er einem Panduren (ungarischen Polizeimann), sich neben den „Juden" hinzustellen und bei jeder unlogischen Antwort: auf fein Zeichen dem „Juden" eine Ohrfeige zu versetzen, und so erhielt derselbe drei Ohrfeigen, wodurch er' genöthigt ist, jetzt ärztliche HÄfe in Anspruch zu nehmen. Sie sehen, die Mockstreiche werden nicht mehr angewendet! Der Gemißhandelte wurde hierauf mit folgenden Worten vom Stuhlrichter entlassen i „ Ietzt ka n nst Du ziehen, und wenn Du binnen vierunbzwanzig Stunden dies en z w e i Leuten nicht klar b ew er fest, daß sie Dkr die eilf Paar 19

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