Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1862)
- Date
- 1862-05-06
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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243 und des Judenthums gesprochen und geschrieben, der gegen die Macht des Vorurtheils und des blinden Fanatismus sein blankes zweischneidiges Schwert so kühn erhob und sein ganzes Leben hindurch sich als der energischeste und genialste Kämpfer für Wahrheit und Recht, für Aufklärung und Toleranz bewährt hat. Was Lessing uns war, besagt uns am deutlichsten sein und unser erbittertster Feind — der pietistisch - protestantische Uttramontanismus. Im Wolfgang Menzel'schen Literaturblatt (No. 98 v. Jahrgs.) heißt es wörtlich, „daß Lefsing sich noch im Grabe schämen sollte, den langweiligen Moses Mendelssohn zu einem Philosophen gemacht zu haben", und in No. 9 dieses Jahrgs. wird ihm der Vorwurf gemacht, „daß er (Lessing) an nichts Besseres gedacht habe, als an die Vergötterung des Judenthums." Wer sich indeß mehr zu schämen habe, ob Lessing ob dieser Vergehen, oder ein Wolfgang Menzel ob seines jüngsten Machwerks: „Die letzten 120 Jahre der Weltgeschichte" (worauf ich später zurückkommen werde), diese Frage sollte durch eine allgemeine Betheiligung unserer Glaubensgenossen an der Collecte des Lessingstandbildes beantwortet werden. , Dr. Engelbert, Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde. Karlsruhe, 26. April, Vormittags. In der gestrigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde das Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten einstimmig angenommen. (Diese Einstimmigkeit der Kammer, die in der württembergischen und bayerischen Kammer ja ebenfalls stattgefunden, erweist die Entschiedenheit des Sieges, welcher, den Anstrengungen der ultramontanen und feudalen Partei gegenüber, um so glänzender ist. Die ptebactionO Preußen. Posen, 21. April. Der „Ostsee-Ztg." schreibt man: „Die polnische Partei, der Alles daran liegt, Zwiespalt unter die Deutschen zu bringen, beabsichtigt, den durch seine hervorragende Betheiligung an den Warschauer Unruhen bekannten Rabbiner Dr. Jastrow, der sich nach seiner Ausweisung aus Polen in Rogasen niedergelassen hat, als ihren Candidaten aufzustellen, für den sie mehrere jüdische Stimmen zu gewinnen hofft. Sie wird sich aber in dieser Hoffnung bitter getäuscht sehen." (Aus guter Quelle wissen wir, daß schon früher die Polen in Posen mit dem Herrn Dr. Jastrow Demonstrationen machen wollten, denen sich dieser aber entzog. Man kann einer Sache aufrichtig zugethan sein, ohne sich zum Werkzeuge nutzlosen Lärmens machen zu wollen. Die Redact. d. A. Z. d. I.) Tilsit, im April. (Eingesandt.) In der No.. 15 dieser Blätter vom 8. April befindet sich bei der Mittheilung von einer dem Abgeordneten Buchenheim zugegangenen Zustimmungs - und Dankadresse aus Waldenburg für sein Verhalten in dem aufgelösten Abgeordnetenhause in einer Anmerkung der Redaction die Anfrage: warum Herr Buchenheim , ebenso wie Herr Dr. Ko sch, die beiden Abgeordneten jüdischen Glaubens, den Auslassungen des Ministers von Bethmann- Hollweg (über die Juden) gegenüber geschwiegen? — Als Augenzeuge in jener Sitzung vom 4. März gegenwärtig gewesen, bemerke ich nun, daß Herr Buchenheim allerdings sofort, nachdem der Minister jene famose Aeußerung über die Unduldsamkeit des Judenthums gethan — in sehr demonstrativer Weise sich zum Worte gemeldet, und zwar so, daß daS ganze Haus und sämmtliche Zuhörertribünen es sehen und davon Act nehmen konnten. Kaum hatte der Minister jene Worte ausgesprochen, als der Herr Abgeordnete energisch von seinem Sitze sich erhob, und — während der Minister noch sprach, sich das Wort erbat, wobei er den Herrn Präsidenten laut anrief! Später, doch noch während der Minister sprach, veranlaßte Herr Buchenheim — wie man von der Tribüne bemerken konnte — auch seinen Collegen Kosch, sich zum Worte zu melden, was ebenfalls geschah, indem Letzterer zum Bureau hinaufstieg.— Die Sitzung wurde wegen vorgerückter Zeit — sie hatte von 11 bis 5 Uhr gedauert —vertagt; in der nächsten vom 6ten März kam der Hagen'sche Antrag heran, und darauf erfolgte die Auflösung. — Die beiden Abgeordneten hatten also keine Gelegenheit mehr, für ihre geschmähte Religion eine Lanze zn brechen, und sind, wie man hieraus ersieht, nicht schuld.*) Julius Lebegott. *) Wir nehmen diese Berichtigung mit Befriedigung entgegen, können aber doch nicht begreifen, warum nicht zu einer „persönlichen Bemerkung" in der gedachten Sitzung Gelegenheit gegeben wäre, wenn die gedachten Herren Abgeordneten darauf hätten bestehen wollen. Die Redartion.